Sommer, Sonne, Schweiß – für viele gehört das unangenehme Nass unter den Achseln genauso zur warmen Jahreszeit wie Eis und Sonnencreme. Doch warum schwitzen manche Menschen deutlich stärker als andere? Und lässt sich die Schweißmenge überhaupt beeinflussen?
"Das Schwitzen ist eines der wichtigsten Mechanismen der Thermoregulation", erklärt die Wiener Dermatologin Barbara Franz. Der Körper versucht damit, seine Temperatur zu regulieren und überschüssige Wärme loszuwerden.
Unser Körper hat vor allem zwei Möglichkeiten, überschüssige Wärme loszuwerden: Die Blutgefäße erweitern sich – das Gesicht kann rot werden – und geben Wärme an die Umgebung ab. Die wichtigste Maßnahme aber ist das Schwitzen.
Entscheidend ist dabei nicht, wie viel Schweiß auf der Haut steht, sondern was danach passiert. "Der Kühlungseffekt ist nicht der Schweiß auf der Körperoberfläche, sondern der verdunstende Schweiß", sagt Franz.
Genau diese Verdunstung sorgt für die sogenannte Verdunstungskälte. Deshalb können 30 Grad bei trockener Luft deutlich angenehmer sein als dieselbe Temperatur bei hoher Luftfeuchtigkeit. "Wenn wir über 30 Grad und sehr trockene Umgebungstemperatur haben, dann sind die 30 Grad oft gar nicht mehr so belastend, weil durch die trockene Luft die Verdunstungskälte viel besser funktionieren kann."
Warum manche Menschen schon beim kleinsten Anstieg der Temperatur ins Schwitzen geraten, während andere kaum eine Schweißperle zeigen, ist zu einem großen Teil genetisch vorgegeben.
"Wie viel man schwitzt, ist in erster Linie eine genetische Disposition", erklärt die Dermatologin. Auch die Anzahl und Dichte der Schweißdrüsen sei genetisch bestimmt und lasse sich nicht einfach verändern. Ganz machtlos ist man trotzdem nicht. Kleidung und Ernährung können beeinflussen, wie stark der Körper ins Schwitzen kommt.
Gerade an heißen Tagen lohnt sich laut Franz ein Blick auf den Teller. Scharfe und stark gewürzte Speisen können die Schweißproduktion zusätzlich ankurbeln. Auch sehr salzige Lebensmittel sind nicht unbedingt die beste Wahl, wenn man ohnehin zum Schwitzen neigt. Und dann wäre da noch das Koffein, welches das Schwitzen zusätzlich fördert. Es steckt nicht nur im Kaffee, sondern auch in Tee und Energy-Drinks. "Ich glaube, das wissen die Wenigsten", sagt Franz.
Selbst Kleidung kann hier einen entscheidenden Unterschied machen. Franz empfiehlt leichte, dünne Stoffe und möglichst luftige Kleidung. Besonders geeignet sei etwa Leinen.
Weniger ideal sind dagegen eng anliegende Textilien. Auch klassische Sportbekleidung kann problematisch sein. Die Stoffe sind zwar darauf ausgelegt, Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren, doch bei dauerhaft feuchter Haut kann das einen unerwünschten Nebeneffekt haben. Denn Wärme und Feuchtigkeit sind ein ideales Milieu für Pilze.
Und dann gibt es noch eine Methode: Botox gegen starkes Schwitzen. Bei einer sogenannten axillären Hyperhidrose, also krankhaft starkem Schwitzen im Achselbereich, kann die Behandlung eine wirksame Option sein. "Ich finde es generell eine der nebenwirkungsärmsten Behandlungsmöglichkeiten, um lokalisierte Hyperhidrose sehr gut in den Griff zu bekommen", so Franz.
Geheilt wird die Erkrankung damit allerdings nicht. Das Botulinumtoxin blockiert die Signalübertragung zu den Schweißdrüsen und reduziert dadurch deren Aktivität. Die Wirkung kann mehrere Monate anhalten.
Die häufige Sorge, dass man nach einer Botox-Behandlung einfach an einer anderen Körperstelle umso stärker schwitzt, sieht Franz differenziert. "Es ist ein bisschen eine Mär zu sagen, man schwitzt dann an anderen Körperstellen vermehrt", sagt sie. Die aktuelle Studienlage bestätige diesen klassischen Einwand nicht.
Für Menschen, die normal oder nur mäßig schwitzen, sieht die Sache allerdings anders aus. Denn hier erfüllt der Schweiß, wie schon erwähnt, genau jene Funktion, für die der Körper ihn produziert: Er hilft beim Abkühlen.