Eine Hinrichtung, die mit dem Tod einer verurteilten Mörderin enden sollte, wurde zum medizinischen Drama. Die 50-jährige Christa Pike überlebte am 30. September im US-Bundesstaat Tennessee gleich zwei Dosen des tödlichen Medikaments Pentobarbital. Nun zeigen neue Gerichtsunterlagen, was sich in der Hinrichtungskammer abgespielt haben soll.
Laut ihrem Anwalt Randy Spivey hatte das Hinrichtungsteam massive Schwierigkeiten, funktionierende Venenzugänge zu legen. Rund zehn Nadeln kamen zum Einsatz, mehrere Einstichstellen an beiden Armen wurden ausprobiert. Fast eine Stunde dauerte es, bis die Mitarbeiter die vorgeschriebenen Zugänge gelegt hatten.
Dabei gab es offenbar schon früh Warnzeichen. Ein Mitarbeiter äußerte den Verdacht, dass eine Vene geplatzt sein könnte. Trotzdem wurde die Hinrichtung fortgesetzt.
Besonders erschütternd sind die Schilderungen aus der Hinrichtungskammer. Laut den Gerichtsunterlagen verzog Pike vor Schmerzen immer wieder das Gesicht, während die Mitarbeiter versuchten, die Nadeln richtig zu platzieren.
Um 19.34 Uhr klagte die Verurteilte über starke Schmerzen. Ihr Arm fühle sich an, als würde er gleich platzen, außerdem verspüre sie ein heftiges Brennen, berichtete ihr Anwalt.
In den folgenden Minuten zeigte Pike zunehmend körperliche Reaktionen. Sie bewegte ihren Kopf, zuckte zusammen und schien Schwierigkeiten beim Atmen zu haben.
Ob die tödliche Substanz tatsächlich vollständig in ihre Blutbahn gelangte, ist unklar. Es besteht der Verdacht, dass das Medikament teilweise ins umliegende Gewebe gelangte.
Nach der ersten Dosis trat der erwartete Tod nicht ein. Deshalb wurde entsprechend dem Hinrichtungsprotokoll eine zweite Dosis verabreicht. Doch auch diese führte nicht zum Tod der 50-Jährigen.
Schließlich wurde die Hinrichtung abgebrochen. Pike kam ins Spital, wo sie mehrere Tage künstlich beatmet werden musste. Zeitweise rechneten selbst ihre Anwälte nicht mehr damit, dass sie überleben würde.
Doch die Verurteilte erlangte das Bewusstsein zurück. Mittlerweile wurde sie aus dem Spital entlassen und befindet sich wieder im Gefängnis.
Pike sitzt wegen eines besonders grausamen Verbrechens in der Todeszelle. Im Jahr 1995 folterte und ermordete sie gemeinsam mit ihrem damaligen Freund ihre Mitschülerin Colleen Slemmer. Pike war zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt.
Für den Mord wurde sie zum Tod verurteilt. Sie zählt zu den jüngsten Frauen, gegen die in den USA ein Todesurteil verhängt wurde.
Der gescheiterte Hinrichtungsversuch hat im US-Bundesstaat Tennessee eine heftige Debatte ausgelöst. Pikes Anwälte werfen den Behörden schwere Fehler vor und verlangen eine umfassende Aufklärung.
Gouverneur Bill Lee hat weitere Hinrichtungen vorerst ausgesetzt und eine unabhängige Überprüfung der Abläufe angeordnet.
Besonders brisant: Das Hinrichtungsprotokoll sieht zwar eine zweite Dosis des tödlichen Medikaments vor, wenn die erste nicht wirkt. Was geschehen soll, wenn auch die zweite Dosis nicht zum Tod führt, ist darin allerdings nicht geregelt.
Für Christa Pike endete der Hinrichtungsversuch nicht mit dem Tod, sondern mit der Rückkehr ins Gefängnis. Ob und wie ihre Todesstrafe nach dem gescheiterten Versuch vollstreckt werden könnte, ist offen.