"Ich habe gerade gemordet"

17-jähriger Killer weckte nach Bluttat seine Mama auf

Ein 17-Jähriger tötete im April einen Pensionisten und verletzte dessen Frau schwer. Nun erzählt seine Mutter von jener Nacht und ihrem Leben danach.
André Wilding
15.08.2026, 08:30
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Blut an den Händen ihres Sohnes, ein unfassbares Geständnis und schließlich die Polizei vor der Tür: Für die Mutter eines 17-jährigen Steirers hat sich das Leben in einer einzigen Nacht völlig verändert. Ihr Sohn soll im April in Sankt Peter am Ottersbach in das Haus eines Pensionisten-Ehepaars eingebrochen sein, den Mann erstochen und dessen Frau mit zahlreichen Messerstichen schwer verletzt haben.

Nun spricht die 41-Jährige erstmals in der "Kronen Zeitung" über die Tat und darüber, wie sie ihren Sohn vor jener Nacht erlebt hatte. Zum Schutz ihres jüngeren Kindes will sie anonym bleiben und nennt sich Melanie.

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"Es ist das erste Interview, das ich in meinem Leben gebe", erklärt sie gegenüber der Tageszeitung. "Und wir werden dabei ja über Schreckliches reden."

Sohn weckte Mutter mit blutigen Händen

Die Tat ereignete sich am frühen Morgen des 22. April. Laut seinen späteren Angaben gegenüber den Ermittlern soll der Jugendliche einen "unendlich starken Trieb" verspürt haben, "endlich zu morden".

Für sein Umfeld war diese Seite des Burschen offenbar nicht erkennbar. Er galt als freundlich, hilfsbereit und fleißig. "Auch ich habe nur den guten Teil in ihm gekannt", sagt seine Mutter in der "Krone". "Bis zu dieser schrecklichen Nacht."

An die Stunden danach erinnert sie sich genau: "Ich lag in meinem Bett und schlief, er weckte mich auf, seine Hände waren voll Blut." Als ihr Sohn ihr erzählte, was passiert war, konnte sie das zunächst nicht glauben. "Ich konnte ihm zunächst nicht glauben. Aber irgendwie spürte ich bald, dass er die Wahrheit sagte. Und ich wurde ohnmächtig", wird sie in der "Krone" zitiert.

"Ich dachte, ein Horrorfilm laufe vor mir ab"

Später habe sie "in einer Art Trancezustand" mitbekommen, "wie mein Mann die Wunden unseres Buben verband", der Jugendliche selbst die Polizei verständigte und schließlich festgenommen wurde. "Ich dachte, ein Horrorfilm laufe vor mir ab. Ein Horrorfilm, der - das weiß ich mittlerweile - nie enden wird", erklärt die Mutter in der "Krone".

Eine gerichtspsychiatrische Untersuchung zeichnet mittlerweile ein schwerwiegendes Bild. Gutachter Thomas Trabi stellte massive dissoziale und narzisstische Tendenzen fest. Der 17-Jährige zeige typische Kennzeichen eines Psychopathen. Trotz seiner schweren seelischen Störung gilt er als zurechnungsfähig.

Seine Mutter quält vor allem eine Frage: "Warum habe ich davon nichts bemerkt?", fragt sie, "von seiner bösen Seite ..."

Mutter erfuhr von gequälten Tieren

Melanie beschreibt die Kindheit ihres Sohnes als unauffällig. "Ganz normal, bei uns zu Hause war doch bis zuletzt alles ganz normal. Mein Mann, ein Handwerker, arbeitet viel, unsere Buben versorgte hauptsächlich ich", sagt sie in der "Kronen Zeitung".

Sie habe versucht, ihren Kindern "echte Geborgenheit zu geben und wichtige Werte zu vermitteln". Dazu hätten Hilfsbereitschaft, Ehrgeiz und Empathie gegenüber Menschen und Tieren gehört. Umso schwerer wiegen für sie Erkenntnisse aus den Ermittlungen. Der 17-Jährige soll angegeben haben, in den vergangenen Jahren Mäuse zu Tode gefoltert zu haben.

"Das hätte ich ihm auch nie zugetraut. Wir haben zwei Katzen, er hat sich immer liebevoll um sie gekümmert, sie gefüttert, mit ihnen gespielt, sie gestreichelt, mit ihnen geschmust", schildert die Mutter des Fleischerlehrlings in der Tageszeitung.

Auf seinem Handy sollen außerdem Bilder verwester und zerschnittener Vögel entdeckt worden sein. "Das ist mir neu", sagt Melanie. Den gesamten Akt habe sie laut "Krone" bisher nicht gelesen: "Ich schaffte das mental noch nicht. Ich werde ja kaum mit dem fertig, was ich bisher über die mir fremde, schreckliche Seite meines Sohnes erfahren habe."

"Er ist mein Kind, ich liebe ihn"

Die 41-Jährige besucht ihren Sohn weiterhin in Untersuchungshaft. "Natürlich. Er ist mein Kind, ich liebe ihn. Trotzdem ...", sagt sie gegenüber der "Krone". Er selbst habe ihr erklärt: "Mama, du trägst keine Schuld daran, dass ich bin, wie ich bin. Es macht keinen Sinn, mit dir über die Gründe dafür zu reden - du würdest sie nämlich nicht verstehen."

Für seine Mutter bleibt das Geschehene tatsächlich kaum begreifbar. "Ich denke, damit hat er sogar recht. Denn wie soll ich Unbegreifliches begreifen? Wie soll ich begreifen, dass er zum Morden fähig gewesen ist?"

Der Jugendliche wird laut seiner Mutter in der Justizanstalt Graz-Jakomini streng überwacht und befindet sich wegen befürchteter Fremdgefährdung in einer Einzelzelle.

Schon als Kind in Therapie

Nach den bisherigen Erkenntnissen soll der Jugendliche bereits seit seinem zwölften Lebensjahr vom Töten geträumt und auf seinem Handy Videos über Serienkiller angesehen haben. "Ich habe davon nichts geahnt. Genauso wenig wie davon, dass er auf seinem Handy dauernd Videos über Serienkiller angesehen hat", sagt die Mutter der "Krone".

Auffälligkeiten habe es allerdings bereits im Kindergartenalter gegeben. "Im Kindergartenalter begann er an seltsamen Wutanfällen zu leiden, bei denen er sich selbst verletzte. Ich ging deswegen mit ihm zu einer Psychologin, er kam in der Folge in Therapie."

Damals sei eine Angststörung diagnostiziert worden. Später habe sich sein Zustand verbessert. "Und er war dann wirklich ein braver, ruhiger Bub. Doch nicht so anhänglich und Fremden nicht so zugänglich - wie mein zweiter Sohn", erklärt sie in der Tageszeitung.

Immer mehr zurückgezogen

Auch die Darstellung, der Bursche habe kaum Freunde gehabt, weist seine Mutter in der "Krone" zurück: "Das stimmt nicht. Er war bei seinen Klassenkameraden und Lehrlingskollegen beliebt - wegen seiner Umgänglichkeit, seines Humors. Und er traf sich sehr wohl mit Gleichaltrigen und ging mit ihnen aus."

Erst zuletzt habe er häufiger seine Ruhe gesucht. Ein Angebot seiner Mutter, ihn am Wochenende zu Partys zu fahren, lehnte er ab. "Er sei müde vom Job, sagte er, und dass er eben Zeit für sich selbst brauche", erklärt Melanie in der "Krone".

Diese Zeit verbrachte er laut seiner Mutter unter anderem beim Training im Keller, beim Lesen, am Handy und bei Spaziergängen im Wald. Bei diesen soll er Tiere getötet und seziert haben. Nach seiner Rückkehr sei ihm nichts anzumerken gewesen.

Aussage über tote Katze beschäftigt Mutter

Rückblickend erscheinen Melanie einzelne Situationen nun in einem anderen Licht. Während seiner Ausbildung habe ihr Sohn freiwillig beim Schlachten eines Schweins mitgemacht. Auf ihre Frage nach seinen Gefühlen dabei habe er gesagt: "Ich spürte Adrenalin."

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

Auch ein Vorfall im März beschäftigt sie. Auf einer gemeinsamen Autofahrt sahen Mutter und Sohn eine tote Katze auf der Straße. Als das Tier bei der Rückfahrt verschwunden war, kommentierte der Jugendliche das mit: "Schade."

"Natürlich über seine Äußerung entsetzt gewesen, aber ich erkannte ihre Bedeutung nicht", sagt seine Mutter in der "Krone".

In den Wochen vor der Tat sei der 17-Jährige außerdem zunehmend unruhig geworden. Als Erklärung habe er Angst vor einem bevorstehenden Aufenthalt im Internat der Berufsschule genannt.

Prozess im Herbst geplant

Auswertungen seiner Handy-Aktivitäten sollen zudem zeigen, dass der Jugendliche ab Ende 2025 wiederholt nach Symptomen verschiedener psychischer Erkrankungen gesucht hatte.

"Ich nehme an, er suchte medizinische Erklärungen für seine abnormen Gedanken. Ich wäre froh, wenn er mit mir darüber geredet hätte. Weil ich ihn dann selbstverständlich sofort in eine geschlossene psychiatrische Klinik gebracht hätte. Und er folglich seine Mordfantasien nicht in die Realität hätte umsetzen können", sagt die Mutter zur "Krone".

Der Prozess gegen den 17-Jährigen am Landesgericht Graz ist für den kommenden Herbst geplant. Weil er als zurechnungsfähig gilt, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Zudem steht eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum im Raum.

Seine Mutter zieht in der Tageszeitung eine klare Grenze: "Dann muss er für immer hinter Gittern bleiben. Denn es darf einfach nicht geschehen, dass er noch einmal einem Menschen - oder einem Tier - Leid zufügt."

{title && {title} } wil, {title && {title} } 15.08.2026, 08:30