2:0! Bundesliga-Leader Rapid feierte am Sonntag in der elften Runde einen Auswärtssieg bei Erzrivale Austria. Die Hütteldorfer schnappten sich dank der Treffer von Yusuf Demir (60.) und Tae-Seok Lee (82., Eigentor) die Tabellenführung von Salzburg (5:1 gegen Lustenau) zurück.
Die Austria zeigte eine phasenweise starke Leistung, ließ große Chancen auf die Führung aus. Am Ende stehen die "Veilchen" aber mit leeren Händen da und liegen als Elfter nur mehr einen Punkt vor Schlusslicht Wolfsberg.
Wegen des Skandal-Derbys im Februar blieb der Auswärts-Sektor leer. 13.461 Fans sahen ein hart umkämpftes und abwechslungsreiches Spiel – und in der 75. Minute ein Feuerwerk der ausgesperrten Rapid-Fans.
Die Ausgangslage war klar: Der souveräne Tabellenführer in Topform gastierte bei der Krisen-Austria. Trainer-Wechsel, Cup-Aus, nur einen Punkt vom Keller entfernt – alles war im Derby plötzlich vergessen.
Nach zwei anfänglichen Chancen der Gäste übernahm Violett in Halbzeit eins die Kontrolle und schnürte die Hütteldorfer am eigenen Sechzehner ein. Pettar Nosa Dahl (6.) und Tony Adamsen (13.) verpassten je allein vor Goalie Samuel Sahin-Radlinger. ÖFB-Youngster Vasilje Markovic weckte seine "Veilchen" mit einem Traumsolo auf, setzte den anschließenden Weitschuss sehenswert an die Querlatte (27.).
In Folge geriet Rapid regelrecht ins Schwimmen. Rapid-Abwehrchef Nenad Cvetkovic kratzte einen Abschluss von Sanel Saljic von der Linie. Austria-Kapitän Manfred Fischer tauchte allein vor Niklas Hedl auf, schloss zu zentral auf den Rapid-Schlussmann ab. Ein Saljic-Freistoß wurde aus aussichtsreicher Distanz von der Mauer über das Tor gelenkt.
Die Austria konnte 58 Prozent Ballbesitz und 11:4 Schüsse zu keiner Pausenführung nützen.
Wer einen Einbruch der zuvor so formschwachen Austria erwartete, irrte. Auch nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Hausherren stark, das Spiel gestaltete sich aber offener. Eine Viertelstunde lang ging es hin und her. Als Rapid erstmals eine Ballbesitzphase am gegnerischen Strafraum hatte, brach sogleich der Torbann.
Jannes Horn brachte den Ball in die Mitte. Der 100-fache ÖFB-Teamspieler Aleks Dragovic kam im Zweikampf gegen Ercan Kara zu spät und verursachte den Foul-Elfmeter. Dragovic spielte sein 18. Wiener Derby. Sein erstes hatte er mit zarten 17 Jahren 2008 bestritten. Nun wurde er zum tragischen Helden seiner Mannschaft.
Yusuf Demir schoss vom Punkt trocken in die Mitte – 1:0 (60.).
Das Tor wurde zum Dosenöffner. Rapid fand nun nach Ballgewinnen viel mehr Platz vor und wurde immer wieder gefährlich. Den Stanglpass von Bendeguz Bolla konnte Dahl nicht über die Linie drücken.
Dann rettete Sahin-Radlinger mit Glanzparaden gegen Dahl und Bolla.
Die Vorentscheidung brachte dann ein Eigentor: Tae-Seok Lee lenkte einen Eckball Rapids unglücklich mit dem Knie über die Linie (82.).
Die Stimmen von Rapid:
Yusuf Demir: "Wir wissen den Wert unserer Fans. Heute durften sie leider nicht dabei sein. Umso glücklicher sind wir, dass wir die drei Punkte mit nach Hause nehmen können."
"Zweite Halbzeit waren wir besser im Spiel und haben verdient gewonnen. Beim Elfmeter habe ich per Instinkt gehandelt."
"Eine Kadereinberufung würde mir morgen sehr viel bedeuten. Ich bin stolz, Österreich zu repräsentieren. Aber wir werden schauen."
Trainer Johannes Hoff Thorup: "Es war ein harter Kampf. Guter Start in den ersten 20 Minuten. Danach ging es sehr viel darum, den Strafraum zu verteidigen. Sie hatten nicht viele große Chancen, aber viele Hereingaben. Da hätten wir uns besser darum kümmern müssen. In der zweiten Hälfte wurde es besser. Wir wurden ballsicherer, haben mehr Chancen kreiert. Aber es war schon hart."
"Respekt an die Austria. Sie haben uns wirklich unter Druck gesetzt. Wir wollen nicht hinter dem Ball verteidigen. Aber die Burschen haben gezeigt, dass sie es können, wenn sie müssen. Cvetkovic hat es gut gesagt: Vergangene Saison hätten wir dieses Spiel verloren. Ganz sicher. Jetzt kämpft jeder für den anderen. Und wir brauchen nicht so viele Chancen. Wichtig ist immer, zu wissen, dass wir treffen können."
"Heute hat nur eines gezählt: Der Sieg. In der Kabine geht es natürlich rund."
Nenad Cvetkovic: "Das bedeutet sehr viel, auch, wenn die Fans nicht hier waren. Es war ein hartes Spiel. Aber, genau solche Spiele muss man gewinnen, um top zu sein."
"So spielen, ist eigentlich nicht unser Stil. Aber, gut zu wissen, dass wir auch so Spiele gewinnen können. Letztes Jahre hätten wir es vermutlich nicht geschafft."
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Die Stimmen der Austria:
Wilhelm Vorsager: "Wir haben alles reingehaut, wir können uns wenig vorwerfen."
Samuel Sahin-Radlinger: "Solche Tore wie das 0:2, die kriegst du, wenn du in so einer Situation sind wie wir."
"Wir müssen im Kopf stark bleiben. Wir wissen, dass wir eine starke Defensive haben. Mit harter Arbeit erarbeitet man sich ein bisschen das Glück zurück. Mit einer starken Leistung wie heute bin ich mir sicher."
"Wir waren richtig aggressiv. Wir haben 80 Minuten lang das Spiel gemacht. Es ist im Moment noch schwer, zu akzeptieren, dass wir das verlieren. Wir haben uns nicht belohnt."
Trainer Max Uhlig: "Es sind heute absolut gemischte gefühle. Ich bin stolz auf die Leistung zwischen der 15. und 60. Minute. Aber es ist eine Derby-Niederlage, da kann man nie endgültig zufrieden sein."
"Ich habe eine sehr reflektierte Mannschaft vorgefunden, die sehr genau gewusst hat, in welcher Lage sie steckt."
"Unser Plan war, heute Ballbesitzphasen einfließen zu haben und Rapid nicht viel den Ball zu lassen. Die Durchbrüche sind uns ganz gut gelungen, aber wir haben zu wenige Spieler, die in die Box laufen und dort danke sagen."
"Es wurde einfach ein neuer Impuls gebraucht. Ich versuche das, so gut wie möglich zu erfüllen. Wenn wir auf dieser Leistung aufbauen können, kann es schon gut weitergehen, aber das werden wir sehen."
Sportdirektor Tomas Zorn: "Ich muss die Leistung des Trainers und der Spieler loben. Es geht in die richtige Richtung. Wir wollen aber auch dieses Spiel nicht verlieren. Ich will nicht jede Woche über den Trainer sprechen. Aber: Bis dato macht Max einen guten Job."
Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup schickte die eingespielte Startelf der letzten Wochen ins Spiel. Austrias Interimscoach Maximilian Uhlig setzte wie schon zuletzt im Cup in der Innenverteidigung auf Überraschungsmann Wilhelm Vorsager. Der 29-Jährige war eigentlich für die Amateure verpflichtet worden.
Austria: Sahin-Radlinger – Ranftl, Handl, Dragovic, Vorsager, Lee – Müller, Fischer – Saljic, Eggestein, Markovic
Rapid: Hedl – Bolla, Cvetkovic, Raux-Yao, Horn – Bajlicz, Seidl – Demir, Adamsen, Dahl – Kara