Für Tausende US-Soldaten endet eine außergewöhnlich lange Zeit ohne Landgang. Der atomgetriebene Flugzeugträger USS Abraham Lincoln ist vom Iran-Einsatz auf dem Weg zurück in die USA und macht davor noch einen Zwischenstopp in Thailand.
Das Schiff soll am Mittwoch gemeinsam mit zwei Begleitschiffen im Hafen Laem Chabang nahe dem Urlaubsparadies Pattaya anlegen. Von dort geht es für viele der rund 5.000 Seeleute und Marinesoldaten in die Touristenmetropole.
Die Behörden bereiten sich auf einen gewaltigen Ansturm vor. Rund 600 Beamte sollen für Sicherheit sorgen und bei Bedarf Unterstützung leisten.
Etwa 40 Busse stehen bereit, um die Soldaten in mehreren Gruppen zwischen dem Hafen und Pattaya hin und her zu bringen. Der Landgang erfolgt gestaffelt, die gesamte Besatzung wird also nicht gleichzeitig durch Pattaya ziehen. Am Sonntag soll die USS Abraham Lincoln wieder ablegen und ihre Heimreise in die USA fortsetzen.
Ganz ohne Regeln dürfen sich die Soldaten allerdings nicht ins Nachtleben stürzen. Pattayas Bürgermeister Poramase Ngampiches erklärte nach Gesprächen mit US-Vertretern, dass bestimmte Freizeitaktivitäten tabu seien.
Dazu zählen unter anderem Parasailing und Cannabis-Konsum. Medizinisches Cannabis wurde in Thailand 2022 legalisiert, entsprechende Geschäfte sind mittlerweile weit verbreitet.
Auch die Polizei verstärkt ihre Präsenz. Besonders entlang des Pattaya Beach und rund um die berühmte Walking Street sollen mehr Polizisten unterwegs sein. Wer gegen thailändische Gesetze verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen.
Besonderes Augenmerk liegt auf Pattayas Rotlichtszene. Prostitution ist in Thailand illegal, in Touristenzentren aber dennoch offen sichtbar. Im Vorfeld des Besuchs wurden die Kontrollen verschärft. Laut Behörden wurden zuletzt 40 bis 50 Personen wegen Prostitutionsverdachts festgenommen.
Pattayas Polizeichef Anek Srathongyoo räumte ein, dass Kontrollen schwierig seien. Prostituierte könnten in öffentlichen Bereichen Kunden ansprechen, ohne dass die Behörden davon erfahren.
Ein Tourismusforscher der Universität Bangkok warnte im Zusammenhang mit dem Landgang zudem vor sexueller Ausbeutung und sexuell übertragbaren Krankheiten.
Hinter der Besatzung liegt ein außergewöhnlicher Einsatz. Die USS Abraham Lincoln verließ San Diego am 21. November 2025 und war ursprünglich für einen Einsatz im Südchinesischen Meer vorgesehen. Noch vor Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar wurde der Flugzeugträger jedoch in den Nahen Osten umgeleitet.
Mehr als 270 Tage verbrachte die Besatzung schließlich ununterbrochen auf See. Berichte über schwierige Lebensbedingungen, psychische Probleme und Suizidversuche an Bord sorgten in den USA für Schlagzeilen.
Demokratische Abgeordnete forderten deshalb eine Untersuchung der Zustände. US-Präsident Donald Trump spielte die Sorgen über die außergewöhnlich lange Einsatzdauer hingegen herunter. Sie sei "nicht annähernd lang genug" gewesen, erklärte er.
Mitte August wurde die USS Abraham Lincoln schließlich von der USS George Washington im Nahen Osten abgelöst.
Für Pattayas Wirtschaft kommt der Besuch gerade recht. Der beliebte Urlaubsort kämpft derzeit mit einem deutlichen Rückgang im Tourismus. Als Gründe gelten unter anderem die schwierige globale Wirtschaftslage, hohe Flugpreise und gestiegene Treibstoffkosten infolge des Konflikts im Nahen Osten.
"Als wir die Nachricht hörten, dass ein Kriegsschiff der US-Marine in Pattaya anlegen würde, gab uns das Hoffnung", erklärte Lisa Hamilton von der Pattaya Nightlife Business Association. Sie lebe seit mehr als 20 Jahren in Pattaya und habe "noch nie ein so schwaches Jahr" erlebt.
Entsprechend groß sind die Hoffnungen auf die rund 5.000 Neuankömmlinge. Pattayas Bürgermeister rechnet damit, dass ein US-Soldat während des Landgangs täglich zwischen 1.000 und 3.000 Baht ausgeben könnte. Das entspricht rund 26 bis 78 Euro.
Hotels, Lokale und andere Betriebe könnten davon profitieren. Die Behörden warnten Geschäftsleute allerdings bereits davor, von den amerikanischen Gästen überhöhte Preise zu verlangen.
Wie groß der Geldregen tatsächlich ausfällt, ist offen. Ein Teil der Soldaten könnte die freie Zeit nämlich für einen Ausflug in die Hauptstadt Bangkok nutzen.
Dass ausgerechnet Pattaya zum Ziel des Landgangs wird, hat historische Gründe. Die einst verschlafene Fischersiedlung veränderte sich während des Vietnamkriegs in den 1960er-Jahren grundlegend. Damals kamen US-Soldaten zur Erholung in die Stadt.
Heute ist Pattaya eines der bekanntesten Touristenziele Thailands - berühmt für seine Strände und sein ausschweifendes Nachtleben, aber auch immer wieder wegen Sextourismus in der Kritik.
Nach mehr als 270 Tagen auf See wartet auf Tausende Soldaten jetzt ein paar Tage Thailand. Pattayas Wirte hoffen, dass dabei auch ordentlich Baht in ihren Kassen landen.