Es war eine Bluttat, die Österreich erschütterte: Am 15. Februar 2025 stach der 23-jährige Syrer, Ahmad G., wahllos auf mehrere Passanten ein. Dabei wurde ein gerade mal 14-jähriger Bursch getötet, fünf weitere Opfer erlitten zum Teil lebensbedrohliche Verletzungen.
Aktuell sitzt G. in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess in Klagenfurt. Dem laut Gefängnisdirektor "gefährlichsten Häftling", den man "je hatte" werden Mord, mehrfacher Mordversuch und terroristische Straftaten vorgeworfen. Ein Auszug aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht zeigt, wie genau die Tat ablief und wie sich der IS-Sympathisant radikalisiert hatte.
Demnach sollen nur sechs Minuten zwischen dem ersten Stich und der Festnahme des 23-Jährigen vergangen sein. Gestoppt werden konnte der Syrer damals durch einen couragierten Landsmann, der den Angreifer mit seinem Auto anfuhr. Doch um den Radikalisierungsprozess von G. zu verstehen, muss man weiter zurückgehen.
Laut dem Bericht wuchs der Angeklagte in einem nichtreligiösen Umfeld in Syrien auf. Erstmals eindringlicher mit dem Islam habe sich G. 2024 beschäftigt, als er bereits in Europa war. Auf "diversen Internetseiten und sozialen Netzwerken" habe der junge Mann nach "Antworten auf religiöse Fragen" gesucht. So landete er schließlich auf Propagandaseiten des Islamischen Staates (IS). Sein damit beginnender Radikalisierungsprozess kann als "kurz, intensiv und repräsentativ beschrieben werden".
Der Syrer habe sich Ansprachen ehemaliger Führungspersönlichkeiten der Terrororganisation und gewaltbefürwortende Sprechgesänge, sogenannte "anashids" angehört. Dies soll G. dazu inspiriert haben, "physische Gewalt gegen vermeintliche Feinde des Islams" durchzuführen. Durch die Propaganda habe er dies als seine "religiöse Pflicht" angesehen.
Einige Wochen vor der Bluttat in Villach habe der 23-Jährige Aufzeichnungen verfasst. Diese seien voll von "ausgeprägten Gewaltfantasien" gewesen. Des Weiteren habe sich G. darin auch mit "Geisterwesen" beschäftigt.
Zwei Tage vor der Tat in Villach leistete der Syrer via Videoaufzeichnung einen IS-Treueschwur. Eine strukturelle Einbindung in die Terrororganisation sei jedoch nicht nachweisbar gewesen. Dennoch könne seine Treuebekundung "als Gutheißung der gewaltbefürwortenden IS-Ideologie sowie als Versuch einer Zugehörigkeitserklärung verstanden werden", hieß es in dem Bericht.
Die Idee, mit einem Messer auf die Opfer loszugehen, habe sich G. aus einem Propaganda-Video des IS geholt. Die Waffe selbst habe sich der 23-Jährige erst wenige Tage vor der Bluttat in einem Geschäft besorgt.
Die rasante Radikalisierung von G. sei keine Seltenheit. Zahlreiche Personen in Österreich, gegen die aktuell wegen Terrorismusverdachts ermittelt wird, hätten einen ähnlich schnellen Prozess durchlaufen.
"Wenig ideologische Festigung, dafür aber eine starke Gewaltbereitschaft, gepaart mit weiteren förderlichen Radikalisierungsfaktoren, prägen häufig die Vita von Jugendlichen und jungen Erwachsenen", so der Bericht.