Die Kröten bekommen ihren Tunnel – beziehungsweise gleich mehrere. Bereits im Juli sorgte das Projekt in Hernals wegen seiner Kosten für Aufsehen – "Heute" berichtete: Insgesamt rund 800.000 Euro sind für die neuen Amphibien-Leitsysteme zwischen Schottenhof (Penzing) und Hanslteich (Hernals) veranschlagt.
Nun geht das Projekt in die entscheidende Phase. Am 28. September erfolgte der Spatenstich für das zweite Teilprojekt im Bereich des Hanslteichs. Der Aufwand hat einen Grund: Im Frühjahr machen sich entlang der Strecke in starken Wanderjahren bis zu 3.000 Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern.
Dabei müssen Kröten, Frösche, Molche und Salamander Straßen überqueren. Bisher waren deshalb während der Hauptwanderzeit zahlreiche freiwillige Helfer im Einsatz. Sie sammelten die Tiere ein und brachten sie in Kübeln sicher über die Straße. Allein heuer rettete der Verein gegen Tierfabriken laut in diesem Bereich händisch 225 Erdkröten, 119 Frösche, sechs Molche und 33 Feuersalamander.
Damit soll künftig weitgehend Schluss sein: Die Tiere sollen die gefährlichen Straßen selbstständig unterqueren können. Nach Abschluss der Arbeiten sollen entlang der Amundsen- und Neuwaldegger Straße insgesamt elf Querungsmöglichkeiten für Amphibien und andere Kleintiere zur Verfügung stehen.
"Amphibienschutz ist auch Artenschutz, denn hier kommt etwa der seltene und stark gefährdete Alpenkammolch vor", erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) in einer Aussendung. Auch Hernals Bezirksvorsteher Peter Jagsch (SPÖ) begrüßt den Baustart: "Mit den fixen Tunneln können unsere heimischen Arten sicher die Straße unterqueren."
Der erste Teil des Projekts läuft bereits seit Juli. Beim Schottenhof wurde die bestehende Amphibienschutzanlage im 14. Bezirk und teilweise in Hernals in beide Richtungen verlängert. Dieser Abschnitt steht laut Stadt mittlerweile kurz vor der Fertigstellung.
Ursprünglich waren dort auf rund 250 Metern Leiteinrichtungen aus Stahl und Holz sowie drei Tunnel vorgesehen. Die Kosten für diesen Abschnitt wurden im Sommer mit 75.000 Euro angegeben und zwischen dem 14. und 17. Bezirk aufgeteilt.
Der deutlich größere zweite Abschnitt rund um den Hanslteich war mit 725.000 Euro veranschlagt worden. Im Juli hatte die Stadt erklärt, dass dort auf insgesamt 1.344 Metern Leiteinrichtungen aus Stahl und Holz sowie fünf Tunnel entstehen sollen.
Autofahrer müssen währenddessen mit Einschränkungen rechnen. Die Straßenbauarbeiten zwischen Neuwaldegger Straße 59 und Hanslteich laufen noch bis 23. Dezember. Im Baustellenbereich bleibt nur ein Fahrstreifen frei. Der Verkehr wird wechselweise mittels Ampel durchgeschleust.
Für Diskussionen hatten bereits im Sommer die veranschlagten Gesamtkosten von rund 800.000 Euro gesorgt. Für 2026 waren laut Bezirk 600.000 Euro vorgesehen, für 2027 weitere 200.000 Euro.
Das Projekt soll allerdings nicht ausschließlich aus Bezirksmitteln bezahlt werden. Eine Förderung durch die Agrarmarkt Austria (AMA) ist vorgesehen. Sollte diese gewährt werden, müsste Hernals rund 57 Prozent der Gesamtkosten beziehungsweise etwa 456.000 Euro tragen.
Insgesamt leben 17 Amphibienarten in Wien, darunter seltene Arten wie Wechselkröte, Berg- und Donaukammmolch. Sämtliche in Wien vorkommenden Amphibienarten sind nach dem Wiener Naturschutzgesetz streng geschützt.