Zimmerpflanzen werden seit langem für ihre vielfältigen gesundheitlichen Vorteile geschätzt. Eine Dosis Natur verbessert nachweislich das Wohlbefinden. Eine neue Studie von Stanford-Ingenieuren hat jedoch gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Natur in Innenräumen und Wohlbefinden komplexer ist. Und dass zu viel Grünzeug nach hinten losgehen und eine Stressquelle werden kann.
Frühere Studien haben gezeigt, dass Natur in Innenräumen, beispielsweise durch Topfpflanzen und natürliche Materialien, Stress reduziert und gleichzeitig das Gefühl von Erholung und Zugehörigkeit stärkt. Forscher der Stanford University wollten herausfinden, wie Menschen auf unterschiedliche Mengen an Natur in Innenräumen reagieren. Um diese Frage zu beantworten, entwickelte die Hauptautorin der Studie, Eva Bianchi, die Software "Nature View Potential". Sie berechnet, wie viel Natur man durchschnittlich in einem bestimmten Raum wahrnimmt. Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem Raum, aus dem Lichtstrahlen austreten. "Das Tool berechnet, wie viele dieser Strahlen, die von Ihren Augen ausgehen, natürliche Elemente erfassen", erklärte Bianchi.
Mithilfe eines Tools zur Naturvisualisierung und einer 3D-Modellierungssoftware entwarfen die Forscher elf digitale Konferenzräume mit unterschiedlichem Anteil an Holz, Grünpflanzen und Ausblicken in die Natur. Über eine Crowdsourcing-Plattform rekrutierten sie 412 Teilnehmer und teilten diese per Zufallsprinzip den Räumen zu. Die Teilnehmer wurden angewiesen, den Raum als ihren neuen Arbeitsplatz zu betrachten und eine Reihe von Aufgaben zur beruflichen Weiterentwicklung zu absolvieren. Vor Beginn füllten sie einen Fragebogen aus, der verschiedene Aspekte ihres Wohlbefindens erfasste.
Anschließend wurden die Teilnehmer unbemerkt Stressoren ausgesetzt, um zu beobachten, ob die natürlichen Gegebenheiten die Anspannung abbauen konnten. Vor Beginn der Aufgaben füllten die Teilnehmer einen Fragebogen aus, der verschiedene Aspekte des Wohlbefindens erfasste. Danach bearbeiteten sie Aufgaben. Daraufhin füllten sie den Fragebogen erneut aus.
Die Studie ergab, dass der optimale Anteil an Zimmerpflanzen bei etwa 20 % liegt, was den Teilnehmern den größten Nutzen hinsichtlich der empfundenen Erholung und des Zugehörigkeitsgefühls brachte. Konkret bedeutet das, dass man beim Blick durch einen Raum etwa in einem Fünftel der Fälle Pflanzen entdeckt. In einem 13 Quadratmeter großen Raum wären das 17 Pflanzen plus der Blick aus dem Fenster auf Baumkronen.
Doch in dem Raum mit dem größten Anteil an Natur (60 %) schienen die üppigen Pflanzen, die begrünte Wand und die Holzdecke den Stresspegel zu erhöhen. Die Forscher vermuten, dass zu viel Natur in Innenräumen zu einem Gefühl der Überforderung führen kann. Einige Teilnehmer waren sich dessen bewusst und schrieben in ihren Kommentaren zu dem Raum: "Zu viele Pflanzen".
Die Studie ergab außerdem, dass nicht nur die Pflanzen selbst entscheidend waren, sondern vor allem das Gefühl der Verbundenheit mit ihnen. Diejenigen, die sich mit dem Grün verbunden fühlten, profitierten stärker von den positiven Auswirkungen auf ihre mentale und körperliche Verfassung, während andere kaum Effekte feststellten. Studien haben gezeigt, dass Zimmerpflanzen in Büros die Produktivität um bis zu 15 % steigern und gleichzeitig Stress, Anspannung und depressive Verstimmungen reduzieren können.