Ein gemütlicher Nachmittag im Wiener Prater endete für vier Wiener mit Ärger über die Rechnung. Die Gruppe kehrte auf einen Eiskaffee ein und bestellte dazu jeweils ein Glas Leitungswasser.
"Als Wiener sind wir gewohnt, ein Glas Wasser zum Kaffee oder Eiskaffee zu bekommen", erzählt einer der Gäste gegenüber "Heute". Deshalb habe man bereits bei der Bestellung ausdrücklich um Wasser gebeten.
Die Kellnerin sei ausgesprochen freundlich und serviceorientiert gewesen. Auf einen entscheidenden Punkt habe sie die Gruppe nach deren Angaben allerdings nicht hingewiesen: 0,25 Liter Leitungswasser kosteten 1,20 Euro.
Erst beim Bezahlen bemerkten die vier Gäste den zusätzlichen Posten auf der Rechnung. "Wir waren entsetzt", schildern sie. Ein kleines Achtelliter-Glas zum Kaffee hätte ihnen vollkommen gereicht. Besonders ärgerlich: Zwei Mitglieder der Gruppe hätten selbst bereits leitende Positionen in der Gastronomie ausgeübt und könnten die Kosten entsprechend einschätzen.
"Wir empfinden es als Frechheit und Abzocke – egal ob Wiener oder Tourist. Der Preis ist stark überhöht", ärgern sie sich. Für die Gruppe steht fest: "Eine Schande, dass auch hier die Gier kein Ende kennt."
Ganz ungewöhnlich ist die Erfahrung allerdings nicht. Denn Leitungswasser ist in Wiener Lokalen längst nicht überall kostenlos.
Die Arbeiterkammer Wien hat die Preise für Leitungswasser in 30 Restaurants und Kaffeehäusern untersucht. Das Ergebnis: Nur drei Lokale schenkten Leitungswasser grundsätzlich kostenlos aus.
In 23 der 30 getesteten Betriebe mussten Gäste dafür bezahlen – selbst dann, wenn gleichzeitig eine Speise oder ein anderes Getränk konsumiert wurde. Für einen Viertelliter wurden zwischen 0,40 und 1,80 Euro verlangt. Ein halber Liter kostete zwischen 0,80 und 3,60 Euro.
Die 1,20 Euro im Prater liegen damit zwar innerhalb der von der AK festgestellten Preisspanne, bei den betroffenen Gästen sorgt die Rechnung dennoch für Unverständnis.
Die Arbeiterkammer kritisiert vor allem besonders hohe Aufschläge. Gastronomen argumentieren unter anderem damit, dass nicht nur das Wasser selbst Kosten verursacht, sondern auch Service, Gläser und deren Reinigung.
Dem stellt die AK die eigentlichen Wasserkosten gegenüber: 1.000 Liter Leitungswasser kosten demnach lediglich 2,27 Euro. Einen Preis von 3,60 Euro für einen halben Liter bezeichnet die Arbeiterkammer daher als "sehr unangemessen".
Hinzu kommt: Leitungswasser im Lokal ist deutlich teurer geworden. Bei einer vergleichbaren AK-Erhebung im Jahr 2014 kostete ein halber Liter durchschnittlich 1,39 Euro, mittlerweile sind es 2,05 Euro. Das entspricht einem Plus von fast 48 Prozent. Die allgemeine Inflation stieg im selben Zeitraum laut AK um 44 Prozent.
Grundsätzlich ja. Gastronomiebetriebe dürfen in Österreich Leitungswasser verrechnen, sofern der entsprechende Preis in der Speisekarte ausgewiesen ist. Die Arbeiterkammer fordert dennoch ein Umdenken. "Leitungswasser soll gratis bleiben, wenn im Lokal gegessen wird oder andere Getränke bestellt werden", sagt AK-Expertin Gabriele Zgubic.
Zumindest sollten die verlangten Preise angesichts der geringen Kosten des Wassers angemessen bleiben. Für die vier Prater-Besucher steht nach ihrer Rechnung jedenfalls fest: 1,20 Euro für ein Viertelliter-Glas Leitungswasser ist ihnen eindeutig zu viel.