Bei einem Luftangriff auf eine Goldmine im Grenzgebiet zwischen Sudan und Ägypten sind am Samstag mindestens 72 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtet die sudanesische Menschenrechtsorganisation Emergency Lawyers. Sie beschuldigt die ägyptische Luftwaffe, die Mine bombardiert zu haben.
Der Angriff ereignete sich am Samstagmorgen in einer abgelegenen Bergregion, in der zahlreiche Menschen nach Gold schürfen.
Ein Überlebender namens Abdel-Aziz Yousef berichtete der Nachrichtenagentur AP, dass ein unbekanntes Flugzeug die Goldmine am Samstagmorgen angegriffen habe. Zahlreiche Arbeiter seien getötet oder verletzt worden. Andere seien aus Angst vor weiteren Luftangriffen geflüchtet.
Mehrere Verletzte erlitten laut Sudan Doctors Network schwere Verletzungen. Die medizinische Versorgung in der abgelegenen Region ist stark eingeschränkt. Die Organisation befürchtet deshalb weitere Todesopfer.
Bereits vor dem tödlichen Luftangriff sollen ägyptische Streitkräfte Flugblätter über dem Goldabbaugebiet abgeworfen haben. Unter der Überschrift "Letzte Sicherheitswarnung" kündigten sie eine großangelegte Operation gegen illegalen Goldabbau und bewaffnete Banden an.
Die Verfasser begründeten den Einsatz mit dem "Schutz des Reichtums des ägyptischen Volkes". Zugleich drohten sie den Goldgräbern mit Gewalt: "Jede Person, die sich dort aufhält, gilt als Ziel für einen sofortigen Angriff", heißt es auf dem arabischen Flugblatt.
Auch Bewegungen in den Bergen könnten gezielt angegriffen werden. Die Verfasser erklärten zudem, das gesamte Gebiet stehe unter Kontrolle. Sämtliche Bewegungen und Verstecke würden überwacht. Die Goldgräber wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen und ausschließlich Hauptstraßen zu benutzen.
Die Echtheit und Herkunft des Flugblatts konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Quellen in Kairo bestätigten der Zeitung "The National" allerdings den Luftangriff. Ziel seien illegale Goldgräber auf ägyptischem Staatsgebiet gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der ägyptischen Regierung liegt bislang nicht vor.
Bereits im Juni wurde eine illegale Goldmine in der Region Dschabal al-Ukaidat nahe der ägyptischen Grenze angegriffen. Dabei kamen 23 Arbeiter ums Leben.
Ägyptens Armee bestätigte damals einen "Großeinsatz" gegen illegalen Goldabbau auf ägyptischem Staatsgebiet. Einen Angriff auf die Mine bestätigte sie jedoch nicht.
Gold spielt auch im sudanesischen Bürgerkrieg eine wichtige Rolle. Vor allem die paramilitärische RSF-Miliz finanziert sich durch den Schmuggel des Edelmetalls. Laut einem UNO-Bericht von 2024 wird mehr als die Hälfte des im Sudan geförderten Goldes außer Landes geschmuggelt.