Rundum lebensgefährlich

"Äpfelchen des Todes": Das ist giftigster Baum der Welt

Harmlos? Ganz und gar nicht! Dass er uns Menschen schon auf einige Meter Entfernung gefährlich werden kann, sieht man dem Manchinelbaum nicht an.
Heute Life
13.04.2026, 10:45
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Wer glaubt, der berüchtigte Sandbüchsenbaum – auch als "Teufelsbaum" und "Pistole der Affen" bekannt – sei schon gefährlich, der hat den wohl giftigsten Baum der Welt noch nicht kennengelernt: den Manchinelbaum.

Seit 2011 trägt er offiziell diesen Titel – festgehalten im Guinnessbuch der Rekorde. Und das nicht ohne Grund: Kaum eine andere Pflanze ist in all ihren Bestandteilen so toxisch.

Der Manchinelbaum ist ein Paradebeispiel dafür, wie trügerisch Natur sein kann. Sein Milchsaft, der aus Blättern und Rinde austritt, ist hochgiftig. Schon der bloße Kontakt kann gefährlich werden – etwa wenn man bei Regen Schutz unter dem Baum sucht. Tropft der Saft vermischt mit Wasser auf die Haut, drohen schmerzhafte Verätzungen.

Gelangt er in die Augen, kann das im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Selbst das Verbrennen seines Holzes ist riskant, da die entstehenden Dämpfe die Augen schädigen können – wenn auch meist nur vorübergehend.

Besonders tückisch sind jedoch die Früchte des Baums, die harmlos aussehen und sogar süß schmecken. Ihr Verzehr kann lebensgefährlich sein und löst heftige körperliche Reaktionen aus.

"Äpfelchen des Todes": Ein Selbstversuch mit Folgen

Wie dramatisch eine Begegnung mit dem Manchinelbaum verlaufen kann, zeigt der Erfahrungsbericht der Londoner Radiologin Nicola H. Strickland. Sie reiste 1999 nach Tobago und beschrieb ihre ersten Eindrücke als traumhaft: "weißer Sand, sich wiegende Palmen und türkisfarbenes Meer". Doch das Urlaubsidyll kippte schnell.

Gemeinsam mit einem Kollegen probierte sie unwissentlich die Früchte des Baums – die sogenannten "Äpfelchen des Todes". "Sie waren rund, etwa so groß wie eine Mandarine und waren offenbar von einem großen Baum mit silbrigem Stamm und schräg stehenden Blättern gefallen", erinnert sich Strickland.

Baum hat seinen Namen wegen seiner Früchte

Den kleinen grünen Früchten, die Strickland und ihr Freund für Äpfel gehalten hatten, verdankt der Manchinelbaum seinen Namen. Denn "Manchinel" geht auf das Spanische "manzanilla" – "Äpfelchen" zurück. Inoffiziell wird der Baum auch Manzanilla de la muerte ("Äpfelchen des Todes") genannt – weil er so gefährlich ist.

Was zunächst harmlos wirkte, entwickelte sich rasch zu einer Tortur. "Wenige Augenblicke später bemerkten wir ein seltsam pfeffriges Gefühl im Mund, das sich allmählich zu einem brennenden, reißenden Gefühl und einem Engegefühl im Hals entwickelte". Die Beschwerden nahmen schnell zu. "Wegen der unerträglichen Schmerzen und des Gefühls eines riesigen, blockierenden Rachenklumpens konnten wir kaum noch feste Nahrung schlucken".

Die beiden griffen daraufhin zu Getränken – doch das verschlimmerte die Situation zusätzlich. Nur Piña Coladas und Milch brachten etwas Linderung. Erst nach rund acht Stunden ließen die akuten Symptome langsam nach. "Aber unsere Halslymphknoten wurden sehr empfindlich und waren leicht zu ertasten."

Die Diagnose war eindeutig: Selbst kleinste Mengen des Fruchtsaftes hatten "Geschwüre im Mund und in der Speiseröhre sowie zu schweren Ödemen" verursacht.

Historisch gefürchtet – und bis heute präsent

Die Gefährlichkeit des Baums ist in seiner Heimat seit Jahrhunderten bekannt. Berichten aus der Kolonialzeit zufolge sollen Gefangene sogar an Manchinelbäume gebunden worden sein, um sie langsam zu töten. Auch Pfeile wurden mit dem giftigen Saft präpariert.

Strickland veröffentlichte ihren Fall im British Medical Journal, um andere zu warnen. Ihr Appell ist deutlich: "Vielleicht wären nur wenige Erwachsene (insbesondere medizinisch ausgebildete) so töricht, eine unbekannte Frucht zu essen, die sie am fremden Strand gefunden haben. Aber Kinder würden dies mit großer Wahrscheinlichkeit tun, vor allem, wenn sie herausfinden, dass sie süß riecht und schmeckt."

Darum wird der gefährliche Baum nicht gefällt

Trotz seines tödlichen Potenzials wird der Manchinelbaum in vielen Regionen nicht entfernt. Er wächst vor allem an Küsten in Zentralamerika, der Karibik, im nördlichen Südamerika und in Florida – und erfüllt dort eine wichtige ökologische Funktion. Seine Wurzeln stabilisieren Dünen und schützen Strände vor Erosion.

Um Menschen zu schützen, werden viele dieser Bäume markiert oder mit Warnschildern versehen. Doch die Gefahr bleibt – vor allem für Unwissende.

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.04.2026, 10:45
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