Die Müllabfuhr kehrt bereits die Scherben zusammen, Mitarbeiter versuchen, die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. Am Wiener Graben herrscht nach der spektakulären Rammbock-Attacke auf den Juwelier Köck Ausnahmezustand. Mit einem Lexus-SUV waren Täter in den frühen Morgenstunden in das bekannte Geschäft direkt neben der Pestsäule gekracht.
Glassplitter liegen weit verstreut, teilweise bis fast auf die andere Seite des Platzes. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen abgeschleppt, die Spurensicherung ist vor Ort. Bei Passanten und Geschäftsleuten sitzt der Schock tief.
Einer von ihnen ist Martin (63). Der Wiener kommt täglich am Juwelier vorbei und hat dort selbst schon eingekauft. Unter anderem besorgte er hier ein Geburtstagsgeschenk für seine Freundin. "Bin geschockt, es ist unfassbar", sagt er zu "Heute". "Bin jeden Tag am Graben, gehe hier immer vorbei, das Geschäft ist wunderschön."
Besonders die Brutalität des Einbruchs macht ihn fassungslos. "Das ist die ärgste Attacke auf Wiener Juwelier, die ich bisher mitbekommen habe", erzählt er.
"Ich habe mich gewundert, dass sie nachts alles in den Auslagen haben", sagt Martin. Besonders ein Detail ist ihm in Erinnerung geblieben: "Die hatten da Ringe um 20.000 Euro in der Auslage."
Entsetzt zeigt sich auch Dieter Steup, als er vorbeigeht. Der Obmann der Wirtschaftskammer Wien denkt vor allem an die Folgen für den betroffenen Unternehmer.
"Schrecklich für die Innenstadt, dass so was passieren kann", sagt Steup zu "Heute". "Zum Glück kam niemand zu Schaden, aber es ist eine Tragödie für Unternehmer."
Auch eine 54-jährige Wienerin, die anonym bleiben möchte, bekam die Folgen des Einbruchs mit. "Ich gehe jeden Tag trainieren, kurz nach 6 Uhr komme ich vorbei", erzählt sie "Heute". Als sie an diesem Mittwoch vorbeikam, war die Polizei bereits vor Ort. "Ich habe noch das Auto der Bande gesehen, die Autotüren waren offen", schildert die Frau ihre Beobachtungen.
Der Einbruch erinnert an eine frühere Serie spektakulärer Rammbock-Coups in Wien. Eine serbische Tätergruppe hatte damals neun Einbrüche verübt. Die Männer spähten ihre Ziele aus, stahlen Fahrzeuge und nutzten diese als Rammbock oder Fluchtauto.
Die Einbrüche dauerten meist nicht länger als zwei Minuten. Bei einem Juwelier in der Brigittenau erbeuteten die Täter Schmuck im Wert von rund 150.000 Euro.
Nach zweijährigen Ermittlungen gelang der Polizei schließlich der entscheidende Schlag gegen die Bande. Vier Männer wurden zu Haftstrafen zwischen 20 Monaten und sechseinhalb Jahren verurteilt.