"Der Ärztemangel ist zumindest zum Teil hausgemacht", beschwert sich Simone T. aus Niederösterreich. Sechs Jahre Medizinstudium liegen hinter ihr, rund 60.000 Euro wurden für Studiengebühren aufgewendet. Die 27-jährige möchte Ärztin werden und später im Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde arbeiten. Doch jetzt ist Stillstand angesagt.
Nach ihrem abgeschlossenen Studium an einer Privatuniversität in Bratislava sucht die junge Medizinerin in Wien einen Platz für die ärztliche Basisausbildung. Das Problem: Mindestens sechs Monate muss sie auf einen Platz warten.
Für sie ist das kaum nachvollziehbar: "Wie kann Österreich über einen Ärztemangel klagen und gleichzeitig jungen Ärzten den Einstieg in die weitere Ausbildung erschweren?", fragt sie.
Sie versteht es nicht: "Wer ein sechsjähriges Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen hat, sollte nach meiner Ansicht die Möglichkeit haben, ohne unnötige Wartezeit in die weitere ärztliche Ausbildung einzusteigen."
Dass junge Mediziner eine Zwangspause einlegen müssen, bestätigt der Wiener Gesundheitsverbund. "Zwischen Promotionsbescheid und Dienstantritt liegen durchschnittlich rund sechs Monate", heißt es.
Die Plätze werden nach der chronologischen Reihung auf der Anmeldeliste vergeben, "wobei Studenten der Wiener Universitäten erstgereiht sind". Auch der Wunsch nach einer bestimmten Klinik könne die Wartezeit verlängern.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage deutlich. 2021 meldeten sich etwas mehr als 900 Personen für einen Ausbildungsplatz an, 2025 waren es rund 1.300. Allein in den ersten drei Quartalen 2026 gab es bereits wieder etwa 1.300 Anmeldungen.
Die Ärztekammer beurteilt die Wartezeiten kritischer. Präsident Johannes Steinhart spricht von einem "hochproblematischen Flaschenhals" auf dem Weg zum Arztberuf. "Wir brauchen jede Ärztin und jeden Arzt, und das möglichst schnell und ohne Hürden bei der Ausbildung", sagt Steinhart.
Nach Angaben der Ärztekammer warten manche Absolventen sogar länger als ein Jahr auf den Beginn der neunmonatigen Basisausbildung.