Bildschirmzeit seiner Kinder nicht im Blick hat, riskiert, dass aus Gewohnheit rasch Abhängigkeit entsteht." fetchpriority="high" /> Wenn Kinder plötzlich schneller explodieren, gereizter reagieren oder sich völlig zurückziehen, vermuten viele Eltern zuerst ein Erziehungsproblem. Florian Buschmann, Berater bei Mediensucht und Gründer der deutschen Initiative OFFLINE HELDEN, sieht in vielen Fällen noch einen anderen Auslöser: den exzessiven Umgang mit Smartphones, Social Media und Games.
Laut Buschmann werde das Nervensystem vieler Kinder durch permanente digitale Reize dauerhaft in Alarmbereitschaft gehalten.
Vor allem Kurzvideo-Plattformen wie TikTok und Instagram sowie Games setzen auf Tempo, Überraschung und ständige Belohnung. Genau das macht sie so schwer wegzulegen.
Auch die Forschung beschreibt problematische Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen als mit aggressivem Verhalten, Schlafproblemen, Angst und Depressionen assoziiert. Gleichzeitig betonen Reviews, dass die Studienlage oft Zusammenhänge aufzeigt, aber nicht immer eindeutig beweist, dass das Smartphone allein die Ursache ist.
Buschmann warnt vor einem Alltag, in dem jede freie Minute von Reizen erfüllt wird. Wer in einer Generation ohne Smartphones und Computer geboren wurde, kann sich noch daran erinnern: Früher gab es Leerlauf, Langeweile und kleine Pausen im Kopf.
Heute wird oft sofort zum Handy gegriffen. Dadurch fehlen echte Ruhephasen, in denen Kinder Eindrücke verarbeiten und innerlich herunterfahren können.
Forschung zur Nutzung von Kurzvideos deutet ebenfalls darauf hin, dass exzessiver Konsum mit schwächerer Selbstkontrolle und schlechterer Aufmerksamkeitssteuerung zusammenhängen kann.
Besonders heikel wird es, wenn Eltern dann plötzlich hart durchgreifen. WLAN aus, Handy weg, Schluss jetzt. Genau das könne laut Buschmann die Lage weiter eskalieren.
Er beschreibt aus seiner Praxis, dass ein abruptes Abschneiden digitaler Reize Kinder und Jugendliche zusätzlich unter Stress setzt. Auch andere Berichte über seine Arbeit betonen, dass starre Verbote oft nicht greifen und die Situation in Familien sogar verschärfen können.
Buschmann berichtet sogar von einem Fall, der völlig eskaliert ist: Weil ein Jugendlicher nicht zu einem Familienabend wollte, drehten die Eltern das WLAN ab. Es kam zum heftigen Streit.
Der Sohn schlug dem Vater gegen den Kopf. Der Vater zertrümmerte daraufhin den Router. Erst danach sei wieder Raum für Gespräche entstanden, erzählt Buschmann. Der Fall zeigt, wie explosiv ein plötzlicher digitaler Entzug werden kann. Zugleich betont der Experte: Gewalt ist niemals zu rechtfertigen.
Wichtig ist, Warnzeichen ernst zu nehmen. Dazu zählen ständige Gereiztheit, sozialer Rückzug, Streit rund ums Handy, Schlafprobleme und der Verlust des Interesses an Offline-Aktivitäten. Dann geht es darum, Struktur, Ruhe und Erholung in den Alltag zu bringen.
Dass Kinder zu Beginn einer Reduktion der Bildschirmzeit gereizter reagieren, ist übrigens völlig normal.
Auch ist es wichtig, dass die Eltern selbst ein ausgeglichenes Verhalten vorleben und nicht ständig an Handy & Co. vor ihren Kindern hängen, sondern gemeinsame Zeit verbringen.