Mitten im Herzen von Linz sorgt eine schräge Aktion für Aufsehen: Beim bekannten "Linz"-Fotopoint am Hauptplatz ist das liegende "i" plötzlich überdeckt. Stattdessen hat dort seit Mittwochnachmittag ein Baumstumpf Wurzeln geschlagen.
Hinter der Installation steckt die Initiative "Ja! Zum Grüngürtel". Sie will damit auf die über 240 gefällten Bäume im Zuge der Bauarbeiten für den Westring (A26) aufmerksam machen – "Heute" berichtete ausführlich über die Proteste. Rund um die Aktion wurden zusätzlich Protest-Botschaften auf den Boden geschrieben.
"Über Wochen hinweg haben wir einen Baumstumpf gehäkelt, der daran erinnern soll, dass für die A26-Autobahn 246 Bäume beim Bahnhof gefällt worden sind", erklären die Aktivisten auf Instagram. Für sie ist die Aktion ein sichtbares Symbol gegen das umstrittene Milliardenprojekt.
"Wir hoffen, dass er lang genug bleibt, damit möglichst viele Linzer daran erinnert werden, was für Politik Bürgermeister Prammer für sie macht", sagen die Aktivisten und kündigen eine Protest-Aktion für Freitag an: ab 16 Uhr soll im Volksgarten demonstriert werden.
Die Aktion kommt kurz nach einem Rückschlag für die Aktivisten. Das Landesverwaltungsgericht bestätigte die Ablehnung der beantragten Volksbefragung. "Für Volksbefragungen gelten klare gesetzliche Regeln. Diese wurden in diesem Fall nicht erfüllt", erklärte dazu SP-Bürgermeister Dietmar Prammer. Die Aktivisten wollen das nicht akzeptieren und kündigten den Gang in die nächste Instanz an.
Von der Projektseite kommt weiter ein ganz anderes Bild. Die ASFINAG spricht von einer deutlichen Entlastung des Linzer Verkehrs, mehr Lebensqualität und kürzeren Wegen für Pendler. Auch Swietelsky ist bereits an Bord: Die Linzer Unternehmensgruppe erhielt gemeinsam mit Swietelsky Tunnelbau den Zuschlag für zentrale Hauptbauleistungen des zweiten Abschnitts.
Baustart soll im Sommer 2026 sein. Das Herzstück der Etappe ist der mehr als drei Kilometer lange Freinbergtunnel, die Freigabe der A26 ist für 2032 vorgesehen. Insgesamt kostet das Projekt laut ASFINAG rund 1,2 Milliarden Euro.