Protest gegen Linzer Westring

"Showdown" bei Baustelle – Polizei nimmt Aktivist fest

Im Linzer Bergschlößlpark fallen unter starkem Polizeischutz die letzten Bäume. Die Aktivisten erheben jetzt Vorwürfe wegen möglicher Umweltbelastung.
Oberösterreich Heute
19.01.2026, 12:09
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Im Linzer Bergschlößlpark spitzt sich der Konflikt um die umstrittenen Rodungen zu: Seit Montagfrüh riegelt ein Polizeigroßaufgebot das Areal ab. Unter starkem Schutz werden die letzten Baumfällungen durchgeführt – damit sollen die geplanten Vorarbeiten für den Westring (A26) abgeschlossen werden. Die Aktivisten sprechen von einem "Showdown".

Aktivisten bleiben im Camp

Für zusätzliche Brisanz sorgt ein Vorwurf rund um mögliche Umweltbelastungen durch jene Firma, die die Rodungen durchführt: Wie berichtet, sollen Mitarbeiter am Heiligen Abend flüssiges Paraffin in die Wiesen rund um gefällte Bäume geschüttet haben. Die Protestierenden fordern eine Untersuchung der möglichen ökologischen Gefährdung.

Bei den Rodungen am Montag kam es dann auch zu einer Eskalation: Laut Polizei wurde einer der Aktivisten aggressiv, widersetzte sich "mehreren Abmahnungen", so Sprecher Michael Babl gegenüber "Heute". Die Folge: Der Mann wurde festgenommen. Die Protestierenden schildern, dass der Aktivist von einem Auto der Rodungsfirma angefahren worden sein soll und "anschließend durch zwei dutzend Polizisten gewaltsam abgeführt" wurde.

Trotz des Endes der aktuellen Fällungen kündigt das Grüngürtel-Camp an, weiter zu bleiben. Die Aktivisten halten die Besetzung im Park aufrecht und konzentrieren sich dabei auf das Areal über dem im Boden steckenden Bohrkopf. Damit wollen sie auf die Folgen der geplanten Verbauung aufmerksam machen.

Bitter aus Sicht der Protestierenden: Für technische Arbeiten rund um diesen Bohrkopf seien am Montag auch Bäume direkt am Parkgelände gefällt worden. "Hier werden Fakten gegen den Willen der Bevölkerung geschaffen", kritisiert ein Sprecher der Initiative Volksbefragung "Ja! zum Grüngürtel". Dass dabei auch noch umweltschädliche Substanzen in den Boden gelangt seien, zeige "die rücksichtslose Arbeitsweise dieses Projekts".

Grüne: Projekt "finanzpolitisch unverantwortlich"

Die Linzer Grünen meldeten sich ebenfalls zur Westring-Debatte: Sie fordern, dass SP-Bürgermeister Dietmar Prammer prüfen lässt, ob Linz aus dem Finanzierungsvertrag aussteigen kann. Hintergrund ist aus ihrer Sicht die angespannte Finanzlage der Stadt: Linz müsse für den Westring laut Vertrag nämlich mindestens 56,3 Millionen Euro zahlen.

Noch neun Jahre Bauarbeiten

Politik sowohl von Stadt, Land und Bund sowie die Asfinag werden nicht müde, das gewaltige Bauvorhaben der Autobahn A26 zu preisen: Weniger Verkehr in der City und eine geringere Lärm- und Umweltbelastung werden versprochen.

Bereits 2015 gestartet, sollen die Arbeiten für den Westring noch neun Jahre in Anspruch nehmen.

Für die kommende Gemeinderatssitzung wollten sie Prammer per Antrag beauftragen, den Ausstieg der Stadt aus dem Finanzierungsvertrag prüfen zu lassen. Doch das Präsidium erklärte das für unzulässig: Der Stadtchef sei dafür nicht zuständig. Das sorgt bei den Grünen für Ärger, weil ein sehr ähnlicher Antrag im Juni 2023 sehr wohl zugelassen und diskutiert wurde.

"Die Argumentation des Präsidiums ist daher vollkommen widersprüchlich", sagt Klubobmann Helge Langer. Für ein "derartiges Steinzeitprojekt Millionenbeträge aus dem Fenster zu werfen", sei "schlichtweg zukunftsvergessen und finanzpolitisch unverantwortlich". Die Möglichkeit eines Ausstieges aus dem Westring-Vertrag müsse geprüft werden, "um zu verhindern, dass hier noch mehr städtisches Geld verbetoniert wird".

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 19.01.2026, 13:19, 19.01.2026, 12:09
Jetzt E-Paper lesen