Ein kleiner Akku im falschen Müll kann große Folgen haben. Genau darauf macht jetzt eine neue österreichweite Kampagne aufmerksam. Unter dem Namen "Her mit Leer II" wollen mehrere Organisationen die Menschen dazu bringen, Batterien und Akkus richtig zu entsorgen. Denn obwohl viele Bescheid wissen, passiert im Alltag oft das Gegenteil. Lithium-Akkus stecken heute fast überall drin. In kabellosen Kopfhörern, elektrischen Zahnbürsten oder sogar in scheinbar harmlosen Dingen wie singenden Grußkarten.
Das Problem: Viele erkennen diese Geräte gar nicht als Akku-Produkte. Genau das führt dazu, dass sie im Restmüll landen. Die Folgen sind ernst. Im Jahr 2025 wurden in Österreich rund 36 größere Brände in Entsorgungsbetrieben registriert. In mehreren Fällen stehen falsch entsorgte Akkus im Verdacht, Auslöser gewesen zu sein. Solche Brände gefährden nicht nur Mitarbeiter, sondern können ganze Anlagen lahmlegen. Zwar werden inzwischen mehr Batterien gesammelt als früher, doch das reicht noch nicht.
Aktuell liegt die Sammelquote in Österreich bei 53 Prozent. Damit wird die derzeitige EU-Vorgabe von 45 Prozent übertroffen. Gleichzeitig landen aber weiterhin jedes Jahr mehrere Millionen Lithium-Akkus im Restmüll. Genau hier setzt die neue Kampagne an. Nach einer ersten Phase zwischen 2021 und 2024 wird die Aktion nun fortgeführt und ausgeweitet. Ziel ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern das Verhalten im Alltag zu verändern.
Umweltminister Norbert Totschnig betont die Risiken deutlich. "Lithium-Akkus haben in den letzten Jahren einen technologischen Wandel ermöglicht. Doch diese Fortschrittstechnologie birgt bei unsachgemäßer Entsorgung enorme Gefahren", erklärt er. Mit Blick auf die Brände sagt er: "2025 verzeichneten wir 36 größere Brandereignisse in der Abfallwirtschaft, bei denen falsch entsorgte Akkus als Ursache vermutet werden." Ein Risiko für Infrastruktur und Beschäftigte.
Auch aus den Gemeinden kommen Warnungen. Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl richtet einen Appell an die Bevölkerung: "Ich bitte alle inständig, Batterien gesondert zu entsorgen." Er schildert die Lage drastisch: "Denn fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage, weil sich Batterien durch mechanische Beschädigungen im Zuge einer Behandlungsanlage entzündet haben." Gleichzeitig betont er, dass es an Möglichkeiten zur richtigen Entsorgung nicht fehlt. Mehr als 2.000 Sammelstellen gibt es österreichweit.
In den kommenden Jahren wird das Thema noch wichtiger. Die EU verschärft die Vorgaben deutlich. Bis 2028 soll die Sammelquote auf 63 Prozent steigen, bis 2031 sogar auf 73 Prozent. Für die Verantwortlichen ist klar, dass diese Ziele nur erreichbar sind, wenn sich das Verhalten der Menschen ändert. Die Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle, Elisabeth Giehser, spricht von einer notwendigen Kehrtwende. Information allein reiche nicht mehr aus, entscheidend sei ein tatsächliches Umdenken im Alltag.
Auch der Handel sieht sich in der Pflicht. Elektrogeschäfte nehmen alte Batterien kostenlos zurück, selbst wenn sie aus Onlinekäufen stammen. Das sei eine wichtige Serviceleistung, die oft unterschätzt werde. WKO-Vertreter Robert Pfarrwaller warnt vor den Folgen falscher Entsorgung. Akkus im Restmüll könnten zur "tickenden Zeitbomben" werden. Sein Appell ist klar: Batterien nicht zu Hause lagern und keinesfalls im Hausmüll entsorgen.
Die neue Kampagne läuft seit April 2026 und ist auf drei Jahre angelegt. Sie wird über Radio, Fernsehen, Online-Plattformen und Werbung im öffentlichen Raum verbreitet. Im Mittelpunkt stehen zwei Figuren: "Hermit" als Symbol für die richtige Entsorgung und "Li-Zifer" als Warnbild für die Folgen falschen Handelns. Die Botschaft dahinter ist bewusst einfach gehalten: "Sei kein Zündler". Damit soll gezeigt werden, dass nicht der Akku an sich das Problem ist, sondern der Umgang damit. Oder anders: Ein Alltagsprodukt wird erst durch falsche Entsorgung zur Gefahr.