Jetzt macht Alabama Ernst: Das Parlament dort hat am Donnerstag ein neues Gesetz beschlossen. Wer ein Kind unter 12 Jahren vergewaltigt oder sexuell foltert, kann künftig mit dem Tod bestraft werden. Der Senat stimmte mit 33 zu 1 für das Gesetz. Gouverneurin Kay Ivey kündigte an, sie werde unterschreiben. Sie betonte: "Wir müssen alles tun, um Alabamas Kinder zu schützen." Wie 20 Minuten berichtet, ist das nicht der einzige US-Staat mit so einer harten Linie.
In den vergangenen drei Jahren haben schon fünf andere Staaten – Florida, Tennessee, Idaho, Arkansas und Oklahoma – ähnliche Gesetze beschlossen. Mindestens fünf weitere Bundesstaaten arbeiten gerade an vergleichbaren Vorhaben, so das Death Penalty Information Center, das die Todesstrafe in den USA genau beobachtet.
2008 urteilte der Supreme Court, dass die Todesstrafe für diese Verbrechen gegen das Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen in der US-Verfassung verstößt.
Der republikanische Abgeordnete Matt Simpson, früher Staatsanwalt und treibende Kraft hinter dem Gesetz, meint: Damit der Supreme Court das Thema noch einmal prüft, braucht es einen konkreten Fall. Simpson hofft, dass das passiert, wenn genug Bundesstaaten solche Gesetze umsetzen. "Das ist das Schlimmste der schlimmsten Verbrechen. Es verdient die schlimmsten der schlimmsten Strafen", sagte Simpson.
Robin M. Maher, Chefin des Death Penalty Information Center, warnt: Solche Gesetze könnten Kindern sogar mehr schaden als helfen. Im Urteil 2008 schrieb Richter Anthony Kennedy, dass die Todesstrafe Täter dazu bringen könnte, ihre Opfer zu töten – oder Kinder davon abhält, die Tat zu melden. "Das Gericht erkannte an, dass diese Gesetze Kindern mehr schaden als helfen. Sie bringen sie tatsächlich in große Gefahr, getötet zu werden", so Maher.
Obwohl das Gesetz aktuell gegen die US-Verfassung verstößt, zieht Senatorin April Weaver Parallelen zu den Abtreibungsverboten: Auch die galten lange als verfassungswidrig, bis der Supreme Court 2022 das berühmte Urteil Roe v. Wade kippte. Seither dürfen Bundesstaaten Abtreibungen wieder verbieten.
Der Anstoß für das neue Gesetz kam nach einem besonders grausamen Fall im Bibb County: Dort wurde ein mutmaßlicher Ring für sexuellen Kindesmissbrauch aufgedeckt. Mindestens zehn Kinder, einige erst drei Jahre alt, wurden laut Staatsanwälten in einem unterirdischen Bunker missbraucht und gequält.
"Ich glaube, es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Menschen, die unseren Kindern so etwas antun, und heute sind wir diesem besonderen Platz in Alabama einen Schritt näher gekommen – und zwar dem Todestrakt", sagte Senatorin Weaver, die Bibb County vertritt.