Wer in Kroatiens Party-Hochburg Split spätabends außerhalb eines Lokals noch ein Bier kaufen wollte, schaute zuletzt durch die Finger. Damit ist seit 16. September vorerst Schluss: Das nächtliche Verkaufsverbot für Alkohol wurde aufgehoben.
Kioske, Tankstellen und Supermärkte dürfen wieder rund um die Uhr alkoholische Getränke verkaufen. Für Urlauber ist das eine spürbare Lockerung – doch von einem Freibrief für ausgelassene Partynächte kann keine Rede sein.
Das Verkaufsverbot war eingeführt worden, um die zunehmenden Probleme rund um den Massentourismus einzudämmen. Bürgermeister Tomislav Šuta hatte sich für die Einschränkung starkgemacht. Ziel sei es gewesen, "Trunkenheit und ordnungswidriges Verhalten" zurückzudrängen.
Denn Split kämpft seit Jahren mit den Schattenseiten seines Erfolgs. Lärm, übermäßiger Alkoholkonsum und feiernde Touristengruppen sorgten immer wieder für Ärger in den Straßen und auf öffentlichen Plätzen.
Bei vielen jungen Urlaubern kam die Regel wenig gut an. Split gilt international als Hotspot für Nachtleben und Party. Wer nach 21 Uhr noch ein Bier kaufen wollte, musste auf Bars und Restaurants ausweichen – und dort entsprechend tiefer in die Tasche greifen.
Auch Händler und Kioskbetreiber kritisierten die Einschränkung laut "Morski.hr". Gerade in der Hochsaison fiel für sie ein wichtiger Teil des Geschäfts weg.
Gleichzeitig gab es unter Einheimischen eine andere Sorge: Das Verbot könnte sogar nach hinten losgehen. Touristen könnten ihren Alkohol einfach vor 21 Uhr auf Vorrat kaufen und ihn später auf Straßen und Plätzen konsumieren.
Mit dem Ende des Verkaufsverbots fallen allerdings nicht alle Regeln. Besonders in der historischen Altstadt gelten weiterhin strenge Vorschriften.
Wer im geschützten UNESCO-Zentrum öffentlich Alkohol konsumiert, wild uriniert oder in Parkanlagen schläft, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Diese können bis zu 300 Euro betragen.
Ganz vom Tisch ist das Verkaufsverbot zudem nicht. Laut dem kroatischen Nachrichtenportal bleibt die Regelung als dauerhafter Saisonbeschluss bestehen. Ohne eine neue Entscheidung des Stadtrats könnte sie daher ab 1. Juni 2027 automatisch wieder gelten. Die Stadt will zunächst auswerten, welche Auswirkungen die Maßnahme hatte. Erst danach sollen weitere Entscheidungen fallen.
Split steht mit seinem Kampf gegen die Auswüchse des Massentourismus außerdem nicht allein da. Auch andere beliebte Urlaubsorte wie Makarska, Zadar und die Insel Hvar setzen auf Verbote und schärfere Kontrollen.