In Brüssel wird derzeit über eine Abgabe auf besonders ungesunde Lebensmittel nachgedacht. Laut einem internen Entwurf der EU-Kommission könnten bereits 2026 stark verarbeitete Produkte mit viel Zucker, Fett oder Salz – ebenso wie Alkopops – teurer werden.
Das Papier, das Mitte Dezember offiziell präsentiert werden soll, beschreibt die Abgabe als gesundheitspolitisches Instrument. Ziel sei es, den Konsum ungesunder Produkte zu senken und Hersteller dazu zu bringen, ihre Rezepturen zu verbessern. Zuerst hatte das Portal "Euractiv" darüber berichtet.
In dem Entwurf heißt es wörtlich: "Eine sorgfältig konzipierte EU-weite Mikroabgabe kann die Preisstabilität aufrechterhalten und gleichzeitig Verhaltensänderungen bewirken." Verbraucherentscheidungen könnten so beeinflusst werden, ohne die Menschen finanziell übermäßig zu belasten. Die daraus entstehenden Einnahmen sollen ausschließlich in Programme zur Gesundheitsförderung fließen.
Die Kommission verweist in dem Dokument auf alarmierende Zahlen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien mit mehr als 1,7 Millionen Fällen pro Jahr die häufigste Todesursache in der EU. Die ökonomischen Schäden belaufen sich laut Behörde auf über 280 Milliarden Euro jährlich. Zudem gebe es deutliche wissenschaftliche Hinweise, dass ein hoher Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel das Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen erhöhe.
Der geplante Gesundheitsfahrplan der EU sieht neben der möglichen Lebensmittelabgabe auch weitere Maßnahmen vor: Unter anderem soll die Tabakkontrollgesetzgebung bis 2027 modernisiert und ein europaweites Bewertungssystem für verarbeitete Produkte eingeführt werden.
Langfristiges Ziel der Kommission ist es, die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2035 um 20 Prozent zu senken.