Seit 16. September wird verhandelt, am 22. Jänner wurde schon die Arbeit niedergelegt – und jetzt droht am 3. März der nächste Streik. In den oberösterreichischen Ordensspitälern spitzt sich der KV-Streit weiter zu. Rund 10.000 nichtärztliche Beschäftigte fordern einen Inflationsausgleich und vor allem eine Arbeitszeitverkürzung.
Die Arbeitgeber hätten bisher nur minimale Angebote vorgelegt. 80 Prozent der Beschäftigten lehnten diese nun ab. Nun berichtet betroffenes Personal aus dem Alltag. Elke Hergetz (32) vom Ordensklinikum Linz Elisabethinen schildert eindringlich, was sich in einem Nachtdienst auf der Normalstation abspielt.
"Ich arbeite mittlerweile auf einer anderen Station und Sie werden gleich wissen, warum das Ganze so gekommen ist", steigt die 32-Jährige ein. "Ich bin alleine für 25 Patientinnen zuständig." Darunter: "Patient:innen kurz nach Operationen, fiebernde Patient:innen, Patient:innen mit Demenz."
Wie jede Nacht beginne sie strukturiert, Zimmer für Zimmer abzugehen. "Schmerzen erfragen, Medikamente geben, Vitalwerte kontrollieren, frische OP-Wunden kontrollieren." Doch: "Ich bin nicht einmal über die ersten zwei Zimmer hinausgekommen."
Was folgt, beschreibt sie als Dauerlauf: "Ich renne von Glocke zu Glocke. Hier Schmerzen, ein anderer Patient muss auf den Toilettenstuhl gehen – und zwischendrin Patientinnen, die sich nicht selbst im Bett bewegen können." Inkontinenzversorgung, unruhige Patienten mit Demenz, wichtige Gespräche: Ein Patient mit Krebs vertraut ihr dann auch noch an, dass er "die Situation nicht mehr ertragen kann".
Und immer wieder der Satz: "Ich komme gleich wieder." In der Pflege sei das "vermutlich die häufigste Unwahrheit, die wir alle erzählen". Plötzlich kommt es zu einer Notsituation. Gemeinsam mit einem Arzt verbringt sie "knapp eine Stunde am Patientenbett" – während auf der Station weiter die Glocken läuteten.
"Ich renne durch die Nacht ohne trinken, ohne essen, ohne selbst auf die Toilette zu gehen – und trotzdem schaffe ich es nicht, die vorgeschriebenen Kontrollgänge bei Patient:innen zu machen." Zumindest bei einer Person sei das laut eigener Aussage fahrlässig gewesen.
"Ich gehe weinend aus dieser Nacht und zu meinem Vorgesetzten." Wochen später zog sie Konsequenzen und verließ die Abteilung, "da sich die Nachtdienste wie dieser regelmäßig wiederholen". Es habe Jahre gedauert, bis überhaupt ein zweiter Nachtdienst genehmigt worden sei. "Und auf vielen Stationen ist das leider noch immer unser Alltag."