Emotionen auf der Piste – das lieben die Fans, war beim Herren-Slalom aber nicht erlaubt. Nach dem ersten Durchgang bei den Olympischen Winterspielen in Italien sorgte Linus Straßer mit klaren Worten für Aufsehen.
Der deutsche Top-Läufer wollte seinen guten Freund AJ Ginnis im Ziel empfangen. Für den Griechen war es das letzte Rennen seiner Karriere. Doch als Straßer in den Zielraum lief, wurde er von einem Offiziellen gestoppt.
Seine Reaktion fiel deutlich aus: "Das ist typisch Olympia, oder?" Und weiter: "Lasst doch einmal irgendwas … aber gut, alles für die Show, für die sterile."
Im alpinen Skisport ist es üblich, dass Athleten nach ihrem letzten Rennen im Ziel von Kollegen und Weggefährten in Empfang genommen werden. Genau das wollte Straßer tun, doch die Organisatoren griffen ein.
Ginnis, 2023 sensationell Vize-Weltmeister im Slalom, muss seine Karriere verletzungsbedingt beenden. Seit zwei Jahren kämpfte er mit einer schweren Knöchelverletzung, verpasste bereits frühere Olympia-Ausgaben wegen Blessuren. Auch diesmal wollte er es noch einmal wissen - vergeblich.
"Komplikationen bei der letzten Operation machen es unmöglich, dass ich auf dem Level fahren kann, den der Sport verlangt. Das ist die Realität", sagt Ginnis.
Straßer schilderte die emotionalen Momente vor dem Rennen so: "Ich habe ihn beim Einstieg in die Gondel getroffen, er war völlig aufgelöst. Da hat dann auch so ein starker Typ eine Umarmung nötig gehabt."
Ginnis fuhr schließlich aus dem Starthaus, rutschte aber unmittelbar neben den Toren ins Ziel und winkte zum Abschied. Die innige Umarmung mit Straßer folgte - allerdings erst neben dem offiziellen Zielraum.