Ab 1. Jänner 2027 dürfen Textil-Sammelcontainer in Wien nicht mehr auf öffentlichem Grund aufgestellt werden. Die entsprechende Novelle zum Gebrauchsabgabegesetz wurde ohne Debatte, Anhörung oder Begutachtung der betroffenen Unternehmen bzw. Organisationen beschlossen, kritisiert Humana in einer Aussendung.
Die Organisation sieht nun dringenden Handlungsbedarf. Ohne alternatives Sammelsystem drohten Probleme bei der getrennten Sammlung von Alttextilien sowie Nachteile für die Kreislaufwirtschaft.
Allein in Wien werden jährlich rund vier Millionen Kilogramm Kleidung über Sammelcontainer im öffentlichen Raum abgegeben. Insgesamt existieren derzeit rund 2.200 Containerstandorte. Humana betreibt davon nach eigenen Angaben 1.027 Container und sammelte 2025 damit rund 2,24 Millionen Kilogramm Gebrauchtkleidung. Trotz mehr als 55.000 Entleerungen seien in den vergangenen 38 Monaten lediglich 89 Beschwerden dokumentiert worden.
Laut Humana droht ohne ausreichende Sammelstellen ein Großteil der Alttextilien im Restmüll zu landen. "Wien sammelt jährlich fünf Millionen Kilogramm Gebrauchttextilien. Diese Menge verschwindet nicht, weil ein Gesetz es verlangt. Sie landet im Restmüll, wenn wir nicht sofort handeln. Genau das möchten wir verhindern. Statt die Sammelmenge durch ein Verbot zu reduzieren, sollte Wien sie verdoppeln; auf die österreichweiten 5,5 kg pro Kopf", meint Henning Mörch, Vorstandsmitglied und Geschäftsleiter von Humana Österreich.
Nach dem Verbot würden laut Humana nur noch rund 600 Abgabestellen in Wien übrig bleiben. Die bestehenden Mistplätze könnten die entstehende Lücke "weder räumlich noch mengenmäßig schließen". Kritisiert wird zudem, dass Alttextilien als einzige Sammelkategorie aus dem öffentlichen Raum verschwinden sollen, während Altglas, Papier oder Verpackungen weiterhin gesammelt werden dürfen.
Die Organisation kündigte an, die Rechtmäßigkeit des Gesetzes prüfen zu lassen. Gleichzeitig wolle man aber weiter an Lösungen arbeiten. Für den 2. Juni sei bereits ein Gespräch mit der Wiener Stadtregierung vereinbart worden. Humana wolle dort mögliche Übergangslösungen und Fragen zur textilen Kreislaufwirtschaft besprechen.
"Wir bedauern diesen Beschluss ausdrücklich. Er ist ein Rückschritt für die Kreislaufwirtschaft und widerspricht dem, was Europa von uns verlangt. Aber Humana bleibt seiner gesellschaftlichen Verantwortung treu. Wir stehen als Sammelpartner weiterhin zur Verfügung, mit unseren Strukturen und dem Know-How", bekräftigt Mörch.