Mitten in der Debatte um ein Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige ist ein anderes Problem längst da: Schwanger – und plötzlich prasseln Tipps, Warnungen und "Geheimwissen" von allen Seiten ein. Vor allem auf Social Media stoßen werdende Mütter auf eine Mischung aus Erfahrungsberichten, Halbwissen und teils glatten Falschinformationen. Genau das sei inzwischen Alltag in den Krankenhäusern, erklärten Ärzte und Hebammen des Spitals der Barmherzigen Brüder Linz.
Ein wiederkehrendes Problem, das die Fachleute beschrieben: Inhalte sind oft emotional aufgeladen und werden als allgemeingültige Wahrheit verkauft – obwohl Schwangerschaften sehr unterschiedlich verlaufen. Der Leitende Oberarzt der Geburtshilfe, Richard Mayer, erklärte, er höre "regelmäßig" nicht wissenschaftlich basierte Informationen von Schwangeren, die oft nicht der Realität entsprächen.
Besonders kritisch sehen die Experten die Rolle von Mami-Influencern. Dabei sei nicht alles Behauptete automatisch falsch. Das Problem sei vielmehr: "Sie verkaufen ihren Weg als 'den Weg'.“ Den einen Richtigen gebe es aber nicht – "jede Schwangerschaft ist anders", so Mayer.
Dazu kämen klassische Mythen, die sich hartnäckig halten – und in Social Media ständig neu befeuert werden. Fragen wie: "Stimmt es, dass ich nicht auf dem Rücken schlafen darf?" würden zum Spitals-Alltag gehören. Auch "Ammenmärchen von früher" bekämen die Geburtshelfer oft zu hören, erzählt Oberärztin Christiane Braumann von der Pränataldiagnostik.
Auch Themen rund um Sex, Sport oder Flugreisen in der Schwangerschaft würden immer wieder für Verunsicherung sorgen. In einschlägigen Foren spiele "im Hintergrund auch sehr oft Marketing eine Rolle". Als Beispiel nannte Braumann das Stillen: "Das ist ein großes Thema, das extrem von der Formularnahrungs-Branche beeinflusst wird."
Um gegenzusteuern, startet das Spital ein bundesweit einzigartiges Projekt: einen eigenen Instagram-Kanal zum Thema. Durch den Kanal sollen Betroffene kleinere Probleme selbst lösen können und besser aufgeklärt werden, sagt der Ärztlichen Direktor Thomas Berger. Auch deshalb, weil Spitäler oft nicht die Zeit und Kapazitäten hätten, jedes kleine Problem persönlich abzuklären.
Primar Lukas Hefler, Initiator des Projekts, räumte ein, selbst lange skeptisch gewesen zu sein: "Bis vor sechs Monaten habe ich Instagram abgelehnt." Trotzdem sei für ihn jetzt entscheidend: "Wir wollen die Leute dort abholen, wo sie sind und diesen Menschen evidenzbasierte Informationen bieten." Dahinter stünde "ein riesen Aufwand": Innerhalb einer Woche seien im Sommer neben dem Regelbetrieb 280 Kurzvideos mit rund 50 Experten aufgenommen worden.