Die Migrationslage an der EU-Außengrenze spitzt sich weiter zu. Nach Angaben der Behörden haben in den vergangenen Tagen rund 60.000 Migranten die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta überquert. Das entspricht rund 70 Prozent der Bevölkerung der Stadt. Normalerweise leben rund 87.000 Menschen in der spanischen Exklave.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden allein zwischen Freitagvormittag und Freitagmittag bereits 25.000 Menschen nach Marokko zurückgebracht. Das Ministerium sprach von einer Rückführung von rund 150 Personen pro Minute.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bezeichnete den Massenansturm als Angriff auf spanisches Staatsgebiet. Nach seiner Einschätzung seien Gerüchte, die von Schleusernetzwerken verbreitet worden seien, Auslöser für die plötzliche Migrationsbewegung aus Marokko gewesen.
Auch in Österreich löste die Entwicklung politische Reaktionen aus. Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) wollte laut ihrem Kabinett am Freitagnachmittag mit ihrem spanischen Amtskollegen Fernando Mariano Sampedro Marcos telefonieren. Kritik kam zudem von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP).
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) fordert Spanien auf, den europäischen Asylpakt rasch umzusetzen. Dazu gehöre insbesondere ein besserer Schutz der spanischen Außengrenzen. Außerdem spricht sich Karner für Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas aus.
"Österreich hat in den letzten Jahren umfassende Anstrengungen zum Schutz seiner Grenzen unternommen und die illegale Migration massiv reduziert. In enger Abstimmung mit den deutschen Sicherheitsbehörden ist man auf Lageveränderungen vorbereitet", so Karner.
Der Innenminister betont zudem, dass Österreich in den vergangenen zehn Jahren von illegalen Migrationsbewegungen über das Mittelmeer nicht betroffen war.