Ein bislang als "Pillewizer" bekannter Berg in den Hohen Tauern (Pinzgau) hat seinen Namen verloren. Der Gipfel wurde vor fast vier Jahrzehnten nach einem Glaziologen benannt, der eine NS-Vergangenheit hatte.
Die Umbenennung ist auf den Österreichischen Alpenverein zurückzuführen. Dieser setzte sich dafür ein, dass der Name aufgrund der historischen Hintergründe gestrichen wird.
"Manchmal erzählt ein kleines Gipfelschild eine erstaunlich große Geschichte. Indem wir das Schild abnehmen, distanziert sich der Alpenverein von einer personenbezogenen Ehrung, die nicht mit unserer Haltung für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimmt", erklärt Gerd Frühwirth, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Salzburg.
Wolfgang Pillewizer war bereits während seines Studiums in Graz Mitglied des Alpenvereins. Ab 1936 war er zudem in der Alpenvereinskartographie tätig. Sein wissenschaftliches Interesse galt unter anderem der Hochgebirgskartographie und der Gletscherforschung. Im Zuge dieser Arbeiten beschäftigte er sich auch intensiv mit der Venedigergruppe.
Über lange Zeit wurde Pillewizer vor allem wegen seiner Leistungen als Geograph, Kartograph und Gletscherforscher gewürdigt. Seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus wurde hingegen nicht entsprechend thematisiert. Erst spätere historische Recherchen rückten diesen Teil seiner Biografie stärker in den Mittelpunkt.
1988 wurde eine bis dahin namenlose Erhebung in den Hohen Tauern nach Pillewizer benannt. Bergsteiger schleppten damals sogar Steine auf den Gipfel, um die Erhebung symbolisch über die Marke von 3.000 Metern zu bringen.
Bei der aktuellen Begehung wurde nicht nur das Gipfelschild entfernt. Auch die künstlich aufgeschichteten Steine am höchsten Punkt wurden symbolisch abgetragen. "Ein Berg muss weder größer gemacht noch mit einem großen Namen versehen werden, um Bedeutung zu haben. Sein Wert liegt nicht in einer runden Zahl oder in einer Gedenktafel, sondern in seiner Natur, seiner Geschichte und in unserer Begegnung mit ihm", sagt Slupetzky.
Durch die Entfernung der künstlichen Erhebung wird der Gipfel nicht mehr als Dreitausender geführt. Zudem bleibt der Berg vorerst namenlos, bis eine neue Lösung gefunden wird.