Krieg im Nahen Osten

"Besetzen USA die Insel Charg, werden Verluste hoch"

Trump droht mit weiteren Angriffen auf die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Charg. Eine solche Operation birgt laut Experten Chancen und Risiken.
Newsdesk Heute
16.03.2026, 12:37
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Mitten im Persischen Golf liegt die Insel Charg – gerade einmal 25 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Was viele nicht wissen: Charg ist das Herzstück für Irans Erdölexporte. Fast 90 Prozent des schwarzen Goldes verlassen von hier aus das Land. Die Bedeutung der Insel ist enorm.

Laut 20 Minuten lagern auf Charg rund 30 Millionen Barrel Öl, die für den Iran lebenswichtig sind. Kein Wunder also, dass Charg immer wieder ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit rückt. Jetzt sorgt Donald Trump für Wirbel.

Der US-Präsident verkündete, alle militärischen Ziele auf der Insel seien ausgeschaltet worden. Doch was steckt dahinter? Geopolitik-Experte Klemens Fischer erklärt, warum Charg für den Iran und die Welt so wichtig ist.

Fischer betont: Charg liegt rund 480 Kilometer nordwestlich der Straße von Hormus und ist für den Iran strategisch entscheidend. Von hier aus gehen fast alle Ölexporte in die Welt. Gleichzeitig sind dort riesige Mengen Öl gelagert – ein enormer Wert, aber auch ein gewaltiges Risiko.

Doch ist Trump wirklich am Öl interessiert? Mit einer Besetzung der Insel könnten die USA den Iran wirtschaftlich weiter schwächen. Sollte die Insel oder ihre Ölvorräte zerstört werden, würde das den Ölpreis weltweit steigen lassen. Eine Einnahme wäre aber wohl nur über eine Bodenoffensive möglich, nicht aus der Luft.

Trump verlegt laut Medienberichten weitere Truppen in die Region, darunter rund 2.500 Marines. Ob das für eine Besetzung der Insel reicht, ist aber fraglich. Niemand weiß genau, wie stark der Iran Charg noch verteidigt.

Auf Charg lagern rund 30 Millionen Barrel Öl, die für den Iran lebenswichtig sind.
Screenshot / Google Maps

Was hätte Trump von einer Besetzung? Fischer meint: Die Insel wäre ein Sprungbrett für weitere Offensiven. Aber das Risiko ist riesig.

Charg liegt in direkter Reichweite des Iran. Ein Angriff würde mit Raketen und Drohnen beantwortet werden. "Das Ziel des Iran wäre dann, die Amerikaner für die Besetzung einen möglichst hohen Blutzoll zahlen zu lassen. Und es ist davon auszugehen, dass ihnen das auch gelingen würde", so der Geopolitik-Experte.

Warum ist das so gefährlich? Fischer erklärt: Der Iran wird Charg nicht kampflos aufgeben. Die US-Soldaten müssten mit heftigen Bodenkämpfen rechnen und wären ständig dem Beschuss mit Drohnen und Raketen ausgesetzt. "Ob die Kosten-Nutzen-Rechnung wirklich für die Einnahme dieser Insel spricht, wage ich zu bezweifeln."

Und was passiert mit dem Öl auf Charg? Selbst wenn die USA die Insel besetzen, könnten sie das Öl nur nutzen, wenn auch die Straße von Hormus offen bleibt.

Die iranische Insel Charg engl. Kharg im Persischen Golf NASA-Archivbild von 31.08.2002
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Die riesigen Tanklager sind außerdem ein Pulverfass: Steht das Regime mit dem Rücken zur Wand, könnte es das Öl lieber zerstören, als es den Amerikanern zu überlassen. Fischer hält es für möglich, dass die Iraner im Notfall ihre eigenen Vorräte in die Luft jagen – entweder mit Raketen oder mit Sprengsätzen, die schon vor einer möglichen Besetzung angebracht wurden.

Eines steht fest: Wer Charg einnimmt, sitzt auf einem Fass voller Risiken – und das im wahrsten Sinn des Wortes.

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.03.2026, 12:37
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