In 40 Wiener Supermärkten ist mit 1. September eine Initiative gestartet, die es im Lebensmittelhandel in dieser Form noch nie gegeben hat. Ausgewählte Filialen von Billa und Billa Plus geben frisches Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch an Hilfsorganisationen weiter, anstatt es zu entsorgen. Bisher galt Frischfleisch aus Haftungs- und Hygienegründen im Spendenbereich als heikle Ausnahme.
Gemeinsam mit der Organisation "Die Tafel Österreich" und der Lebensmittelbehörde wurde dafür ein streng geregelter Ablauf entwickelt. Nach einem Testbetrieb mit acht Filialen wird das Projekt nun drei Monate lang auf 30 Billa – und 10 Billa-Plus-Standorte ausgeweitet.
Hintergrund ist die anhaltende Teuerung, die armutsbetroffene Menschen hart trifft. Für viele Menschen mit wenig Geld seien viele Lebensmittel mittlerweile zum Luxus geworden, meint Wilhelm Raber, Geschäftsführer der Stadtdiakonie Wien.
"Wir finden: Armut darf nicht bedeuten, dass Menschen auf eine ausgewogene und vielfältige Ernährung verzichten müssen", so Raber. Mit den Angeboten wolle man daher nicht nur den Grundbedarf decken, sondern gelegentlich etwas Luxus bieten – wozu eben auch Fleischgerichte zählen.
Dass der Bedarf riesig ist, zeigt die Situation in der Wiener Hilfseinrichtung "Häferl". An Tagen mit Fleischgerichten serviere man teilweise weit über 400 Teller, was einem Zuwachs von bis zu einem Viertel entspricht, berichtet Einrichtungsleiter Tobias Riener.
"Fleisch ist ein besonders kostbares Lebensmittel, das von unseren Besucherinnen und Besuchern sehr geschätzt wird", erklärt Riener und freut sich, dass die Einrichtung nun sogar einen zweiten wöchentlichen Fleischtag einführen konnte.
Um Risiken auszuschließen, gelten strenge Auflagen: Gespendet wird ausschließlich Fleisch aus der Selbstbedienung am Tag des Verbrauchsdatums. Heikle Produkte wie Faschiertes oder Innereien bleiben allerdings strikt tabu. Die Abholung erfolgt über spezielle Kühlboxen oder Kühlwägen. Geflügel darf zudem nur weitergegeben werden, wenn es noch am selben Tag durcherhitzt oder verkocht wird.
"Fleisch hat eine besondere Wertigkeit, gleichzeitig gelten im Fleischbereich besonders strenge gesetzliche Vorgaben und Hygienevorschriften", erklärt Billa-Vorstand Robert Nagele. Lebensmittelsicherheit habe dabei oberste Priorität.
Der Testbetrieb hätte bereits gezeigt, welches Potenzial in der Initiative stecke: Schon in dieser ersten Phase konnten über zwei Tonnen Fleisch weitergegeben werden. Mit der Ausrollung auf 40 Märkte erhalten nun noch mehr Einrichtungen hochwertige Fleischprodukte.
Auch Tafel-Geschäftsführerin Alexandra Gruber sieht darin einen wichtigen Meilenstein. Weil im Handel durch effizientere Bestellungen insgesamt weniger übrigbleibe, müsse man neue Quellen erschließen.
"Mit Billa als starkem Partner haben wir uns an das komplexe Thema Fleischrettung herangewagt und ein echtes Pionierprojekt auf den Weg gebracht", so Gruber. Damit könne man wertvolle Lebensmittel bewahren und Menschen in Not gezielt unterstützen.