Tausende Kunden zahlten für Möbel, die sie nie erhielten – nun rücken neue Details zur Kika/Leiner-Pleite in den Fokus. Ein Gutachten soll zeigen, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bereits vor einer Rabattaktion für Hochwasseropfer erkennbar war. Gegen Ex-Geschäftsführer Hermann W. stehen schwere Vorwürfe im Raum.
Nach den verheerenden Unwettern und Überschwemmungen vor knapp zwei Jahren hatte Kika/Leiner Betroffenen einen Nachlass von 20 Prozent auf neue Möbel, Küchen und andere Produkte angeboten. Besonders schwer getroffen worden waren damals Menschen im niederösterreichischen Tullnerfeld, aber auch in anderen Teilen des Bundeslandes entstanden massive Schäden.
Zum Zeitpunkt der Rabattaktion soll die finanzielle Situation des Möbelhändlers allerdings bereits äußerst angespannt gewesen sein. Ein schon vor der Aktion erstelltes Gutachten soll laut "Krone" die Zahlungsunfähigkeit von Kika/Leiner belegen.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sieht dadurch den Verdacht eines "systemischen Betrugs" untermauert. Für den Vorwurf reicht ein bedingter Vorsatz. Das bedeutet, dass eine Täuschung der Kunden nicht zwingend das direkte Ziel gewesen sein muss, sondern zumindest in Kauf genommen worden sein könnte.
Mittlerweile werden 4.700 Geschädigte gezählt, die Anzahlungen für Möbel geleistet haben sollen, ihre bestellte Ware jedoch nie bekamen. Der dabei entstandene Schaden wird mit 15 Millionen Euro beziffert.
Wegen des Umfangs wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft St. Pölten an die WKStA abgegeben. Doch gegen den früheren Geschäftsführer steht noch ein weiterer Verdacht im Raum. Die Ermittler prüfen auch den Vorwurf der betrügerischen Krida.
Hermann W. soll kurz vor der Insolvenz noch Rechnungen zur Zahlung freigegeben haben. Diese seien laut WKStA "ohne erkennbare Gegenleistung" gewesen. Die Ermittler sehen darin eine mögliche Schädigung der Gläubiger.
Eine dieser Rechnungen soll zudem von einem Unternehmen W.s ausgestellt worden sein. Bei diesem Teil der Ermittlungen geht es um einen Schaden von insgesamt 1,1 Millionen Euro.
W. befindet sich seit drei Tagen in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger kritisierte gegenüber dem ORF eine "mediale Vorverurteilung".
Zudem hält der Anwalt eine "unverzügliche Enthaftung" seines Mandanten für notwendig. Ob bereits ein entsprechender Antrag samt Beschwerde eingebracht wurde, ist nicht bekannt. Für die "Krone" war der Verteidiger am Mittwoch nicht erreichbar.
Kika/Leiner war 2018 von der mittlerweile insolventen Signa-Gruppe gekauft worden. Deren Gründer René Benko befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft. 2023 verkaufte Benko die Immobilien des Möbelhändlers an den Grazer Immobilienentwickler Supernova. Das operative Möbelgeschäft wurde an Handelsmanager W. abgegeben.
Wenig später folgte die erste Insolvenz. Nach einer weiteren Insolvenz im November 2024 gelang es W. nicht, zusätzliche finanzielle Mittel oder einen Investor aufzutreiben. Damit war das Ende des Unternehmens besiegelt.
Für Hermann W. gilt die Unschuldsvermutung.