Drohseite gegen 1700 Bauern

Bio-Bauern erpresst: Hochegger als Zeuge vor Gericht

Im Prozess um die Website "bio-korrupt.com" rückt Ex-Lobbyist Peter Hochegger immer stärker ins Zentrum – nun sagt er selbst vor Gericht aus.
Christoph Weichsler
15.04.2026, 22:22
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Eine anonyme Website, ein Countdown und massive Vorwürfe gegen Österreichs Biobauern: Was im Herbst 2024 für Aufregung sorgte, landet jetzt vor Gericht. Die Seite "bio-korrupt.com" drohte mit Enthüllungen über einen angeblich "korrupten Bioclan" - und verschickte den Link gezielt an rund 1700 Insider der Branche. Kurz vor der angekündigten Veröffentlichung verschwand die Seite wieder.

Zurück blieb ein massiver Imageschaden. Bio Austria, der größte Bio-Verband des Landes, sieht darin eine gezielte Schmutzkübelkampagne und zog vor das Wiener Handelsgericht. Die zentrale Frage: Wer steckt wirklich hinter der Aktion – und war alles geplant?

Spur führt zu Hochegger

Im Zentrum steht ein Name, der in Österreich seit Jahren für politische Einflussnahme steht: Peter Hochegger (77). Der frühere Lobbyist wurde in der Buwog-Affäre verurteilt und gilt als jemand, der genau weiß, wie man Medien und öffentliche Meinung steuert. Umso brisanter ist, dass er im aktuellen Verfahren als möglicher Strippenzieher genannt wird.

Konkret geht es um sein Umfeld: Der IT-Techniker, der die Website gebaut hat, ist ein Freund Hocheggers. Zudem war er gemeinsam mit ihm bei einem Treffen mit einem Landwirt dabei, der von Bio Austria ausgeschlossen wurde und wirtschaftlich unter Druck stand. Genau dort soll die Idee entstanden sein, über medialen Druck Einfluss zu nehmen.

Website wie aus dem Lehrbuch

Die Seite wirkt alles andere als improvisiert: Das Bio-Austria-Siegel wurde täuschend echt verfälscht, dazu ein Countdown und Drohungen mit Skandalen. Auch technisch deutet alles auf Planung hin – Domain in Hongkong, Server auf den Seychellen, Bezahlung mit Bitcoin. Für die Kläger ist klar: Hier sollte gezielt verschleiert werden.

Der IT-Techniker selbst sorgt im Prozess für Kopfschütteln. Zuerst gab er an, im Auftrag eines Unternehmensberaters gehandelt zu haben. Später widerrief er das und erklärte, alles allein und "aus Versehen" gemacht zu haben. Eine Version, die für die Gegenseite kaum glaubwürdig ist. Brisant: Teile der Aktion sollen ursprünglich gestoppt worden sein, weil man negative Folgen für alle Beteiligten befürchtete. Trotzdem ging die Website online – und wurde breit gestreut. Warum, bleibt eine der offenen Fragen im Verfahren.

Jetzt kommt die Schlüsselfigur

Am Donnerstag, dem 16. April, erreicht der Prozess einen Höhepunkt. Peter Hochegger selbst soll als Zeuge erscheinen und erklären, welche Rolle er gespielt hat. Laut seinem Anwalt will er darlegen, wie es überhaupt zur Idee dieser Seite kam.

Für Bio Austria geht es dabei um mehr als nur einen Einzelfall. Der Verband sieht sich als Opfer gezielter Erpressung und vermutet eine orchestrierte Kampagne. Im Raum steht der Vorwurf, dass professionelle Akteure versucht haben, die Branche unter Druck zu setzen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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