Botox galt lange als klassische Frauen-Domäne. Doch jetzt sorgen neue Zahlen für Aufsehen: Männer sollen beim Nervengift plötzlich die Nase vorne haben. Laut der Studie "Feelgood Revolution" des Gottlieb-Duttweiler-Instituts greifen mittlerweile 8 Prozent der Männer zu Botox – bei Frauen sind es demnach 6 Prozent.
Das könnte auch erklären, warum es für dieses Phänomen bereits ein eigenes Wort gibt: "Brotox", zusammengesetzt aus Bro und Botox.
Gesundheit, Fitness und gutes Aussehen werden immer wichtiger – und zunehmend vermessen. Die Studie untersuchte Menschen in Österreich, Deutschland und der Deutschschweiz und zeigt: Der Druck zur Selbstoptimierung steigt. Botox scheint dabei längst nicht mehr nur ein Thema für Frauen zu sein.
Vor allem Männer investieren zunehmend in ihr Erscheinungsbild – nicht zuletzt, weil sie sich länger fit, vital und jugendlich fühlen wollen. Inwieweit das tatsächlich auf die österreichischen Männer zutrifft, wollten wir von drei Medizinern wissen und haben dabei festgestellt: Es ist noch Luft nach oben, aber das Thema Schönheitseingriffe ist längst kein Tabu mehr für Männer – und die Zornesfalte offenbar ihr größter Gegner.
Die plastische Chirurgin Dr. Sara Abayev beobachtet den Trend durchaus – auch wenn sie die Zahlen differenziert sieht. "Die Nachfrage unter Männern ist in den vergangenen Jahren auf jeden Fall gestiegen – aber es kommen nicht mehr Männer als Frauen. Definitiv nicht."
Gerade sichtbare Alterszeichen im Gesicht seien für viele Männer zunehmend Thema: "Sie kommen zwar nicht direkt wegen Botox, sondern weil sie etwas verbessern wollen – die Antwort ist dann meistens Botox. In über 80 Prozent der Fälle sind es tiefe Stirn- oder Zornesfalten", sagt Abayev.
Die Dermatologin Barbara Franz, Fachärztin für Ästhetische Medizin kann einen Botox-Boom unter Männern in ihrer Praxis ebenfalls nicht bestätigen: "Männer sind deutlich geringere Botox-Kunden als Frauen. Wenn sich Männer mit Botox behandeln lassen, dann in erster Linie wegen vermehrtem Schwitzen der Handflächen, Fußsohlen oder der Achselhöhlen – im Stirnbereich, wenn überhaupt, dann nur die Zornesfalte", sagt Franz.
Dr. Harald Beck, Facharzt für ästhetische Medizin, spricht zwar von einem deutlichen Anstieg, doch die Männer seien auch bei ihm noch klar in der Minderheit. "Ja, es kommen mittlerweile mehr Männer und das finde ich eine gute Entwicklung. Immer mehr Männer zwischen 50 und 60 machen viel Sport, trinken kein Bier, ernähren sich gesund. Der Anteil ist mit etwa 15 Prozent leider noch relativ niedrig, steigt aber deutlich an."