"Mangelhaft ausgeführt"

Brisanter Bericht zu Brand in U1 deckt jetzt alles auf

Fast zwei Jahre nach dem U1-Brand in Wien liegt ein Untersuchungsbericht vor. Demnach hätten Wartungsmängel bei den Wiener Linien eine Rolle gespielt.
André Wilding
08.10.2026, 08:55
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Ein defekter Schutzschalter, beschädigte Kabel und ein Schaden in Millionenhöhe: Fast zwei Jahre nach dem verheerenden Brand einer Wiener U-Bahn kommen neue Details ans Licht. Ein 81 Seiten langer Untersuchungsbericht wirft Fragen zur Wartung der betroffenen Garnitur auf.

Die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) kommt laut KURIER zu dem Schluss, dass der Brand womöglich verhindert werden hätte können. Die Wiener Linien widersprechen allerdings wesentlichen Schlussfolgerungen.

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U1-Zug brannte mitten im Tunnel

Am 19. November 2024 geriet ein Sonderzug der U1 zwischen den Stationen Taubstummengasse und Südtiroler Platz in Brand. Der Vorfall ereignete sich zur Hauptverkehrszeit.

Die Garnitur war kurz zuvor noch mit Fahrgästen unterwegs gewesen, zum Zeitpunkt des Feuers befand sich jedoch niemand mehr an Bord. Fünf Menschen wurden leicht verletzt. Die Fahrerin musste nach dem Einatmen von Rauchgasen zur Kontrolle ins Spital. Der betroffene U1-Abschnitt blieb zehn Tage lang gesperrt.

Als Ursache nannten die Wiener Linien damals einen "Isolationsschaden an der Verkabelung", der einen Kurzschluss und anschließend das Feuer ausgelöst habe.

Kabelschaden hätte auffallen können

Der neue Bericht, der dem KURIER vorliegt, geht nun der Frage nach, ob das Unglück vermeidbar gewesen wäre. Besonders brisant: Nur eine Woche vor dem Brand war der Zug in Heiligenstadt gewartet worden. Bei dieser sogenannten B-Revision hätten die Beschädigungen an der Kabelisolierung laut SUB entdeckt werden können.

Die Prüfer sprechen von "Scheuerstellen", die bereits über längere Zeit entstanden sein dürften. Es habe sich um einen "Langzeitmangel" gehandelt.

Schutzschalter funktionierte nicht

Doch die beschädigten Kabel waren laut Bericht nicht das einzige Problem. Ein Hauptschalter hätte bei dem Kurzschluss die Stromversorgung unterbrechen sollen. Das geschah allerdings nicht.

Die SUB hält dazu fest: "Die Servicierung des Hauptschalters im Zuge der Wartung wurde wahrscheinlich mangelhaft ausgeführt." Ein eindeutiger technischer Nachweis ist laut Bericht nicht mehr möglich, weil der betreffende Schalter beim Brand zerstört wurde, heißt es im Bericht der Tageszeitung.

Die Untersuchungsstelle verweist jedoch darauf, dass "die Wartungsintervalle (...) nicht gemäß Vorgabe der Bedienungsanleitung des Herstellers berücksichtigt" wurden.

Schaden geht in die Millionen

Der Brand verursachte nicht nur eine längere Streckensperre, sondern auch erhebliche finanzielle Schäden.

Die ausgebrannte U-Bahn-Garnitur musste verschrottet werden. Ihr Restwert lag bei 89.000 Euro. Als Ersatz soll ein neuer X-Wagen angeschafft werden, dessen Kosten auf rund 11,4 Millionen Euro geschätzt werden. Dazu kommen die Schäden im Tunnel.

"Der geschätzte Schaden der Infrastruktur wird mit einer Höhe von Euro 2.733.205,72 bemessen", zitiert der KURIER den Untersuchungsbericht.

Wiener Linien widersprechen den Prüfern

Die Wiener Linien weisen die Schlussfolgerung gegenüber dem KURIER zurück, dass eigene Wartungsfehler für das Feuer verantwortlich gewesen seien. Aus ihrer Sicht führte "eine Verkettung unglücklicher Umstände" zu dem Brand.

Die Verkehrsbetriebe betonen zudem, dass die Untersuchungsstelle "aufgrund der Zerstörung des Originalschalters" keinen eindeutigen Beweis für einen Wartungsmangel erbringen konnte.

Auch bei weiteren überprüften Fahrzeugen seien keine entsprechenden Defekte festgestellt worden. "Es wurde auch in den anderen überprüften Zügen keine mangelhaften Schalter gefunden. Die zuständigen Mitarbeiter wurden dennoch dahin gehend vom Hersteller des Hauptschalters geschult", heißt es im KURIER.

Wartung wird nach Brand angepasst

Unmittelbar nach dem Feuer seien laut Wiener Linien sämtliche Züge der betroffenen Baureihe auf mögliche Kabelschäden kontrolliert worden. Auch bei der laufenden Wartung soll es Änderungen geben.

"Die Kontrolle der Kabelisolation sowie des Hauptschalters werden künftig in den Wartungschecklisten verankert. Die Mitarbeiter wurden nochmals speziell sensibilisiert und geschult", zitiert der KURIER.

Die Verkehrsbetriebe betonen, dass bereits während der Untersuchung umfangreiche Maßnahmen umgesetzt worden seien.

Während die Bundesprüfer mögliche Versäumnisse bei der Wartung aufzeigen, bleiben die Wiener Linien bei ihrer Darstellung einer Verkettung unglücklicher Umstände. Fest steht: Der Brand hat Änderungen bei den Kontrollen der U-Bahn-Züge ausgelöst.

wil,08.10.2026, 08:55