Wer am Sonntag gerne Bücher ausleihen oder in der Bibliothek lernen möchte, hat oft Pech gehabt. Das könnte sich ab dem kommenden Jahr ändern. Öffentliche Bibliotheken sollen dann die Möglichkeit bekommen, auch am Sonntag zu öffnen.
Mit dieser Maßnahme wollen Union und SPD eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag umsetzen. Der Deutsche Bibliotheksverband begrüßt den Schritt. Bibliotheken sollten dieselben Möglichkeiten erhalten wie Museen, Sport- oder Freizeiteinrichtungen, die schon jetzt sonntags geöffnet sein können.
Wie "Chip" berichtet, ist die geplante Änderung Teil größerer Anpassungen der Regeln zur Sonntagsarbeit. So sollen zum 1. Jänner 2027 auch Bäckereien und Konditoreien mehr Spielraum erhalten. Bislang dürfen Beschäftigte in diesen Branchen an Sonn- und Feiertagen nur bis zu drei Stunden arbeiten.
Laut dem Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium sollen Bäckereien sonntags künftig bis zu acht Stunden öffnen dürfen, öffentliche Bibliotheken bis zu sechs Stunden.
Für Verbraucher könnte das langfristig bedeuten, dass mehr Bibliotheken sonntags geöffnet sind und die Bäckereien möglicherweise längere Öffnungszeiten anbieten. Entscheidend bleibt jedoch, wie die einzelnen Einrichtungen die neuen Möglichkeiten tatsächlich nutzen.
Nicht alle sind von den Plänen begeistert. Gewerkschaften und Kirchen lehnen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes ab. "Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag", erklärte Silke Zimmer von Verdi.
Auch die Evangelische Kirche in Deutschland ist dagegen. Der freie Sonntag sei für die Gesellschaft als Ganzes wertvoll, unabhängig davon, ob ein Mensch an Gott glaubt oder nicht.