Lange Zeit gehörte Alkohol für Muriel Baumeister ganz selbstverständlich zum Alltag. Jetzt spricht die Schauspielerin offen darüber, wie sehr die Sucht ihr Leben bestimmt hat - und wie schwer der Weg zurück war.
Im Talkformat "Wendepunkte" des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ erzählt die 54-Jährige schonungslos von ihrer Vergangenheit. Alkohol sei über viele Jahre völlig normal gewesen, sagt sie heute. Doch irgendwann sei es schlicht "zu viel" geworden.
Der entscheidende Moment kam durch eine enge Freundin. "Sie hat mich angesprochen und gesagt: 'Ich gucke mir das nicht mehr an!'"
Aus gelegentlichem Trinken wurde über die Jahre eine Gewohnheit. Baumeister sagt offen: "Ich habe mein Leben lang getrunken." Ein Warnsignal sei für sie gewesen, wenn Alkohol plötzlich zum täglichen Begleiter wurde. "Wenn du irgendwann anfängst, allein zu trinken, und Sorge hast, wenn kein Alkohol zu Hause ist, dann sollte man anfangen, sich Gedanken zu machen."
Schon früh habe Alkohol eine Rolle gespielt. "Es gab hier mal einen Champagner morgens zum Frühstück, wenn man irgendwo war." Ihre Trinkfestigkeit beschrieb sie gegenüber der "Bunte" später so: "Ich war mal mit Freunden unterwegs, da habe ich zehn Gin Tonic getrunken, ohne nennenswerte Auswirkungen. Für normale Leute unvorstellbar."
Die gesundheitlichen Folgen blieben nicht aus. Baumeister litt an einer dauerhaften Magenschleimhautentzündung. "Jeden Morgen habe ich mich übergeben, aber danach trotzdem direkt wieder Alkohol, meistens Weißwein, in mich reingeleert."
Besonders gefährlich sei gewesen, dass vieles heimlich passiert sei. Einen klaren Auslöser für ihre Sucht habe es nicht gegeben. Nach der Geburt ihrer dritten Tochter im Jahr 2014 habe sich die Situation jedoch verschärft. "Die pränatale Depression hat die Sache sehr verstärkt."
Bundesweit Schlagzeilen machte schließlich eine Alkoholfahrt im Oktober 2016. Baumeister war mit 1,4 Promille unterwegs und streifte beim Parken eine Leitplanke. Verletzt wurde niemand - doch ihre Tochter saß im Auto. Rückblickend sagt sie: "Ich habe mich normal gefühlt und das war eigentlich das Schlimme."
Danach suchte sie Hilfe. Zunächst in einer privaten Klinik, später in einer einfacheren Einrichtung. Beide Entzüge scheiterten. Lange habe sie geglaubt, kontrolliert trinken zu können. "Ich habe versucht, eine Möglichkeit zu finden, kontrolliert zu trinken." Erst später erkannte sie: "Erst wenn du begriffen hast, dass das nicht geht, dann bist du auf dem Weg der Besserung."
Im Oktober 2017 ließ sie sich schließlich in die geschlossene Psychiatrie der Berliner Charité einweisen. Eine Entscheidung, die sie bis heute als drastisch beschreibt. "Das war so schrecklich, da wollte ich nie wieder hin."
Heute lebt Baumeister seit fast zehn Jahren ohne Alkohol. Ganz verschwunden sei die Gefahr aber nicht. "Es gibt jeden Tag einen Moment, wo es kippen könnte."
In ihrem Haus gibt es deshalb keinen Alkohol mehr - nicht einmal zum Kochen. Besonders kritisch sieht sie auch den Umgang der Branche mit Alkoholproblemen. Für sie als Frau habe der öffentliche Absturz starke Folgen gehabt. "Männer können sich zu Tode saufen - ich will jetzt keine Namen nennen -, die flechten dann werbewirksam einen Korb und dann war es das. Als Frau in der Branche war es ein No-Go."