Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an Henri B. Kagan aus Frankreich und Kenso Soai aus Japan. Die beiden Forscher werden für ihre Arbeiten zu nicht linearen Effekten und zur Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese ausgezeichnet. Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm bekannt.
Hinter der komplizierten Bezeichnung steckt eine Frage, die Chemiker seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigt: Warum kommen bestimmte Moleküle in Lebewesen nur in einer Variante vor, obwohl auch eine spiegelbildliche Form möglich wäre?
Kagan und Soai lieferten nach Angaben des Nobelkomitees eine entscheidende Erklärung dafür, wie diese sogenannte Homochiralität spontan entstehen kann. Die von den beiden Wissenschaftlern entwickelten chemischen Reaktionen bezeichnete Heiner Linke, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie, als "spektakulär".
Vereinfacht gesagt können Moleküle ähnlich wie unsere Hände aufgebaut sein: Eine linke und eine rechte Hand sind Spiegelbilder voneinander, lassen sich aber nicht exakt übereinanderlegen. Auch bei Molekülen gibt es solche spiegelbildlichen Formen.
In lebenden Organismen setzt sich jedoch häufig nur eine dieser Varianten durch. Wie eine solche Vorherrschaft überhaupt entstehen kann, gehörte lange zu den großen Rätseln der Chemie.
Der Chemie-Nobelpreis ist bereits die dritte wissenschaftliche Nobel-Auszeichnung dieser Woche. Am Montag wurden Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth für ihre Entdeckungen zur Optogenetik mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.
Am Dienstag folgte der Physik-Nobelpreis für den belgischen Astrophysiker Francis Halzen. Er wurde für die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs und seine Beiträge zum Neutrinoobservatorium IceCube geehrt.
Am Donnerstag wird der Literaturnobelpreis verkündet, am Freitag folgt der Friedensnobelpreis. Anfang kommender Woche steht schließlich noch die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften auf dem Programm.
Für die Nobelpreisträger zahlt sich die Forschung auch finanziell aus: Jede Kategorie ist heuer mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen dotiert – das entspricht rund einer Million Euro. Überreicht werden die Preise traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel.