Der Herbst hält Einzug – und mit ihm tauchen ungebetene Gäste auf. Eine jahrhundertealte Bauernregel zum 6. Oktober behauptet, dass jetzt vermehrt Fliegen in Häuser drängen. Was zunächst nach Aberglauben klingt, hat allerdings einen durchaus nachvollziehbaren naturkundlichen Hintergrund.
„Sankt Bruno, der Kartäuser, lässt die Fliegen in die Häuser“
Mit diesem Spruch ist eine typische Beobachtung rund um den Lostag am 6. Oktober gemeint: Mit sinkenden Temperaturen suchen Insekten Schutz in wärmeren Räumen.
Fliegen und viele andere Insekten sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt deshalb stark von der Umgebung ab. Wird es draußen kühler, nimmt auch ihre Aktivität ab.
Gerade im Frühherbst kann der Unterschied zwischen milden Tagen und bereits kalten Nächten erheblich sein. Fensterrahmen, Mauerritzen, Dachböden oder offene Türen werden dann zu attraktiven Rückzugsorten. Die Bauernregel beschreibt damit weniger eine Wetterprognose als ein wiederkehrendes Verhalten der Tiere. Genau darin liegt ihr bemerkenswerter Kern.
Moderne Wettermodelle ersetzen die alten Sprüche zwar längst – die aktuelle Wetterentwicklung kann das Phänomen aber durchaus begünstigen. Tagsüber sind im Frühherbst vielerorts noch milde Temperaturen möglich. In den Nächten geht es hingegen deutlich nach unten. Nebel und feuchtere Witterung können den Eindruck des beginnenden Herbstes zusätzlich verstärken.
Mit einem Wetterumschwung und zunehmender Bewölkung wird es für die Insekten draußen zunehmend ungemütlich. Der Weg ins Warme führt dann nicht selten direkt durch das offene Fenster.
Der 6. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Bruno von Köln. Der um 1030 geborene Geistliche war Theologe und gründete im Jahr 1084 den Kartäuserorden. Bruno zog sich in die Einsamkeit der französischen Alpen zurück und gründete dort die Grande Chartreuse. Später lebte er in Kalabrien, wo er 1101 starb.
Sein Name blieb damit nicht nur in der Kirchengeschichte erhalten. Auch im bäuerlichen Kalender bekam der 6. Oktober seinen festen Platz – verbunden mit einer Beobachtung, die bis heute vielen bekannt vorkommt.