"Eine Gewalt in derartigem Ausmaß ist für Graz beispiellos." Mit diesen Worten beschreibt die Staatsanwältin die dramatischen Vorfälle, die sich rund um die Weihnachtsfeiertage 2024 in der Grazer Innenstadt ereignet haben. Jugendliche und junge Erwachsene aus zwei verfeindeten Gruppen lieferten sich regelrechte Straßenschlachten.
Fünf Syrer im Alter zwischen 16 und 27 Jahren sitzen nun vor den Geschworenen. Drei von ihnen sind Brüder. Laut Anklage gehört das Quintett zu einem Clan, der mit der sogenannten "505"-Bande (benannt nach einer syrischen Region) verfeindet ist.
Im Zuge eines Racheakts an den "505ern" holten sich die in Graz lebenden Syrer laut Staatsanwaltschaft Verstärkung aus Wien und Innsbruck. An den Weihnachtsfeiertagen 2024 kam es schließlich zu schweren Auseinandersetzungen mit Dutzenden Beteiligten.
Dabei sollen Eisenstangen, Messer und Holzlatten eingesetzt worden sein. Ein Opfer erlitt einen Stich ins Gesäß, ein weiteres einen Stich in den Rücken. Für vier der Angeklagten sieht die Staatsanwaltschaft darin einen Mordversuch. "Es sind Jugendliche und junge Erwachsene, die sich zusammengetan haben, um Gewalt- und schwere Straftaten zu begehen."
Die Angeklagten zeigen sich zu den Vorwürfen maximal teilgeständig, ansonsten plädieren sie auf "nicht schuldig". Teilweise geben sie an, zum Tatzeitpunkt nicht am Tatort gewesen zu sein oder nicht an den Angriffen beteiligt gewesen zu sein.
Auch die Verteidiger üben scharfe Kritik an der Anklage: "Die Anklageschrift lasse offen, wer konkret etwas zu verantworten hat.", und: "Die Beweismittel liefern kein Tatsachensubstrat."
Der Erstangeklagte (18), der 2022 von Syrien nach Österreich kam und hier wegen Raubes vorbestraft ist, schilderte vor Gericht: "Wir wollten nur den Stress klären. Durch Reden. Ich dachte, das passt dann wieder", berichtet die "Kleine Zeitung".
Zur Motivation der Gruppe sagte er: "Die 505er wollten meinem Bruder Stress machen. Die haben uns geschlagen, mich auch. Ich hatte Angst um mein Leben. Also dachten wir, dass sie es auch lernen müssen."
Über die Unterstützung aus Wien meinte er: "Die Wiener Kollegen sind gekommen, um das gemeinsam mit uns zu klären."
Bis zu lebenslang Haft möglich
Insgesamt wurde in dem Fall zunächst gegen 44 Beschuldigte ermittelt. Den fünf Angeklagten drohen nun schwere Strafen – der Strafrahmen reicht von einem bis zu 20 Jahren Haft oder sogar lebenslang.
Wegen der Vielzahl an Zeugen sind für den Geschworenenprozess insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt.