Der Tod kommt nicht immer unerwartet und plötzlich, sondern kündigt sich durch subtile Anzeichen an. Vor allem bei bereits kranken Personen, die sich in einem Spital, Heim oder Hospiz befinden. Trotzdem ist es auch für erfahrene Fachpersonen nicht immer einfach, die Anzeichen rechtzeitig zu erkennen.
Das ist aus der Sicht dreier Forscherinnen von der britischen Lancaster University problematisch: "Es kann zu vergeblichen Behandlungen führen, die das Leiden verlängern oder verstärken und eine Änderung des Schwerpunkts der Pflege verhindern." Um das zu ändern, haben sie die derzeit eindeutigsten Anzeichen zusammengetragen.
Die Gruppe um Elizabeth Colquhoun-Flannery vom International Observatory on End of Life Care wertete für ihre im "International Journal of Nursing Studies" veröffentlichte Arbeit 24 Studien aus den Jahren 2012 bis 2022 aus. Die meisten davon waren in Spitälern und Heimen aus Großbritannien und anderen europäischen Ländern durchgeführt worden.
Laut den Wissenschaftlerinnen gibt es sowohl körperliche als auch psychologische Anzeichen und Verhaltensänderungen, die auf einen baldigen Tod hindeuten können. Die am häufigsten genannten körperlichen Kennzeichen sind demnach Veränderungen der Atmung (Atembeschwerden), Bewusstseinseinschränkung, verminderte orale Aufnahme, Hautveränderungen wie das sogenannte "Todesdreieck" und eine "allgemeine Verschlechterung", zu der auch die Mobilität gehört. Auch kalte Extremitäten wurden genannt.
Zu den häufigsten Verhaltens- und psychologischen Veränderungen zählen Müdigkeit, Rückzug, existenzielle Not, Unruhe und Erregung. Messbare Werte wie Blutdruck, Puls oder Blutsauerstoff spielen demnach eine untergeordnete Rolle. Während Pflegende vor allem auf die beobachtbaren Veränderungen setzen, berücksichtigen Ärztinnen und Ärzte auch klinische Symptome wie Diagnose, Krankheitsverlauf und Testergebnisse.
In früheren Arbeiten waren auch fahrige Bewegungen, ein spezieller Geruch, der Verlust des Geruchssinns und ein Rückgang der Ausscheidungen festgestellt worden.
Eindeutig sind die Anzeichen für den beginnenden Sterbeprozess allerdings nicht: Nicht für Ärztinnen und Ärzte oder Krankenpflegende und schon gar nicht für medizinische Laien. Schließlich seien die Symptome individuell unterschiedlich. Zudem könnten sie auch bei vorübergehenden schweren Erkrankungen auftreten. Um den Unterschied erkennen zu können, brauche es Erfahrung, Intuition und bestenfalls auch Informationen zur Person und ihrem Zustand, so Colquhoun-Flannery und ihre Kolleginnen.
Auch der Ort der Begegnung spielt der Studie zufolge eine Rolle: In Spitälern und bei der Notfallversorgung etwa liege der Fokus darauf, Leben zu retten. Entsprechend würden von medizinischen Personen in diesem Setting Atembeschwerden weniger als Vorbote des Todes gesehen, sondern als Anlass für einen Notfalleinsatz. In einem Hospiz kann das anders sein.
Colquhoun-Flannery und ihre Kolleginnen fordern nun weitere Studien, um Vorzeichen verlässlich erkennen zu können. Denn eine Falschauslegung der Symptome trage dazu bei, dass Sterbende weiterbehandelt und ihr Leiden unnötig verlängert werde, anstatt ihnen einen Abschied im Beisein von Angehörigen zu ermöglichen.