Jeder kennt wohl jemanden, der so laut niest, dass man im ganzen Haus zusammenzuckt. Ein kleiner Reiz, ein tiefer Atemzug – und schon kracht's. Das Niesen ist ein alltäglicher Schutzmechanismus, der trotzdem noch viele Überraschungen bereithält. Es gibt viele Auslöser: Neben Staub und Pollen auch helles Licht, bestimmte Speisen oder Berührungen im Gesicht. Und über das Niesen kursieren viele Mythen – aber auch echt spannende Tatsachen.
Oft hört man, dass ein Nieser auf bis zu 160 km/h beschleunigen kann – das wäre so stark wie ein Orkan. Neuere Messungen zeigen aber: Im Schnitt sind es eher 36 km/h. Besonders kräftige Nieser schaffen aber manchmal mehr. Und die kleinen Tröpfchen, die dabei entstehen, können bis zu acht Meter weit fliegen. Das ist deutlich weiter, als viele annehmen.
Ob auf Deutsch "Hatschi", auf Französisch "achoum", auf Englisch "achoo", auf Schwedisch "atjo" oder auf Japanisch "hakushon": In jeder Sprache klingt das Niesen anders. Das liegt daran, dass jeder das Geräusch so nachahmt, wie es zur eigenen Sprache passt.
Kennst du das? Du schaust in die Sonne oder ins Scheinwerferlicht und musst plötzlich niesen. Das betrifft etwa 17 bis 35 Prozent aller Menschen und heißt photischer Niesreflex oder "Achoo-Syndrom". Es ist eine genetische Besonderheit: Der Sehnerv und der Nerv, der das Niesen auslöst, liegen einfach zu nah beieinander. Sogar Promis wie Lady Gaga mussten deswegen schon auf der Bühne ihren Auftritt unterbrechen.
Nicht nur Pollen, trockene Luft oder Parfüm bringen dich zum Niesen. Auch das Zupfen deiner Augenbrauen oder sogar ein Orgasmus können einen Niesreflex auslösen. Das liegt vermutlich an verschalteten Nervenbahnen. Und selbst nach dem Sport oder wenn dein Bauch nach dem Essen zu voll ist, kann es passieren, dass du plötzlich niesen musst.
Das Niesen zu unterdrücken, ist keine gute Idee. Der Druck entlädt sich dann nach innen. Das kann dazu führen, dass kleine Blutgefäße in der Nase platzen oder sogar das Ohr Schaden nimmt. In ganz seltenen Fällen kann falsches Niesen auch zu ernsthaften Verletzungen führen. Ein 34-jähriger Patient musste zum Beispiel mit einem Riss im Rachenbereich eine Woche lang im Spital behandelt werden. Das nennt man Boerhaave-Syndrom – und das kann echt gefährlich werden.
Wenn du fest schläfst, kannst du nicht niesen. Im Tiefschlaf ist dein Körper im Sparmodus und die meisten Reflexe sind ausgeschaltet. Höchstens der Niesreiz weckt dich auf – aber niesen tust du erst, wenn du wieder halbwegs wach bist.
Fast alle machen beim Niesen automatisch die Augen zu, weil sich die Gesichtsmuskeln zusammenziehen und das Auge schützen sollen. Es ist aber tatsächlich möglich, mit offenen Augen zu niesen – auch wenn das für den Körper ziemlich ungewohnt ist. Und keine Sorge: Das Horrorszenario, dass die Augen dabei herausfallen, ist anatomisch unmöglich.
Nicht nur wir Menschen niesen. Auch Tiere haben diesen Reflex. Afrikanische Wildhunde zum Beispiel nutzen das Niesen sogar als eine Art Abstimmung. Forschende in Botswana haben gesehen, dass die Tiere gemeinsam niesen, um zu entscheiden, ob sie auf die Jagd gehen. Je mehr Hunde gleichzeitig niesen, desto wahrscheinlicher ist der gemeinsame Aufbruch.