Den Satz "Der ist halt stur" hast du sicher schon öfter von Hundebesitzern gehört. Manchmal mit einem Lachen, manchmal leicht genervt, manchmal als Entschuldigung, wenn jemand erschreckt wurde. Oft wird das Verhalten des Vierbeiners mit Sturheit, Trotz oder Charakter abgetan. Aber: Laut 20 Minuten sagt das oft mehr über die Halter als über den Hund selbst.
Eine Verhaltensbiologin hat einmal gesagt: "Stur", "dominant" und "trotzig" sind Begriffe, die Halter im Frust verwenden, nicht um den Hund richtig zu beschreiben. Denn meistens ist es einfach so: Der Hund reagiert nicht auf ein Signal. Und dafür gibt es fast immer einen Grund.
Das Kommando "Sitz" klappt daheim im Wohnzimmer vielleicht hundertmal, aber draußen im Park schaut die Sache oft ganz anders aus. Die drei D (Distance, Duration, Distraction) – Distanz, Dauer und Ablenkung – sind im modernen Hundetraining ständig Thema. Ein Signal sitzt erst dann wirklich, wenn es unter allen drei Bedingungen abrufbar bleibt.
Ist der Hund zu aufgeregt, kann er geistig oft gar nicht mehr zuhören. Wie ein Handy mit schlechtem Empfang: Du schickst die Nachricht, aber sie kommt nicht an. "Chum her!" immer wieder zu rufen, bringt dann genau gar nichts – auch nicht, wenn du lauter wirst.
Lauter werden, an der Leine zerren oder Sprüche wie "Das muss man sich nicht gefallen lassen" bringen wenig. Was wirklich hilft: Einen Schritt zurück machen beim Training. Die Signale in verschiedenen Situationen neu üben, Ablenkungen reduzieren und Belohnungen überdenken.
Wenn du das nächste Mal denkst: "Er ignoriert mich", dreh den Gedanken einmal um. Was hat sich verändert? Ist der Ort neu, die Ablenkung zu groß, das Signal noch nicht gefestigt? Hunde sind eben keine Maschinen mit Knopf. Sie können – wie wir Menschen auch – manchmal einfach kurz nicht zuhören.