Die Kospet Pulse 2 ist keine Smartwatch, die sich am Handgelenk verstecken will. Das vergleichsweise große, rechteckige Gehäuse fällt auf. Dazu kommen zwei Tasten an der rechten Seite, eine markante Lünette und ein Display, das mit 1,96 Zoll ordentlich Fläche bietet. Die Uhr wirkt dadurch zunächst größer, als man es von vielen aktuellen Smartwatches gewohnt ist. Am Handgelenk fällt sie aber weniger schwer aus, als die Optik vermuten lässt. Wer dagegen runde Gehäuse bevorzugt, bekommt mit der Kospet Orb 2 dieselbe Technik in einem anderen Gehäuse. Der Preis beider Modelle gleicht sich – es gibt sie um 79,99 Euro. Kospet verbindet bei den Modellen robuste Outdoor-Ausrichtung mit einem relativ geringen Gewicht.
Das Gehäuse misst rund 50 x 44,3 x 12,4 Millimeter, ohne Armband bringt die getestete Pulse 2 etwa 40 Gramm auf die Waage. Die Lünette besteht aus einer Zinklegierung, das Gehäuse aus Kunststoff. Geschützt wird die Vorderseite von Corning Gorilla Glass. Das Design ist Geschmackssache. Wer eine möglichst unauffällige Smartwatch für Hemd und Sakko sucht, wird mit der Pulse 2 vermutlich weniger anfangen können. Die Uhr sieht nach Sport und Freizeit aus – und als ob sie einiges an Schmutz und Stößen wegstecken kann. Für Wanderungen, Training oder einen längeren Tag unterwegs passt das ziemlich gut. Sie wirkt nicht wie eine filigrane Schmuckuhr, sondern vermittelt schon optisch, dass sie einiges aushalten soll.
Kospet setzt auf ein 1,96 Zoll großes AMOLED-Panel mit 410 x 502 Pixeln und einer Pixeldichte von 331 ppi. Die maximale Helligkeit wird mit bis zu 1.000 Nits angegeben. Für eine Uhr dieser Größe ist vor allem die zusätzliche Fläche praktisch. Nachrichten, Trainingswerte und andere Informationen müssen nicht auf kleinstem Raum zusammengedrängt werden. AMOLED bringt dabei die bekannten Vorteile mit. Schwarze Flächen bleiben tatsächlich schwarz, Farben wirken kräftig und die Darstellung ist insgesamt kontrastreich. Die Bedienung erfolgt über das Display, dazu kommen zwei physische Tasten. Die Oberfläche selbst ist funktional aufgebaut. Kospet verwendet dafür sein eigenes Apexmove-System.
Das ist kein vollwertiges Wear-OS-System und will es auch gar nicht sein. Die Uhr konzentriert sich stärker auf Training, Gesundheitsdaten, Benachrichtigungen und die klassischen Smartwatch-Funktionen. Einen großen App-Store wie bei einer Apple Watch gibt es nicht. Auch kontaktloses Bezahlen oder lokal gespeicherte Musik gehören nicht zum Funktionsumfang. Das ist gleichzeitig eine der wichtigsten Einschränkungen. Die Pulse 2 unterstützt Dual-Band-GNSS mit L1- und L5-Frequenzen. Dazu kommen sechs Satellitensysteme: GPS, Galileo, GLONASS, BeiDou, QZSS und NavIC. Damit ist die Uhr technisch deutlich umfangreicher ausgestattet als einfache Fitness-Tracker, die sich mit einer Positionsfrequenz begnügen.
Die Pulse 2 kann Bewegungen beim Laufen, Wandern oder Radfahren über das integrierte GPS erfassen. Der Vorteil von Dual-Band besteht vereinfacht gesagt darin, dass die Uhr mehrere Signale zur Positionsbestimmung nutzen kann. In Städten oder Bereichen mit schwierigem Empfang kann das eine Rolle spielen. Zusätzlich ist ein Kompass integriert. Bei den Sportarten fährt Kospet groß auf. Die Uhr bietet mehr als 170 Sportmodi. Darunter befinden sich 13 umfangreichere Trainingsmodi sowie mehr als 160 weitere Trainingsarten. Auf der Rückseite der Smartwatch arbeitet ein 4PD-Sensor. Damit werden unter anderem Herzfrequenz, Blutsauerstoff, Schlaf und Stress erfasst.
Die Daten können über die Uhr und über die Apexmove-App betrachtet werden. Kospet setzt dabei auf eine kontinuierliche Erfassung verschiedener Gesundheits- und Aktivitätsdaten wie Schlaf, Aktivität oder Herzfrequenz. Die Apexmove-App übernimmt dabei einen großen Teil der Auswertung. Sie sammelt Trainings-, Aktivitäts-, Schlaf- und Gesundheitsdaten und stellt längerfristige Entwicklungen dar. Auch Trainingspläne und verschiedene Einstellungen der Uhr lassen sich über die Anwendung verwalten. Die App ist für Android und iOS verfügbar. Das hat aber eine Konsequenz: Ohne Smartphone bleibt ein Teil des Systems außen vor. Die Pulse 2 ist keine vollständig unabhängige Computeruhr.
Ein Detail wirkt kurios: Die Pulse 2 hat eine LED-Taschenlampe integriert. Nicht nur das Display wird dabei hell geschaltet. Die Uhr besitzt eine eigene LED und bietet fünf Helligkeitsstufen. Das klingt nach einer Funktion, die man zunächst als Gimmick abtun könnte. Im Outdoor-Alltag ist sie allerdings nützlich. Wenn du abends im Zelt etwas suchen musst, im Dunkeln im Wald unterwegs bist oder bei Stromausfall etwas sehen willst, ist die kleine Lichtquelle direkt am Handgelenk praktisch. Die maximale Laufzeit der dauerhaft eingeschalteten LED wird mit bis zu sieben Stunden angegeben. Noch ungewöhnlicher ist die Walkie-Talkie-Funktion. Die Pulse 2 kann für kurze Kommunikation mit kompatiblen Kospet-Uhren verwendet werden.
Bis zu vier Personen können dabei miteinander verbunden werden. Auch hier gilt: Das ist keine Alternative zu einem Mobilfunkgerät. Die Funktion ist für kurze Kommunikation im Einsatz gedacht. Bei gemeinsamen Outdoor-Aktivitäten kann das trotzdem helfen. Wenn mehrere Personen mit passenden Geräten unterwegs sind, lassen sich kurze Absprachen direkt über die Uhr führen. Für die meisten Menschen wird diese Funktion vermutlich dennoch deutlich seltener zum Einsatz kommen als GPS, Benachrichtigungen oder die Fitnessfunktionen. Eine eigene Mobilfunkverbindung besitzt die Uhr nicht. Telefonie über Bluetooth mit dem gekoppelten Smartphone wird dagegen unterstützt.
Beim Schutz setzt Kospet auf 5 ATM und IP69. Zusätzlich wurde die Uhr von SGS anhand von zwölf Prüfungen nach dem US-Militärstandard MIL-STD-810H getestet. Genannt werden Prüfungen auf Stöße, Vibrationen und Extremtemperaturen. Für den Alltag ist die Kombination aus Wasser- und Staubschutz interessant. Regen, Schweiß und Aktivitäten im Wasser können der Smartwatch nichts anhaben. Auch beim Akku gibt es Erfreuliches. Die Pulse 2 setzt auf einen 450-mAh-Akku, der rund zwei Wochen durchhält – bei intensiver Nutzung sind es immer noch rund zehn Tage, mit dauerhaft aktiviertem Always-on-Display bis zu fünf Tage. Und: Mit kontinuierlicher GPS-Aufzeichnung kommt die Smartwatch über einen kompletten Tag.
Beim Laden kommt ein magnetisches USB-Ladekabel zum Einsatz. Ein separates Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Der vielleicht überraschendste Eindruck der Pulse 2 entsteht aus der Kombination von Größe und Gewicht. Mit rund 40 Gramm ohne Armband ist die Uhr deutlich leichter, als das massive Äußere erwarten lässt. Das Kunststoffgehäuse hilft dabei, während die Lünette für die robuste Optik sorgt. Das mitgelieferte Silikonarmband hat eine Breite von 22 Millimetern und lässt sich über Schnellverschlüsse austauschen. Damit kann die Uhr optisch verändert werden, ohne das gesamte Gerät wechseln zu müssen. Wer einen eleganteren Look bevorzugt, wird vermutlich nach einem anderen Armband greifen.
Die Pulse 2 versucht nicht, eine High-End-Smartwatch zu imitieren. Das wird spätestens bei der Software deutlich. Das eigene Apexmove-System deckt die wichtigsten Funktionen ab, bietet aber nicht die App-Auswahl eines großen Smartwatch-Ökosystems. Du bekommst also keine Auswahl an Drittanbieter-Apps und auch keine völlig eigenständige Nutzung. Kontaktloses Bezahlen gehört ebenfalls nicht zum Funktionsumfang. Lokal gespeicherte Musik ist ebenfalls nicht vorgesehen. Das ist keine Kleinigkeit, wenn du von einer Apple Watch oder einer Wear-OS-Uhr kommst, bei der sich alles personalisieren, jede mögliche App nachinstallieren und die Smartwatch komplett ohne Smartphone für so gut wie alles nutzen lässt.
Die Stärke der Pulse 2 liegt eher darin, die wichtigsten Funktionen direkt am Handgelenk bereitzustellen, ohne beim Preis durch die Decke zu schießen. GPS, Sportaufzeichnung, Gesundheitsdaten, Schlaf, Benachrichtigungen, Bluetooth-Telefonie, Taschenlampe und die Outdoor-Funktionen stehen im Vordergrund – und funktionieren gut, wenn auch nicht so umfassend und ins kleinste Detail analysiert wie bei einigen Konkurrenten. Wenn du vor allem Training, GPS und lange Akkulaufzeit möchtest, passt das Konzept. Wenn du dagegen Apps installieren, bezahlen, Musik speichern und möglichst viele Smartphone-Funktionen ohne Handy nutzen willst, stößt die Pulse 2 an ihre Grenzen.
Die Kospet Pulse 2 ist eine Smartwatch, die ihren Schwerpunkt ziemlich klar setzt. Sie will nicht möglichst elegant sein und auch nicht das Smartphone ersetzen. Stattdessen kombiniert sie ein großes AMOLED-Display mit GPS, zahlreichen Sportmodi, Gesundheitsfunktionen und einem großen Akku. Dazu kommen zwei Funktionen, die man bei vielen Smartwatches nicht findet: die integrierte LED-Taschenlampe und die Walkie-Talkie-Unterstützung. Beide sind keine Kaufgründe, sie sind aber sinnvoller, als es die Uhr vermuten lässt. Besonders auffällig ist außerdem die Mischung aus Ausstattung und Preis. Für rund 80 Euro kann man die fehlende App-Plattform und einige Einschränkungen bei der eigenständigen Nutzung akzeptieren.
Dafür bekommt man eine auf Sport und Outdoor ausgerichtete Uhr mit 1,96-Zoll-AMOLED, Dual-Band-GNSS, 450-mAh-Akku, 5 ATM, IP69 und einer Reihe ungewöhnlicher Zusatzfunktionen. Die Kospet Pulse 2 ist vor allem dann interessant, wenn du eine Smartwatch als robusten Begleiter am Handgelenk suchst. Das Display ist groß genug, um Informationen schnell abzulesen, das GPS gehört technisch zu den interessanteren Bestandteilen und die Akkukapazität schafft Abstand zum täglichen Ladezwang. Ihre Grenzen liegen bei der Software. Wer ein möglichst großes App-Angebot oder eine vollständig unabhängige Smartwatch erwartet, wird hier nicht fündig. Oder: Die Kospet Pulse 2 zeigt, was günstig wirklich kann.