Ab 1. Oktober können Kundinnen und Kunden in Österreich ihre Rechnungen einfacher digital erhalten. Statt eines ausgedruckten Belegs ist nun auch die Übermittlung per E-Mail oder App möglich. Auch das direkte Auslesen vor Ort, etwa über einen QR-Code, ist erlaubt. Wer lieber Papier in der Hand hält, kann den Beleg weiterhin ausgedruckt mitnehmen.
Die Belegerteilungspflicht bleibt trotz der Neuerungen bestehen. Unternehmen müssen ihren Kundinnen und Kunden weiterhin eine Rechnung ausstellen – unabhängig davon, wie hoch der Betrag ist. Geändert hat sich also nicht die Pflicht zur Rechnung, sondern die Art, wie diese übergeben werden kann.
In Österreich betrifft die Umstellung laut ORF zahlreiche Unternehmen. Laut Wirtschaftskammer Oberösterreich fallen alleine in Oberösterreich rund 40.000 Betriebe unter die allgemeine Registrierkassenpflicht. Besonders im Handel und in der Gastronomie sind viele Unternehmen mit mehreren Filialen oder Kassenarbeitsplätzen vertreten. Die tatsächliche Zahl der verwendeten Kassensysteme und Software-Lizenzen liegt daher deutlich höher.
Das Finanzministerium will in den ersten Wochen nach dem Start verstärkt kontrollieren, ob digitale Belege korrekt weitergegeben werden. Das Amt für Betrugsbekämpfung legt dabei einen Schwerpunkt auf Branchen, in denen besonders viel mit Bargeld bezahlt wird.
Hintergrund ist ein Anfang des Jahres aufgedeckter Registrierkassenbetrug. In dem Fall gibt es mittlerweile mehr als 100 Beschuldigte. Außerdem wurden rund 100 Terabyte an elektronischen Daten sichergestellt.
Finanzminister Markus Marterbauer bezeichnete den digitalen Beleg als "zeitgemäße Form der Rechnungsmitnahme". Dadurch soll es künftig weniger Papierrechnungen geben. Gleichzeitig betonte er eine "klare Linie" gegen Steuerbetrug. Kundinnen und Kunden seien weiterhin aufgefordert, ihre Belege mitzunehmen – egal, ob sie digital oder auf Papier ausgestellt werden.
Wie viel Papier durch die Neuerung eingespart werden könnte, lässt sich noch nicht sagen. Nach Schätzungen des Finanzministeriums werden in Österreich täglich rund 1.500 Kilometer Rechnungen ausgedruckt. Mit der jährlich gedruckten Menge könnte demnach ungefähr die Fläche der Stadt Steyr bedeckt werden.
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl sieht in den neuen Regeln eine "wichtige Erleichterung" für Unternehmen. Die digitale Übermittlung soll Abläufe vereinfachen und unnötige Zettelwirtschaft reduzieren. Die neuen Bestimmungen gelten seit 1. Oktober.