Bei Smartphones gibt es eine Entwicklung, die im Alltag ziemlich lästig ist: Die Displays werden immer größer und schärfer, spiegeln bei direkter Beleuchtung aber weiterhin oder sogar stärker als zuvor. Wer unterwegs eine Nachricht liest, einen Artikel öffnet oder ein E-Book aufschlägt, kennt das Problem. Samsung etwa hat seit dem Galaxy S25 Ultra eine Lösung für das Problem und diese beim Galaxy S26 Ultra noch dazu um einen "Privatsphäre-Schild" verstärkt, TCL geht dagegen einen etwas anderen Weg, wie uns bereits das TCL NxtPaper 60 Ultra zeigte. Nun ist das TCL P80 Ultra da und kombiniert ein großes AMOLED-Display mit einer matten Oberfläche und der hauseigenen NxtPaper-Technologie. Angesiedelt ist das Gerät in der Mittelklasse.
Für einen Preis von rund 600 Euro zählen neben Besonderheiten aber auch die Geschwindigkeit, die Kamera, die Akkulaufzeit und die langfristige Alltagstauglichkeit. "Heute" hat das neue Modell getestet. Das auffälligste Merkmal ist natürlich das 6,83 Zoll große AMOLED-Display. Es löst mit 2.772 x 1.280 Pixeln auf und erreicht eine Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz. TCL setzt auf eine matte Oberfläche, die störende Reflexionen stark reduziert. Gerade beim Lesen im Freien und bei direkter Sonneneinstrahlung spielt das Smartphone seine Stärken aus: Die Helligkeit muss nicht bis zum Anschlag hochgedreht werden, das Display spiegelt nicht wie ein echter Spiegel und die Inhalte sind gut ablesbar, auch wenn es noch so hell ist.
Das TCL P80 Ultra bleibt dennoch ein AMOLED-Smartphone. Farben, Videos und bewegte Inhalte gehören zu seinen Stärken, auch bei der Helligkeit mit einem Spitzenwert von 3.200 Nits muss sich das Gerät nicht verstecken. Mit der Bildwiederholrate von 120 Hertz und der hohen Auflösung ist das P80 Ultra gut für Videos, Fotos und Spiele geeignet, die matte Oberfläche lädt zudem Vielleser ein. Apropos Leser: Hier kommt der zweite Display-Trick des Modells zum Tragen – die NxtPaper-Technologie. Der Hersteller beschäftigt sich bereits seit Jahren mit Bildschirmen, die ein angenehmeres Seherlebnis ermöglichen sollen. Beim P80 Ultra wird dieser Ansatz mit einem AMOLED-Panel kombiniert, um das Beste zweier Welten zu bieten.
Über eine eigene NxtPaper-Taste an der rechten Gehäuseseite lässt sich die Darstellung nämlich verändern. Das Gerät bietet neben dem farbigen Standard-Modus einen Papier-Modus und einen "Max Ink"-Modus. Das kennen wir bereits vom Vorgänger: Der Papier-Modus zeigt zwar weiter Farben an, reduziert aber deren Kontrast und Sättigung – das macht sich extrem gut etwa für Comics. Auf Wunsch kann der Modus auch monochrom genutzt werden. Noch einen Schritt weiter geht der "Max Ink"-Modus. Dabei handelt es sich um einen sehr reduzierten Schwarz-Weiß-Lesemodus, der beim Anzeigen von Text an einen klassischen E-Reader erinnert und außerdem auch alle Apps und Funktionen in einer simplen Optik darstellt.
Praktisch: Statt sich jedes Mal durch zahlreiche Einstellungen zu arbeiten, kann man den Modus schnell per Taste wechseln, je nachdem ob gerade gezockt, gelesen oder etwas angesehen wird. Wer ohnehin nur ein einziges Gerät unterwegs mitnehmen möchte, profitiert von dieser Vielseitigkeit, denn das TCL P80 Ultra ist so etwas wie Smartphone und E-Reader in einem. Doch wie schneidet abseits davon der Smartphone-Anteil ab? Im Inneren arbeitet der MediaTek Dimensity 7400 Elite. Der Prozessor wird im 4-Nanometer-Verfahren gefertigt und besitzt acht Rechenkerne. Damit gehört das P80 Ultra in die Mittelklasse. Für typische Aufgaben wie Messenger, E-Mails, Navigation, Streaming und Surfen reicht das locker.
Auch mehrere geöffnete Apps sind kein Problem, extrem aufwendige Arbeiten überlässt man aber besser leistungsfähigeren Modellen und etwas gemächlicher als bei Flaggschiffen geht es beim Installieren von Updates oder Smartphone-Neustarts schon zu. TCL bietet das P80 Ultra mit 8 GB physischem Arbeitsspeicher an. Zusätzlich lässt sich virtueller RAM nutzen. Dabei wird ein Teil des internen Speichers als Erweiterung herangezogen. Diese Funktion kann bei Multitasking-Situationen helfen, ist aber nicht mit echtem Arbeitsspeicher gleichzusetzen. Die Erweiterung von bis zu 16 GB basiert rein auf Software. Beim internen, nicht erweiterbaren Speicher stehen je nach Markt und Ausführung bis zu 512 GB zur Verfügung.
Bei Spielen und besonders anspruchsvollen Anwendungen sollte man die Erwartungen an die Preisklasse anpassen. Der Dimensity 7400 Elite ist kein Spitzenprozessor für ein High-End-Gerät, meistert aber den Großteil der Mobile Games. Aufwendige Spiele müssen dagegen teils deutlich heruntergeregelt werden – immerhin kam uns im Test aber kein Titel unter, der gar nicht laufen wollte. Bei der Kamera setzt TCL auf ein System mit drei rückwärtigen Kameras. Die Hauptkamera bietet 50 Megapixel und verwendet einen 1/1,56 Zoll großen Sensor. Dazu kommen eine 50-Megapixel-Periskop-Telekamera und eine 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Für Selfies steht eine Frontkamera mit 32 Megapixeln bereit.
Die Hauptkamera besitzt eine Blende von f/1,88 und eine optische Bildstabilisierung. Letztere kann kleine Bewegungen beim Fotografieren ausgleichen und dadurch helfen, verwackelte Bilder zu vermeiden. Zusätzlich unterstützt eine elektronische Stabilisierung die Bildverarbeitung. Die zweite Kamera ist besonders interessant. Das Periskop-Teleobjektiv ermöglicht einen dreifachen optischen Zoom. TCL spricht von einem sechsfachen verlustfreien Zoom, digital wird bis 100-fach vergrößert. Die Ultraweitwinkelkamera mit acht Megapixeln ist dagegen eher als Dreingabe zu sehen und kann nicht mit den beiden anderen Sensoren mithalten. Die Frontkamera mit 32 Megapixeln dagegen schlägt sich mehr als passabel.
In der Praxis liefert die Hauptkamera bei Tageslicht detailreiche Fotos mit natürlichen Farben. Kontraste werden ordentlich dargestellt, auch feinere Strukturen bleiben in vielen Situationen gut erkennbar. Bei schwächerem Licht sind weiterhin brauchbare Aufnahmen möglich, allerdings kann sichtbares Bildrauschen auftreten und die Detailzeichnung lässt nach. Die Periskop-Telekamera ist die größte Stärke des Kamerasystems: Mit dreifachem optischem Zoom lassen sich entfernte Motive näher heranholen, ohne dass die Bildqualität so stark leidet wie bei einer rein digitalen Vergrößerung. Auch bei sechsfachem Zoom bleiben noch viele Details erhalten, wobei die Ergebnisse zunehmend von den Lichtverhältnissen abhängen.
Bei stärkeren Vergrößerungen nimmt die Schärfe deutlich ab. Die Ultraweitwinkelkamera fällt gegenüber den beiden anderen Kameras bei Details und Schärfe zurück. Besonders bei schwierigen Lichtverhältnissen wirken die Bilder weniger klar. Für Landschaften, Gebäude oder Gruppenfotos ist sie dennoch eine praktische Ergänzung. Die 32-Megapixel-Frontkamera bietet ausreichend Auflösung für Selfies und Videoanrufe, wobei auch hier die Beleuchtung entscheidend für das Ergebnis ist. Insgesamt ist das Kamerasystem für alltägliche Fotos gut aufgestellt. Vor allem die Telekamera erweitert die Einsatzmöglichkeiten, bei Nachtaufnahmen und besonders anspruchsvollen Motiven stößt das TCL P80 Ultra aber an seine Grenzen.
TCL verbaut eine Batterie mit einer typischen Kapazität von 5.800 mAh. Das ist eine solide Grundlage für ein Smartphone, das ein großes Display besitzt und sowohl zum Lesen als auch für Videos, Fotos und andere Anwendungen verwendet werden soll. Tatsächlich wirkt sich der große Akku positiv aus: In der Alltagsnutzung liegt die Laufzeit bei zwei Tagen, wer öfters oder ständig einen der besonderen Lesemodi nutzt, kommt sogar auf rund eine Woche. Zum Aufladen unterstützt das P80 Ultra eine Ladeleistung von bis zu 45 Watt, kabelloses Laden wird nicht unterstützt. Geladen wird also eher gemächlich. Praktisch ist der Schutz nach IP68, nach der das Smartphone so gut wie wasser- und staubdicht ist.
Mit WLAN 6, Bluetooth 5.4 und NFC deckt das P80 Ultra wichtige Standard-Funktionen für die drahtlose Verbindung eines Smartphones ab. NFC wird etwa für kompatible kontaktlose Zahlungen und das Koppeln von Geräten verwendet. Dazu kommen 5G-Mobilfunk und die Unterstützung einer physischen und einer eSIM. Auch die Stereo-Lautsprecher können sich hören lassen, TCL nennt zudem DTS Cinematic Surround Sound. Das P80 Ultra wird ab Werk mit Android 16 angeboten. TCL nennt außerdem vier Betriebssystem-Updates und sieben Jahre Sicherheitsupdates. Mit Google Gemini und Circle to Search sind außerdem KI-Funktionen beziehungsweise KI-Suchwerkzeuge vorgesehen.
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 599 Euro bewegt sich das TCL P80 Ultra in einem Bereich, in dem Käufer bereits einiges erwarten dürfen. Ein großer AMOLED-Bildschirm, 120 Hertz, die matte NxtPaper-Oberfläche, eine gute Haupt- und Telekamera mit optischem Zoom und 5.800 mAh Akkukapazität ergeben ein umfangreiches Paket. Dazu kommen 5G, NFC, eSIM-Unterstützung und der zertifizierte Schutz gegen Staub und Wasser. Wenn du hauptsächlich ein schnelles Smartphone für anspruchsvolle Spiele suchst, sind das spezielle Display und der Mittelklasse-Chip möglicherweise nicht geeignet. Wer dagegen häufig auf dem Handy liest und zugleich ein gutes Smartphone haben will, findet eine attraktive Kombination.
Das TCL P80 Ultra versucht nicht, Smartphone-Flaggschiffe mit starker Leistung zu einem niedrigeren anzugreifen oder eine noch längere Liste an Funktionen zu bieten. Es setzt auf einen anderen Schwerpunkt, und erfüllt diesen hervorragend: ein mattes AMOLED-Display, das sich durch die NxtPaper-Modi auch stärker auf das Lesen ausrichten lässt. Genau diese Kombination macht das Gerät interessant. Die technische Ausstattung ist indes ziemlich alltagstauglich aufgestellt. Das Display ist scharf und schnell, die Haupt- und Telekamera sind auch nachts brauchbar, der Akku bietet lange Laufzeiten und der Prozessor erledigt ebenso so gut wie alles im Alltag. Dazu kommen IP68-Schutz und Softwarepflege über mehrere Jahre.
Die Grenzen liegen vor allem dort, wo die Erwartungen an ein Smartphone für rund 600 Euro besonders hoch sind. Der Prozessor ist kein Spitzenmodell, die Ultraweitwinkelkamera hat eine geringere Auflösung als die beiden anderen rückwärtigen Kameras und die Ladung geht eher gemächlich über die Bühne. Dennoch gibt es für das P80 Ultra eine klare Empfehlung an alle, die ihr Smartphone nicht nur zum Kommunizieren und Fotografieren nutzen, sondern auch viel darauf lesen. Die matte Displayoberfläche und die umschaltbaren Lesemodi geben dem Gerät ein sinnvolles Alleinstellungsmerkmal und die Lesemodi machen bei E-Books, Comics und längeren Texten einfach sehr viel Spaß.