Smartphone-Test

TCL NxtPaper 60 Ultra ist Handy und E-Reader in einem

Große Displays gibt es viele. Jenes des TCL NxtPaper 60 Ultra hier fühlt sich allerdings völlig anders an als fast jedes andere Smartphone am Markt.
Rene Findenig
16.05.2026, 12:17
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Das Smartphone-Geschäft dreht sich seit Jahren im Kreis. Hersteller sprechen über mehr KI, mehr Leistung, hellere Displays und bessere Kameras. Für Nutzer fühlt sich vieles inzwischen austauschbar an und sie können die Masse an Funktionen und Spitzenwerten kaum ausnutzen. Genau in diese Kerbe schlägt TCL mit dem NxtPaper 60 Ultra um rund 500 Euro. TCL stellt eine andere Frage: Was wäre, wenn ein Smartphone die Augen weniger belastet und sich beim Lesen eher wie Papier anfühlt? Beim Auspacken sieht man auch, wieso das Gerät anders ist. Gar nicht, weil es noch riesiger als die Ultra-Flaggschiffe am Markt ausfällt, sondern weil es mit einem matten IPS-LCD-Display statt einem spiegelnden OLED-Bildschirm ausgestattet ist.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die Oberfläche wirkt matt und erinnert tatsächlich eher an bedrucktes Papier als an ein klassisches Smartphone-Panel. Genau das ist der Kern der sogenannten NxtPaper-Technologie, die TCL seit mehreren Jahren entwickelt und inzwischen in der vierten Generation verbaut. Beim NxtPaper 60 Ultra wird daraus erstmals ein großes Smartphone mit 7,2-Zoll-Bildschirm, Stift-Unterstützung und E-Reader-Ideen. Mit 174,5 Millimetern Höhe, 81,2 Millimetern Breite und 227 Gramm Gewicht gehört das Smartphone zu den echten Brocken am Markt. Mit dem Einstecken in der Hosentasche klappt das gerade noch. Das Smartphone soll Platz für das Display schaffen und sich wie eine Mischung aus Handy und E-Reader anfühlen.

Android-Handy mit einem ganz speziellen Kniff

Das NxtPaper 60 Ultra richtet sich gar nicht so sehr an Menschen, die ein Mittelklasse-Handy suchen, sondern an jene, die lange lesen, viel schreiben, Dokumente anschauen, Comics durchblättern oder einfach nur empfindlich auf klassische OLED-Displays reagieren. Vor allem die matte Oberfläche und die dadurch fehlenden Spiegelungen bei Lichteinstrahlung sorgen dafür, dass sich das Display anders anfühlt als Konkurrenten. Während normale Smartphones draußen oft wie kleine Spiegel wirken, bleibt der Inhalt hier deutlich ruhiger sichtbar. Besonders bei Kunstlicht oder in Innenräumen entsteht ein Eindruck, den man von Smartphones kaum kennt. Das Bild wirkt weniger aggressiv, weniger grell, weniger anstrengend.

TCL spricht von einer reflexionsfreien Darstellung und Anti-Glare-Technologie. Dazu kommt laut Hersteller eine spezielle Nano-Matrix-Lithografie. Hinter dem komplizierten Namen steckt letztlich das Ziel, Lichtstreuung anders zu kontrollieren als bei klassischen Panels. Gleichzeitig ist das kein E-Ink-Display wie bei einem Kindle. Das ist wichtig, denn genau hier entstehen oft Missverständnisse. Das NxtPaper 60 Ultra bleibt ein vollwertiges Farbdisplay mit 120 Hertz Bildwiederholrate und einer Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixeln. Videos laufen normal. Apps sehen normal aus. Webseiten scrollen flüssig. Farben sind vorhanden. Das Smartphone funktioniert also wie ein gewöhnliches Android-Handy, hat aber einen speziellen Kniff.

Der Schieberegler wandelt das Farbdisplay in einen von drei wählbaren Darstellungs-Modi: Farbpapier-Modus, Tintenpapier-Modus, Max Ink-Modus.
Rene Findenig

Ein Modus für absolut jede Lesegewohnheit

Das Besondere wird sichtbar, wenn man einen Regler an der rechten Gehäuseseite verschiebt. Dieser wandelt das Farbdisplay in einen von drei wählbaren Darstellungs-Modi: Farbpapier-Modus, Tintenpapier-Modus, Max Ink-Modus. Der Farbpapier-Modus zeigt zwar weiter Farben an, reduziert aber deren Kontrast und Sättigung – das macht sich extrem gut etwa für Comics. Eine Stufe weiter geht der Tintenpapier-Modus – alle Apps bleiben normal nutzbar, die Darstellung wird aber monochrom und der Hintergrund Papier nachempfunden. Perfekt für alle, die nachts oder länger lesen und dennoch alles am Smartphone nutzen wollen. Die Max Ink-Stufe wiederum ist ein sehr reduzierter Lesemodus, der an einen klassischen E-Reader erinnert.

TCL verspricht bis zu sieben Tage Laufzeit in diesem Modus sowie bis zu 26 Tage Standby-Zeit. Das Gerät reduziert Ablenkungen und konzentriert sich stärker auf Lesen und einfache Funktionen. Gerade beim Lesen längerer Texte spielt das Gerät seine ungewöhnliche Stärke aus. Nachrichtenartikel, PDFs oder E-Books wirken tatsächlich ruhiger für die Augen. Das liegt nicht nur an der matten Oberfläche, sondern auch an der Farbabstimmung. TCL reduziert aggressive Kontraste und setzt stärker auf natürlich wirkende Töne. Das kann zunächst sogar irritieren, wenn man von knalligen OLED-Panels kommt. Viele Smartphones versuchen, Inhalte möglichst spektakulär darzustellen. TCL geht den umgekehrten Weg.

Der Max Ink-Modus ist ein sehr reduzierter Lesemodus, der an einen klassischen E-Reader erinnert.
Rene Findenig

Auch im Freien macht das Lesen richtig Spaß

Das sorgt allerdings auch dafür, dass das Display nicht jeden sofort begeistert. Wer kräftige Farben liebt, HDR-Inhalte schaut oder maximale Brillanz erwartet, wird hier nicht das beste Panel seiner Klasse finden. Während man für Filme und Serien besser nach anderen Geräten sucht, ist das TCL NxtPaper 60 Ultra beim Lesen umso stärker. Dabei hilft auch die geringe Bildschirmhelligkeit bei Dunkelheit. TCL gibt an, dass sich das Display automatisch bis auf zwei Nits herunterregeln kann. Gerade nachts ist das angenehm. Hinzu kommen weitere Funktionen, die TCL unter dem Begriff "Eye Care" zusammenfasst. Das Smartphone passt Farbtemperatur und Helligkeit automatisch an die Umgebung an und richtet sich nach Schlaf-Wach-Rhythmus.

Natürlich darf man solche Aussagen nicht mit medizinischen Versprechen verwechseln. Das Gerät heilt keine Augenprobleme und ersetzt keine Pausen. Dennoch ist der Unterschied zu klassischen Smartphones sichtbar. Gerade Menschen, die empfindlich auf PWM-Flackern oder aggressive OLED-Helligkeit reagieren, könnten sich hier deutlich wohler fühlen. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung zeigt sich, dass matte Displays nicht automatisch perfekt sind. Spiegelungen werden zwar stark reduziert, doch extreme Helligkeitsreserven wie bei teuren OLED-Flaggschiffen erreicht TCL nicht. Dadurch bleibt das Bild draußen besser lesbar als bei manchen Konkurrenten, aber nicht unter allen Bedingungen überlegen.

Tolle Stift-Unterstützung und Mittelklasse-Ausstattung

Zum Erlebnis passt die Unterstützung für den T-Pen-Stift. TCL verspricht eine Eingabelatenz von bis zu 5 Millisekunden sowie 4.096 Druckstufen. Das Schreiben auf dem matten Display fühlt sich dadurch tatsächlich näher an Papier an als auf klassischen Glasoberflächen. Natürlich ersetzt das kein professionelles Grafiktablet, doch für Notizen, Skizzen oder schnelle Ideen funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Gerade die Kombination aus großem Display, matter Oberfläche und Stift samt Hülle macht das Gerät fast zu einer kleinen digitalen Schreibmappe. Das klingt zunächst nach Nische, ergibt aber im Alltag durchaus Sinn. Wer unterwegs viel markieren, lesen oder notieren will, bekommt hier ein ungewöhnliches Gesamtpaket.

Im Inneren des Smartphones arbeitet der MediaTek Dimensity 7400. Das ist kein High-End-Chip, sondern ein Mittelklasse-Prozessor mit Fokus auf Alltag statt Spitzenleistung. Genau das merkt man auch im täglichen Einsatz. Apps öffnen ausreichend schnell, Webseiten laden flott und normale Aufgaben erledigt das Smartphone ohne große Probleme. Gleichzeitig zeigen sich aber Grenzen, besonders bei aufwendigeren Spielen oder mehreren gleichzeitig laufenden Anwendungen. TCL kombiniert den Chip mit 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 512 GB internem Speicher. Leider: Eine Speichererweiterung über microSD-Karten gibt es, anders als bei einigen weiteren TCL-Smartphone-Modellen, beim NxtPaper 60 Ultra nicht.

Offene Software-Fragen, etwas KI, ordentliche Kamera

Die Software basiert auf Android 15. TCL ergänzt das System um eigene Funktionen. Dazu gehört der Smart Eye Comfort Mode, der je nach Umgebung automatisch Farben und Helligkeit anpasst. Außerdem gibt es verschiedene Lesemodi und Möglichkeiten, die Darstellung zu verändern. Positiv fällt auf, dass TCL die Spezialfunktionen klar zugänglich macht. Viele Hersteller verstecken ähnliche Features tief in den Einstellungen. Hier sind sie sichtbar Teil des gesamten Konzepts. Trotzdem bleibt die Software nicht frei von Kritik durch vorinstallierte Zusatz-Apps oder der nicht ganz klaren Update-Garantie. Ausgegangen wird von Software-Updates bis Android 18 und wahrscheinlich etwa drei bis vier Jahren Sicherheitsupdates.

TCL integriert auch verschiedene KI-Funktionen direkt ins Gerät. Dazu gehören etwa Textzusammenfassungen, Übersetzungen und Unterstützung beim Schreiben. Viele Funktionen kennt man inzwischen bereits von anderen Android-Geräten oder direkt von Google-Diensten. Die Kameraausstattung zeigt ebenfalls gut, wo TCL Prioritäten setzt. Auf der Rückseite sitzen eine 50-Megapixel-Hauptkamera, eine 50-Megapixel-Periskopkamera mit 3 x optischem Zoom (100 x digital) und eine 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Vorne arbeitet eine 32-Megapixel-Selfiekamera. Die Ausstattung ist recht ordentlich für ein Mittelklasse-Smartphone in diesem Preisbereich, hat aber seine Eigenheiten und manchmal zu viel Unterstützung durch die KI.

Auf der Rückseite sitzen eine 50-MP-Hauptkamera, eine 50-MP-Periskop-Telekamera und eine 8-MP-Ultraweitwinkelkamera.
Rene Findenig

Gute Kamera, wenn man ihre Grenzen beachtet

Die Hauptkamera liefert bei gutem Licht ordentliche Ergebnisse. Fotos wirken scharf genug, Farben meist natürlich und Dynamik akzeptabel. Gleichzeitig zeigt sich schnell, dass das NxtPaper 60 Ultra kein Kamera-Spezialist sein will. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen sinkt die Bildqualität sichtbar. Nachtaufnahmen verlieren Details, helle Lichtquellen brennen teilweise aus und feine Strukturen verschwimmen schneller als bei teureren Geräten. Speziell die Ultraweitwinkelkamera fällt gegenüber der Hauptkamera deutlich ab. Die geringere Auflösung macht sich sichtbar bemerkbar. Bilder wirken weicher und verlieren schneller Details. Das ist in dieser Preisklasse zwar nicht ungewöhnlich, bleibt aber ein Kompromiss.

Beim Zoom gibt die Kamera zwar 100-fach her, wer aber brauchbare und dafür umso schönere Bilder will, sollte im optischen Bereich bleiben. Darüber greift die KI oft zu aggressiv ein – so stark, dass sich teils sogar die gesamte Bildkomposition ändert und die Aufnahme nur noch künstlich wirkt. Videos nimmt das Smartphone mit bis zu 4K auf. Für Alltagsszenen reicht das aus, allerdings fehlt die starke Bildstabilisierung teurer Oberklasse-Geräte. Bewegungen wirken schneller unruhig. Die Frontkamera mit 32 Megapixel (MP) liefert gute Selfies und ausreichend gute Videoqualität für Videotelefonie. Gerade wegen des großen Displays eignet sich das Gerät tatsächlich gut für Videochats. Gesprächspartner erscheinen groß und klar sichtbar.

Der große Formfaktor bleibt Geschmackssache

Spannend wird es beim Akku. TCL verbaut einen 5.200-mAh-Akku. Das klingt zunächst nach Standardkost. Die Kombination aus IPS-Panel, spezieller Darstellung und Lesemodi verändert aber die Laufzeit extrem. Im normalen Alltag hält das Smartphone problemlos einen langen Tag durch. Bei reduzierter Nutzung oder aktiviertem Max-Ink-Modus sind deutlich längere Laufzeiten bis hin zu einer Woche oder sogar darüber hinaus möglich. Geladen wird mit bis zu 33 Watt am USB-C-Kabel, kabelloses Laden fehlt allerdings komplett. Auch bei der Verarbeitung zeigt sich dieses Bild. Das Smartphone wirkt ordentlich, aber mit Glas und Kunststoff nicht luxuriös. Fingerabdrücke sind deutlich weniger sichtbar als auf glänzenden Smartphones.

Der große Formfaktor bleibt Geschmackssache. Einhändige Bedienung funktioniert praktisch nicht sinnvoll. Selbst Menschen mit großen Händen müssen umgreifen. Andererseits entsteht durch die Größe ein anderes Nutzungsgefühl. Das Gerät lädt weniger dazu ein, ständig hektisch durch Apps zu scrollen, aber Lesen, Notizen oder längere Texte fühlen sich angenehmer an als auf kleineren Geräten. Technisch ist übrigens alles vertreten, was man benötigt: IP68-Schutz gegen Staub und Wasser, Bluetooth 5.4, NFC, Unterstützung für zwei physische SIM-Karten oder eine Karte plus eine eSIM, 5G, Gesichtsentsperrung und Fingerabdrucksensor im Display. Die Stereo-Lautsprecher liefern ausreichende Lautstärke und verständliche Stimmen.

TCL NxtPaper 60 Ultra ist Handy und E-Reader in einem

TCL positioniert das Gerät nicht als billiges Einsteiger-Smartphone, sondern als Speziallösung mit eigenem Fokus. Dadurch entsteht automatisch die Frage, ob das besondere Display die technischen Kompromisse rechtfertigt. Die Antwort hängt extrem stark vom Nutzungsverhalten ab. Wer täglich stundenlang liest, PDFs bearbeitet oder empfindlich auf klassische Displays reagiert, bekommt hier tatsächlich einen spürbaren Mehrwert. Für diese Zielgruppe ergibt das Smartphone überraschend viel Sinn. Bemerkenswert ist außerdem, wie konsequent TCL die Papier-Idee umsetzt. Viele Hersteller bringen einzelne "Eye Comfort"-Funktionen oder Modi, behandeln sie aber eher als Nebenfunktion. Beim NxtPaper 60 Ultra wird daraus das Herzstück.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke des TCL NxtPaper 60 Ultra. In einer Zeit austauschbarer Technik wagt dieses Smartphone wenigstens eine echte Idee. Nicht jede Entscheidung überzeugt. Kamera, Leistung und Größe bleiben mal mehr, mal weniger klare Schwachpunkte. Doch das Display-Konzept funktioniert tatsächlich erstaunlich gut, egal ob es ums Lesen oder ums Schreiben geht. Das NxtPaper 60 Ultra muss man erleben. Erst nach mehreren Stunden Lesen, Schreiben und Nutzen versteht man, warum TCL diesen ungewöhnlichen Weg gegangen ist. Wer ein Smartphone sucht, das auch eine Art E-Reader sein kann und dabei auch noch die Augen schont, der ist beim TCL NxtPaper 60 Ultra richtig.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 16.05.2026, 14:30, 16.05.2026, 12:17
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