Ein kurzer Blick ins Geldbörserl könnte sich lohnen: Manche Euro-Münzen erzielen bei Sammlern deutlich höhere Preise als ihren aufgedruckten Wert. Aktuell sorgt eine irische 2-Euro-Sammlermünze mit den vier Mitgliedern der Rockband U2 für Aufsehen. Erste Exemplare wurden im Internet für mehrere Hundert Euro gehandelt. Doch auch ältere Gedenkmünzen, seltene 1-Cent-Stücke und echte Fehlprägungen können begehrt sein.
Die wichtigste Regel lautet allerdings: Nicht jede ungewöhnliche Münze ist automatisch wertvoll. Entscheidend sind unter anderem die Auflage, der Erhaltungszustand und die tatsächliche Nachfrage. Außerdem muss zwischen einem Angebotspreis und einem nachgewiesenen Verkauf unterschieden werden.
Die jüngste Aufmerksamkeit gilt einer irischen 2-Euro-Münze zum 50-jährigen Bestehen von U2. Das Motiv zeigt Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen Jr. Die reguläre Sammlerausgabe erschien in einer bedruckten Coincard, einer speziellen Sammelkarte mit eingelegter Münze. Eine weitere Variante wurde in der hochwertigen Prägequalität "Polierte Platte" hergestellt.
Von der Coincard-Ausgabe wurden 150.000 Stück zu je 14,95 Euro angeboten. Die aufwendigere Proof-Version war mit einer Auflage von nur 5.000 Exemplaren deutlich seltener und kostete ursprünglich 39,95 Euro. Nach dem Verkaufsstart am 25. September waren erste Angebote und Verkäufe von mehreren Hundert Euro zu beobachten. Einzelne Exemplare wurden laut Berichten für bis zu 400 beziehungsweise 500 Euro gehandelt.
Die hohen Preise sind aber keine Garantie für die Zukunft. Ob die Münze ihren Wert behält, hängt davon ab, wie sich die Nachfrage entwickelt. Außerdem wurde die bekannte Auflage ausschließlich als Sammlerausgabe verkauft und nicht regulär über Münzrollen in den Umlauf gebracht. Wer im Supermarkt eine gewöhnliche irische 2-Euro-Münze als Wechselgeld erhält, hat daher nicht automatisch die begehrte U2-Ausgabe.
Wer nach besonders wertvollen 2-Euro-Münzen sucht, stößt schnell auf eine Ausgabe aus Monaco. Die 2007 erschienene Gedenkmünze erinnert an den 25. Todestag von Fürstin Grace Kelly. Mit einer Auflage von rund 20.000 Stück zählt sie zu den bekanntesten Raritäten unter den europäischen 2-Euro-Münzen.
Für gut erhaltene Exemplare werden Sammlerwerte von rund 3.000 Euro genannt. Auch andere Gedenkmünzen aus Monaco können deutlich über ihrem Nennwert gehandelt werden. Dazu gehören die Ausgaben zum 800. Jahrestag des ersten Schlossbaus auf dem Felsen von Monaco aus dem Jahr 2015 sowie zum 150-jährigen Bestehen von Monte Carlo aus dem Jahr 2016. Ihre geringen Auflagen machen sie für Sammler interessant.
Wichtig ist auch hier der Zustand. Eine Münze in originaler Sammlerverpackung oder in nahezu unberührter Qualität kann deutlich mehr einbringen als ein stark abgenutztes Exemplar. Die genannten Werte sind Richtgrößen und keine garantierten Verkaufspreise.
Nicht nur bei den 2-Euro-Stücken gibt es seltene Exemplare. Auch manche 1-Euro-Münzen aus europäischen Kleinstaaten können einen höheren Sammlerwert besitzen. Ein Beispiel ist die Ausgabe aus Monaco von 2007 mit dem Porträt von Fürst Albert II. Für gut erhaltene Exemplare werden je nach Quelle mehrere Hundert Euro genannt.
Auch 1-Euro-Münzen aus dem Vatikan können interessant sein. Die frühen Ausgaben mit Papst Johannes Paul II. wurden in vergleichsweise kleinen Mengen ausgegeben und waren vor allem für Sammler gedacht. Bei bestimmten Exemplaren werden Werte von mehr als 80 bis 100 Euro genannt.
Allerdings gilt auch hier: Das Land und das Prägejahr allein machen noch keine wertvolle Rarität aus. Es kommt auf die konkrete Ausgabe, ihre Auflage und den Zustand an. Eine gewöhnliche Münze aus einem kleinen Ausgabeland muss deshalb nicht automatisch ein kleines Vermögen wert sein.
Besonders spektakulär sind echte Fehlprägungen. Ein bekanntes Beispiel ist eine italienische 1-Cent-Münze aus dem Jahr 2002, auf der statt des vorgesehenen Castel del Monte die Mole Antonelliana in Turin zu sehen ist. Das Bauwerk gehört eigentlich auf die italienische 2-Cent-Münze. Nach Bekanntwerden des Fehlers wurde die Produktion gestoppt.
Wie viele dieser Münzen tatsächlich existieren, ist umstritten. Für echte Exemplare werden jedoch Sammlerwerte von mehreren Tausend Euro genannt. Gerade bei solchen Raritäten ist Vorsicht wichtig, denn die Echtheit muss überprüft werden.
Auch finnische 1-Cent-Münzen aus den ersten Jahren nach der Euro-Einführung können für Sammler interessant sein. Finnland rundet Barzahlungen seit der Einführung der entsprechenden Regelung auf fünf Cent und ließ ab 2005 keine neuen 1- und 2-Cent-Münzen mehr für den regulären Umlauf prägen. Besonders gut erhaltene ältere Exemplare können daher mehr als ihren Nennwert bringen. Bei gewöhnlichen Stücken handelt es sich aber meist nur um geringe Aufschläge.
Neben seltenen Jahrgängen interessieren sich Sammler für Münzen mit echten Produktionsfehlern. Dazu gehören beispielsweise eine deutlich verdrehte Stempelausrichtung, ein falsch geformter Münzrohling oder eine Prägung auf einem Rohling, der eigentlich für eine andere Münzsorte vorgesehen war.
Bei 1-Cent-Münzen werden etwa deutsche Exemplare mit auffälligen Stempeldrehungen oder ungewöhnlichen Materialeigenschaften angeboten. Für einzelne Stücke verlangen Händler mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Euro. Bei besonders ungewöhnlichen Fehlprägungen können die aufgerufenen Summen noch höher liegen. Ein Inserat beweist allerdings nicht, dass ein Käufer diesen Preis tatsächlich bezahlt hat.
Auch die 10-Cent-Münzen sind einen genaueren Blick wert. Seltene Varianten und echte Prägefehler können deutlich über ihrem Nennwert gehandelt werden. Wie viel eine konkrete Münze wert ist, hängt aber von der Art des Fehlers, der Seltenheit und dem Zustand ab.
Wer eine mögliche Rarität entdeckt, sollte zunächst das Ausgabeland, das Prägejahr und das Motiv kontrollieren. Bei einer vermuteten Fehlprägung ist wichtig, ob die Abweichung tatsächlich bei der Herstellung entstanden ist. Kratzer, Verformungen durch spätere Beschädigungen oder gewöhnliche Gebrauchsspuren sind nicht automatisch wertsteigernd.
Vergleiche am besten mehrere seriöse Münzkataloge und abgeschlossene Verkäufe. Besonders bei vermeintlich sehr wertvollen Stücken kann eine Begutachtung durch einen Münzhändler oder ein Auktionshaus sinnvoll sein. Die Europäische Zentralbank weist darauf hin, dass Euro-Münzen im gesamten Euroraum als Zahlungsmittel verwendet werden können; bei Sammlerstücken kann der Marktwert allerdings weit über dem Nennwert liegen.
Die Chance, eine seltene Münze zufällig im Wechselgeld zu finden, bleibt gering. Wer aber eine auffällige Ausgabe entdeckt, sollte sie nicht vorschnell ausgeben. Erst die genaue Identifikation zeigt, ob aus zwei Euro tatsächlich ein Sammlerstück werden könnte.