Nächster Energie-Schock

E-Control-Boss macht keine Hoffnung auf sinkende Preise

Der nächste Preisschock ist da: Österreichs Haushalte müssen sich ab Jänner 2026 auf deutlich höhere Energiekosten einstellen. Ein Experte ordnet ein.
Newsdesk Heute
21.10.2025, 22:27
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Laut der Regulierungsbehörde E-Control steigen die Netzentgelte für Strom und Gas mit Anfang 2026 empfindlich an. Während manche Regionen von leichten Senkungen profitieren, drohen anderen satte Aufschläge. Die Opposition spricht bereits von einem wahren Energie-Hammer und warnt vor Mehrkosten von bis zu 1.000 Euro pro Jahr. Mit Jahresbeginn treten die neuen Netzentgelte in Kraft, die alle Strom- und Gaskundinnen und -kunden betreffen. Die E-Control hebt die Strom-Netzentgelte im Schnitt um 4,3 Prozent an.

„Auf der Kostenseite tut sich noch relativ wenig“
E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitschortet auch in absehbarer Zeit keine niedrigen Energiepreise

Auf den ersten Blick klingt das moderat, doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind enorm. Während Kundinnen und Kunden in Salzburg künftig rund 36 Euro pro Jahr sparen, trifft es das Burgenland mit einem Aufschlag von bis zu 58 Euro besonders hart. In Niederösterreich steigen die jährlichen Kosten im Schnitt um 29 Euro, in Wien und der Steiermark je nach Verbrauchsprofil leicht bis moderat. Noch deutlicher zeigt sich der Anstieg beim Gas: Hier rechnet die E-Control mit einem Plus von rund 18 Prozent.

Saftige Nachzahlungen

Das bedeutet bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch Mehrkosten von etwa 77 Euro. Besonders betroffen sind Haushalte mit höherem Gasbedarf, etwa in älteren Gebäuden oder bei größeren Familien. Einer der Hauptgründe für die aktuelle Preiswelle ist das Auslaufen der Strompreisbremse Anfang 2025. Diese staatliche Entlastung hatte in den vergangenen Monaten viele Haushalte vor noch höheren Kosten geschützt. Nun fallen die Subventionen weg – und die tatsächlichen Marktpreise schlagen direkt auf die Endverbraucher durch.

Viele Konsumentinnen und Konsumenten berichten bereits jetzt von saftigen Nachzahlungen. Ein Beispiel aus Niederösterreich zeigt: Eine Familie musste trotz gleichbleibendem Verbrauch über 400 Euro nachzahlen. Energieanbieter begründen das mit gestiegenen Netzkosten, höheren Beschaffungspreisen und regulatorischen Änderungen. Für viele Haushalte wird der Winter damit zur finanziellen Belastungsprobe. Die Gründe für den neuen Preisschub sind vielfältig – vom Umbau des Energiesystems bis zur rückläufigen Zahl von Gas-Kunden.

"Sonnen-Rabatt" geplant

Immerhin: Ab 2026 soll ein sogenannter "Sommer-Sonnen-Rabatt" eingeführt werden. Zwischen April und September werden die Netzentgelte in den Stunden von 10 bis 16 Uhr um bis zu 16 Prozent reduziert. Grund ist die starke Einspeisung von Solarstrom, die in diesen Stunden die Netze entlastet. Ob diese Maßnahme tatsächlich eine spürbare Entlastung bringt, bleibt fraglich. Fachleute sehen darin eher ein symbolisches Signal. Die hohen Fixkosten für Netzbetrieb und Infrastruktur bleiben bestehen.

Am späten Dienstagabend nahm E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf zu den steigenden Netzkosten Stellung. Finde er die Preisanstiege fair? Sie seien "eine Konsequenz der sinkenden Gasmengen", so Urbantschitsch, in der Energiekrise seien die Gaspreise "extrem hoch" gewesen und die "Leute haben gespart" – dazu käme, dass die beiden jüngsten Winter mild ausgefallen seien und entsprechend weniger Gas verbraucht wurde. "Im Endeffekt haben wir auf der anderen Seite die Kosten für den Betrieb."

"Auf der Kostenseite tut sich noch relativ wenig"

Das führe dazu, "dass wir die Kosten haben, aber die Mengen nicht mehr in diesem Ausmaß" – deswegen würden die Tarife steigen. "Jetzt ist es notwendig, dass man noch stärker auf die Kostenstruktur achtet", so Urbantschitsch, und dass Gasnetzbetreiber ihre Stilllegungspläne erarbeiten würden. Das sei aber schwierig, weil dadurch "in unterschiedlichen Örtlichkeiten" die Gasmengen wegfallen würden. Man müsse die Gasnetze in geeigneter Weise redimensionieren, so der E-Control-Vorstand. Die Betreibungs-Kosten-Rechnung werde uns Jahre beschäftigen.

"Auf der Kostenseite tut sich noch relativ wenig", gestand Urbantschitsch, "das Problem sind tatsächlich die mengenseitigen Rückgänge". Urbantschitsch erklärte, es gebe Vorgaben an die Netzbetreiber, er rückte aber auch zu deren "Ehrenrettung" aus: "Das kann man nicht so einfach machen von heute auf morgen." Idealerweise gebe es einen einzigen, einheitlichen Netztarif in ganz Österreich, so Urbantschitsch, dass es das nicht gibt, sei eine politische Entscheidung der Vergangenheit gewesen.

E-Control-Chef mache sich "durchaus Sorgen"

Und beim Strom mit 130 Netzbetreibern in einem solch kleinen Land? Es gebe sicherlich "Effizienzpotenzial", so Urbantschitsch. Ein erster Schritt wäre da eine gemeinsame, einheitliche Planung für die Stromnetze in ganz Österreich, eine gemeinsame Beschaffung und die Digitalisierung hieß es. Bei Letzterer mache sich Urbantschitsch "durchaus Sorgen", dass alle Netzbetreiber diese umzusetzen. Und müsse man den Strom nicht verschenken, wenn man im Sommer durch Tausende PV-Anlagen zu viel Strom habe, statt ihn nur 20 % zu verbilligen?

Das Netz werde trotzdem in Anspruch genommen, verteidigte sich Urbantschitsch. "Hier wird von der Netzseite ein Anreiz geschaffen", so der E-Control-Chef zum kommenden "Sonnen-Tarif". Übrigens: Man warte weiter auf eine gesetzliche Grundlage, welche PV-Anlagen unter "kleine Anlagen" fallen werden, die dann von der Netzgebühr ausgenommen werden sollen. Man sei "ebenso gespannt wie alle anderen".

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.10.2025, 22:27
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen