Beim ORF-Vorentscheid "Vienna Calling – Wer singt für Österreich?" wurde die musikalische Bandbreite der heimischen Szene noch ausdrücklich gelobt. Gast-Juroren betonten sogar, wie wichtig Radioeinsätze für die Acts seien. Doch sieben Tage später zeigt sich ein ernüchterndes Bild.
ESC-Ticket-Gewinner Cosmó kommt bislang auf 115 Radioeinsätze in Österreich. Klingt solide, doch 33 davon entfallen allein auf das Webradio "ESC Radio". Der reichweitenstärkste Sender des Landes, Ö3, spielte seinen Siegersong gerade einmal 14 Mal.
Zum Vergleich: Die britische Künstlerin Raye wurde im gleichen Zeitraum 66 Mal auf Ö3 gespielt, obwohl es sich nicht um einen heimischen Act handelt.
Besonders auffällig ist die Situation bei Sidrit Vokshi. Trotz starker Platzierung in den iTunes-Charts und Präsenz in den Spotify-Viral-Charts wird er von Ö3 bislang komplett ignoriert. Lediglich zwei Einsätze auf Radio Burgenland und ein Einsatz auf Radio Steiermark stehen zu Buche.
Ein ähnliches Bild bei anderen Finalisten: Kayla Krystin hat kein Ö3-Airplay, dafür 15 Einsätze bei Radio Flamingo. Bamlak Werner (Publikums-Zweite): ein Ö3-Einsatz, dazu vier Plays auf Antenne Kärnten, Antenne Steiermark, Radio Salzburg und Radio Steiermark. Die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten tauchen in den Playlisten kaum oder gar nicht auf.
Gerade im Kontext der Show wirkt diese Entwicklung bemerkenswert. Dort wurde noch betont, wie stark und vielfältig die österreichische Musikszene sei. Doch ohne regelmäßige Radioeinsätze bleibt selbst ein viel diskutierter Vorentscheid oft nur ein kurzer TV-Moment.
Die Zahlen legen nahe: Österreich hat offenbar genügend spannende Acts, sie müssten nur nachhaltiger unterstützt werden.