Es war schon beim ersten Anblick ein Schock! Kiloweise rohes Fleisch wird in Wien-Floridsdorf wie Müll behandelt – offen, ungeschützt, ohne Abdeckung. Zwei Männer räumen am 26. Jänner gegen 6 Uhr früh Fleisch aus einem Lkw, schmeißen es in einen Einkaufswagen und schieben es in einen Orient-Shop. Dort soll es später wohl verkauft werden.
"Heute" berichtete über den Vorfall – und jetzt wird klar: Das war erst der Anfang. Denn aus dem Hygiene-Aufreger ist inzwischen ein echter Fleisch-Skandal geworden.
Denn "Heute" hat nachrecherchiert – und dabei kommt der nächste Hammer ans Licht: Der Supermarkt besitzt keine Fleischer-Lizenz. Das liegt "Heute" schwarz auf weiß vor.
Und damit wird aus dem Wagerl-Ekel plötzlich ein ganz anderes Kaliber: Auf den Leserfotos ist zu sehen, dass Tiere bzw. große Fleischstücke als Ganzes angeliefert werden. Das bedeutet zwangsläufig: Im Geschäft muss das Fleisch illegal zerlegt werden.
Doch genau das darf nicht jeder. Für das fachgerechte Zerlegen und Verarbeiten braucht es eine Berechtigung – samt Hygiene-Schulung, Fachwissen und strengen Vorschriften. Fehlt diese Lizenz, ist die Sache klar: Hier wird illegal Fleisch verarbeitet.
Wenn Fleisch schon auf offener Straße im Einkaufswagen landet, stellt sich die nächste Frage ganz automatisch: Wie läuft es dann erst drinnen ab?
Bei rohem Fleisch ist die Kühlkette entscheidend. Temperatur, Lagerung, Hygiene, Trennung von sauber und schmutzig – das sind keine Details, sondern Grundregeln. Wer das nicht kann oder ignoriert, riskiert im schlimmsten Fall: Keime, Lebensmittelvergiftungen, Gesundheitsgefahr.
Ein gelernter Fleischer weiß genau, wie Transport und Verarbeitung zu passieren haben. Ein Betrieb mit Lizenz hätte solche Abläufe wohl verhindert. Genau deshalb sind diese Vorschriften so streng.
Und es wird noch grauslicher: Der Fleischtransport erfolgte in einem normalen Einkaufswagen.
Heißt: Wenn dieses Wagerl danach nicht professionell gereinigt wurde, könnte der nächste Kunde seine Lebensmittel auf Blutreste oder Fleischspuren legen. Brot, Obst, Babynahrung – alles im selben Wagen, in dem zuvor rohes Fleisch lag.
Nach dem Bericht von "Heute" reagierte das Marktamt der Stadt Wien prompt. Bereits am Dienstag standen Kontrolleure im Geschäft. "Heute" erfuhr: Es wurden mehrere Hygieneverstöße festgestellt. Den Betreibern droht nun eine Anzeige-Welle.
Der aktuelle Fall erinnert viele Wiener an den berüchtigten Döner-Skandal 2025: Damals flog in Wien eine illegale Fleischerei auf, die Gammel-Fleisch an Dönerläden geliefert haben soll. Berichtet wurde auch, dass Essen mit einer Schweißpistole aufgetaut worden sein soll – und Fleisch teils am schmutzigen Boden lag.
Der Floridsdorf-Fall zeigt jetzt: Das Problem ist nicht verschwunden. Und es beginnt oft dort, wo niemand hinschaut – bei der Fleischverarbeitung hinter den Kulissen.