Der mutmaßliche Mord an der elfjährigen Lyhanna erschüttert Frankreich und bringt die Justiz unter Druck. Präsident Emmanuel Macron räumte nun Fehler im System ein und kündigte Konsequenzen an.
"Es ist klar, dass es Schwachstellen gab", sagte Macron am Freitag. Nun müsse geklärt werden, wer Verantwortung trägt und wie der Schutz von Kindern verbessert werden kann.
Die Leiche des Mädchens war am Donnerstag in einem Getreidesilo in Puycasquier im Süden Frankreichs entdeckt worden. Das Kind war zuvor sechs Tage lang vermisst worden. Eine Obduktion soll nun die Identität und die genaue Todesursache bestätigen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Mann, in dessen Auto Lyhanna zuletzt gesehen worden sein soll. Der Verdächtige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.
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Der Fall sorgt auch deshalb für Empörung, weil gegen den Mann bereits mehrfach Anzeigen wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen Minderjähriger eingegangen waren. Juristische Konsequenzen blieben jedoch bislang aus.
Aus Regierungskreisen wurde Kritik an der zuständigen Staatsanwaltschaft in Auch laut. Demnach soll eine seit Jahresbeginn geltende Vorgabe missachtet worden sein, wonach Verfahren mit minderjährigen Opfern prioritär behandelt werden müssen.
Justizminister Gérard Darmanin sprach von "erheblichen und inakzeptablen Störungen" bei der Bearbeitung der Anzeigen gegen den Verdächtigen. Für Montag hat er ein Treffen mit Vertretern der Staatsanwaltschaft einberufen.
Auch Premierminister Sébastien Lecornu reagierte auf den Fall und berief Justiz- und Innenminister zu Beratungen ein. Erste Ergebnisse einer internen Untersuchung sollen innerhalb von zwei Wochen vorliegen.
Die Ermittlungsakten zeigen, dass bereits 2022 eine Anzeige gegen den Verdächtigen eingegangen war. Das Verfahren wurde damals wegen mangelnder Beweise eingestellt. Eine weitere Anzeige aus dem Sommer 2025 führte laut den Berichten bislang weder zu einer Einvernahme des Mannes noch möglicher Zeugen.
Erst am Mittwoch war erneut Anzeige wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Minderjährigen gegen ihn erstattet worden. Dabei soll es sich um ein elfjähriges Mädchen handeln, das an einer Übernachtungsparty einer seiner Töchter teilgenommen hatte.
Auch Lyhanna hatte zuvor an einer solchen Übernachtung im Haus des Verdächtigen teilgenommen. Ihren Eltern zufolge hatten sie danach Abstand zu dem Mann gehalten.
Während die Ermittlungen zum Tod der Elfjährigen weiterlaufen, wächst in Frankreich die Debatte über mögliche Versäumnisse der Behörden im Umgang mit Hinweisen auf sexuelle Gewalt gegen Kinder.