Bei einer europaweiten Polizeiaktion gegen Menschenhandel sind 27 mutmaßliche Täter festgenommen worden. Die Behörden identifizierten zudem 248 Opfer und mögliche Opfer von Ausbeutung, berichtet Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, am Freitag.
An der Aktionswoche vom 14. bis 20. September beteiligten sich laut Europol und der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA) mehr als 16.000 Einsatzkräfte aus 34 Ländern. Sie kontrollierten Personen, Betriebe, Fahrzeuge und Dokumente.
Im Mittelpunkt stand die Ausbeutung von Arbeitskräften in Bereichen wie Landwirtschaft, Bau, Gastronomie, Nagelstudios und Massagesalons. Die Ermittler stießen aber auch auf Verdachtsfälle von sexueller Ausbeutung, erzwungenem Betteln und Zwangsarbeit in Privathaushalten. Zusätzlich zu den 27 Festnahmen wegen mutmaßlichen Menschenhandels gab es 86 weitere Festnahmen wegen anderer Delikte, darunter illegale Beschäftigung und Prostitution. Insgesamt wurden 182 neue Ermittlungen wegen Menschenhandels eingeleitet.
Auch in Österreich deckten Ermittler einen Fall auf: Eltern sollen ihre Kinder zum erzwungenen Betteln ausgebeutet haben. Der Verdacht kam bei Kontrollen lokaler Unternehmen ans Licht.
Wie drastisch die Arbeitsbedingungen sein können, zeigt ein Fall aus Zypern. Dort fanden Behörden einen Arbeiter auf einer Viehfarm, der täglich zehn Stunden ohne Bezahlung und freie Tage arbeiten musste. Sein Arbeitgeber soll ihm den Pass abgenommen und ihn unter erbärmlichen Bedingungen untergebracht haben.
In Deutschland identifizierten die Behörden 63 mögliche Opfer, vorwiegend aus Vietnam und China, in der Gastronomie und in Nagelstudios.
Dabei ging es unter anderem um zu niedrige Löhne, illegale Beschäftigung und eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
EU-Kommissar für Inneres und Migration Magnus Brunner verwies auf die Bedeutung grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Ausbeutung finde oft hinter den Fassaden alltäglicher Betriebe statt.
Die Aktion zeige, warum Polizei, Arbeitsinspektionen und andere Behörden Informationen besser austauschen müssten, um kriminelle Netzwerke aufzudecken und Betroffene zu schützen.